Master: MFIS

Die Führungsakademie der Bundeswehr bietet ihren Lehrgangsteilnehmern in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität einen international anerkannten Masterabschluss:

„Militärische Führung und Internationale Sicherheit“

GIDS

Das German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS – untersucht geostrategische, sicherheitsrelevante Fragestellungen unserer Zeit. 

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Alumni

Die Führungsakademie der Bundeswehr ist traditionell international stark vernetzt. Weltweite Kooperationen sind die Basis unseres Beitrages zur Völkerverständigung.

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Lehrdeputat

An der Führungsakademie der Bundeswehr bringen Spitzenführungskräfte aus allen Bereichen der Streitkräfte ihre Expertise in unterschiedlichen Formaten in die Lehre ein.

Zur Veranstaltung

Ostern international

 

Autorin: Marie Kellermann

Fotografin: Laura Clayborn

Fregattenkapitän Cersofios und Major Etienot aus Argentinien erzählen von ihren Osterbräuchen

Oberstleutnant Gladzik erläutert seine Osterbräuche aus seiner Heimat Brasilien

Korvettenkapitän Kim und Major Shin erzählen von den Osterbräuchen aus ihrem Heimatland Südkorea

 

 

Ostereier bemalen und für die Kinder verstecken, in die Kirche gehen und am Karfreitag Fisch essen. So feiern viele deutsche Bürgerinnen und Bürger das Osterfest. Aber wie feiern eigentlich unsere internationalen Gäste an der Führungsakademie Ostern? Wie sieht es zum Beispiel in Südamerika aus, wie wird dort gefeiert?

„Ja, in Argentinien feiert man Ostern“, beginnt der Argentinier Fregattenkapitän Cersofios auf die Frage, ob sie auch das Osterfest feiern, „und sie nehmen [sich] Zeit dafür, Donnerstag und Freitag, wird jeden Tag eine besondere Feier in der Kirche ausgerichtet“. Er erzählt, dass der religiöse Aspekt der Ostertage früher eine große Rolle spielte und der Großteil der Bevölkerung die Gottesdienste in der Kirche besuchte. Die Bedeutung sei heutzutage keine geringere und noch immer würden viele in die Kirche gehen, aber die meisten nutzten die Zeit inzwischen, um zu verreisen, ob zu Freunden und Familie, oder um Urlaub mit den Liebsten in der Ferne zu genießen.

Major Etienot, ebenfalls aus Argentinien, ergänzt im Gespräch. „Normalerweise dürfen wir am Freitag kein Fleisch essen. Das ist ein Problem in Argentinien, weil wir Fleisch lieben“, lacht er. Also wird in Argentinien am Karfreitag, wie auch in Deutschland oft Fisch gegessen. Karfreitag erinnert an den Todestag Jesus‘. Deswegen soll an diesem Tag nicht gefeiert, nur wenig gegessen, keine Musik gehört als auch kein Alkohol getrunken werden.

„Wir besuchen sieben verschiedene Kirchen zu Fuß, in jeder Kirche beten wir. Das ist eine normale Tradition, die die ganze Familie lebt.“ Die Zahl sieben habe in der Bibel eine besondere Bedeutung, erklärt Etienot, daher auch der Besuch in so vielen Kirchen.

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland seien die offiziellen Feiertage. In Deutschland sind der Karfreitag sowie der Ostermontag gesetzliche Feiertage, in Argentinien der Gründonnerstag und Karfreitag, am Montag gehe es eben wieder zurück zur Arbeit oder in die Schule.

„Argentinische Kinderaugen leuchten zu Ostern. Sie bekommen die Schokoladeneier und kleine Geschenke. Dazu essen wir einen traditionellen runden Osterkuchen, hält Major Etienot abschließend fest.

Argentinien hat bereits sehr viele Gemeinsamkeiten mit der deutschen Osterkultur. Wie sieht es im Nachbarland Brasilien aus? „Ich denke, dass Ostern sehr ähnlich gefeiert wird , im Vergleich zu Deutschland“, überlegt der Brasilianer Oberstleutnant Gladzik. „Die Mehrheit in Brasilien sind Christen. Brasilien ist das größte katholisch geprägte Land der Erde. Daher wird auch hier im Großteil des Landes Ostern gefeiert.“

Gladzik erklärt: „Es gibt zwei Seiten von Ostern. Die eine ist religiös, die andere ist wirtschaftlich.“ Die einen feiern mit der Familie, die anderen verreisen. „Auch hier wird der Karfreitag als Trauertag gesehen, an dem man traditionell Fisch isst. Auf keinen Fall Fleisch, aus Respekt vor Jesus Christus“, erklärt mir der Oberstleutnant. Am Samstag würde dann mit der Familie gefeiert und, wie in Deutschland, bringe der Osterhase die Schokoladeneier für die Kinder, die diese dann eifrig suchten.

„Einige Brasilianer fasten auch 40 Tage vor Ostern“, erzählt Gladzik, „sie verzichten auf Partys, Alkohol und bemühen sich, nicht zu viel zu essen. Auch im Studium versuche man, nicht zu viel Zeit allein darauf zu konzentrieren.“

Das brasilianische Osterfest ähnelt nicht nur dem, des Nachbarn Argentinien, sondern auch unserem deutschen Osterfest. Wie es wohl in Asien gefeiert wird und ob es überhaupt dort gefeiert wird?

Major Shin und Korvettenkapitän Kim aus Südkorea sind Christen und damit nicht allein in ihrem Land. „Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung ist christlich geprägt“, beginnt Shin, „ungefähr 18 Prozent sind Christen und ca. 15 Prozent sind katholisch. Der Rest sind […] Nicht-Christen und deswegen gibt es keine offiziellen Feiertage bei uns.“ Vor dem Hintergrund verreise man hier nicht und die öffentlichen Veranstaltungen und Zeremonien beschränkten sich hauptsächlich auf das Wochenende.

Korvettenkapitän Kim isst selbst sehr gern Ostereier und geht, mit seiner ebenfalls christlichen Frau, in die Kirche. Freudig erzählt er: „Die anderen Religionen respektieren diese Tage.“ Es gäbe auch keine heimischen Feiertage, die sich mit Ostern überlappen. „Koreanische Feiertage sind abhängig von [dem] Mondkalender, nicht [von der] Religion wie in Westeuropa“, beschreibt Major Shin. Ostern habe eher eine kleinere Bedeutung im Vergleich zu ihren wichtigsten Feiertagen, Neujahr und dem Erntedankfest im Herbst.

In den Wochen vor Ostern werde in Teilen gefastet, um die Entbehrungen Jesus Christus nachempfinden zu können, berichtet Shin.

Am Osterwochenende bitte ein Pfarrer schon um fünf Uhr morgens zum Gebet, wobei so viele Personen wie möglich in die Kirche gelassen werden, um gemeinsam zu beten. Die Kirche bereite zusätzlich eine Kantate vor. „Die Werke von Händel sowie den Gesang und die Zeremonie, die Jesus Christus gewidmet ist, bereiten wir vor. “Die Kirche macht das wirklich sehr professionell. Zuweilen wird neben der Kantate ein Filmstück von Jesus Christus gezeigt, damit wir uns bildhaft vorstellen können, was Jesus Christus in dieser Zeit erlebt hat“, berichtet der Major, „alle Zeremonien und Veranstaltungen finden ihr Ende am Ostersonntag.“ Die vielen Kinder in der Kirche bekommen Schokoladeneier und hören noch einmal die Ostergeschichte.

Ob Argentinien, Brasilien, Südkorea oder Deutschland. Ostern wird im großen Rahmen unabhängig von der Nation ähnlich gefeiert. Fisch am Freitag, der Hase bringt die Ostereier und die Kinder freuen sich über die schokoladene Überraschung.

 

Die Führungsakademie der Bundeswehr wünscht frohe Ostern!

 

 

Aktuelles

Orientalisches Flair an der FüAk – Sultanat Oman besucht Hamburg

Autorin: Anne Bressem ; Bilder: Vanessa Feldmann

 

Hamburg, 15.04.2019

 

 Brigadegeneral Al Zadjali beim Eintrag in das Gästebuch

Die omanische Delegation vor dem Stabsgebäude der FüAk

Wie begegnet die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) den aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen, wie bereitet sie vor diesem Hintergrund angehende Stabs- sowie Generalstabsoffiziere auf ihre zukünftigen Aufgaben vor. Fragen, zu denen sich eine sehr interessierte Delegation des National Defence College aus dem Sultanat Oman mit dem Direktor Ausbildung, Oberst i.G. Holger Neumann, Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich und Fregattenkapitän Stefan Berger austauschte.  

What we are and what we stand for 

Zunächst stellte Oberstleutnant i.G. Friedrich das Konzept des Lebenslangen Lernens sowie das breit gefächerte Angebot der Lehrgänge an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte der Bundeswehr vor. Von Offenheit sowie herzlichen Gesprächen begleitet, ließen die Gäste ihrer Neugier freien Lauf. So erkundigte sich Brigadegeneral Al Zadjali, Strategischer Direktor der Royal Air Force Oman, nach dem multinationalen Ansatz an der Akademie, nach der Arbeit der im vergangenen Jahr gegründeten Denkfabrik German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) sowie nach dem Masterprogramm „Militärische Führung und Internationale Sicherheit“ (MFIS). Multinational sei die Führungsakademie in jedem Fall durch den Generalstabslehrgang International (LGAI) geprägt sowie durch die zahlreichen Angebote, die ebenfalls von internationalen Gästen anderer Streitkräfte besucht werden. Das noch junge GIDS setzt auf Basis wissenschaftlicher Grundlagenforschung seinen Auftrag zur sicherheitspolitischen Beratung des Ministeriums sowie der Bundesregierung um, wie Oberst i.G. Neumann betonte.

Give them a toolbox…

Die Gäste des Sultanats Oman folgten interessiert den Ausführungen von Fregattenkapitän Berger, wie die internationalen Offiziere an der Führungsakademie das nötige Handwerk für ihre Karriere in ihren Heimatländern an die Hand bekommen. Generell sei der hohe Anspruch der Führungsakademie zu spüren, wie die arabischen Gäste festhielten. „You do constantly care about what is happening around the globe“, hielt der Übersetzer fest. Neumann betonte in diesem Zusammenhang weiterhin, wie wichtig es sei, die Zukunft des militärischen Spitzenpersonals, ob nun national oder international, im Dialog zu gestalten. „Wir geben den jungen Offizieren eine Toolbox mit auf den Weg. Sie sollen lernen und wissen, welches Werkzeug sie in welcher Weise anwenden müssen, um Probleme schnell, effektiv und zielorientiert lösen zu können. So machen wir sie fit, um den sicherheitspolitischen Herausforderungen, die sie im Laufe ihrer Karriere erfahren werden, angemessen begegnen zu können.“

Für den intensiven Überblick sowie den anregenden Austausch dankte die omanische Delegation mit herzlichen Worten und setzte ihren Besuch bei der Firma Airbus in Hamburg fort.

 

 

 

Das Amerikanisch- Jüdische Komitee zu Besuch

 

Leidenschaft an der Führungsakademie –

das Amerikanisch-Jüdische Komitee zu Besuch

Autorin: Victoria Eicker; 

Bilder: Lene Bartel

Hamburg, 09.04.2019

Die Delegation zu Besuch an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg

Eintrag ins Gästebuch

Die Führungsakademie der Bundeswehr ist die höchste militärische Bildungseinrichtung in Deutschland. Aber, an der Akademie wird nicht nur der Führungsnachwuchs aus- und weitergebildet, die Akademie ist auch ein Vehikel zur internationalen Zusammenarbeit und Kooperation. So zum Beispiel mit dem American Jewish Committee (AJC), dem Amerikanisch-Jüdischen Komitee, einer Nicht-Regierungsorganisation aus den USA. Jüngst besuchte eine Delegation des AJC die Führungsakademie. Mit vielen Fragen und leidenschaftlichen Diskussionen.

Langjährige Zusammenarbeit

Die Führungsakademie der Bundeswehr pflegt schon länger eine enge Zusammenarbeit mit dem AJC. Der Besuch der 14-köpfigen Delegation Anfang April an der Führungsakademie wurde indes von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) organisiert. „Wir organisieren seit 39 Jahren jährlich ein Austauschprogramm. Eine Delegation aus Amerika kommt für eine Woche zu uns und umgekehrt“, sagt Dr. Lars Hänsel, Abteilungsleiter Team Europa/Nordamerika der KAS. Er ist der Leiter der Besuchergruppe. Die Delegation aus acht verschiedenen Staaten der USA besucht eine Woche lang Deutschland, informiert sich über das jüdische Leben in Deutschland und besucht den Deutschen Bundestag sowie andere Bundesbehörden. Dabei reisen sie durch das Land, hören Vorträgen zu und stellen Fragen.

An der Führungsakademie erfuhren die höchst interessierten Amerikaner nicht nur, wie sich die Akademie strukturiert, welche Aufgaben sie hat und welche neue Aufgaben durch die Gründung der neuen Denkfabrik German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) auf sie zugekommen sind. Brian Lipton, der Delegationsleiter und Regionalleiter des AJC in Florida, zeigte sich begeistert. „Ich war schon einmal vor sieben Jahren an der Führungsakademie der Bundeswehr. Es ist absolut beeindruckend, wie sich die Akademie verändert, wie viele unterschiedliche Lehrgangseinheiten angeboten werden und auch, wie viele internationale Lehrgangsteilnehmer mittlerweile Kurse an der Akademie besuchen.“

Mut zum Diskurs

In einem weiteren Vortrag verfolgte die Delegation gespannt den Ausführungen Oberstleutnant i. G. Bastian Volz, Dozent an der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften, über die Struktur und die Aufgaben der Bundeswehr im Allgemeinen. Die Fragen waren vielfältig: Wie wird die Bundeswehr in der Gesellschaft wahrgenommen und wie kann man diese Wahrnehmung verbessern? Wie passt die Bundeswehr ihre Bedarfe an die Budgetierung an?

Bei dieser Frage ging es auch um die von der NATO angestrebten zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung. In den USA zeigte man sich irritiert über den von Finanzminister Olaf Scholz vorgelegten Haushaltsplan, der die in Wales von der Bundesregierung zugesagte sukzessive Angleichung an die zwei Prozent Marke mit einem ab 2020 wieder sinkenden Verteidigungsetat konterkarierte. Brigadegeneral Boris

Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten, griff das für alle kurz auf: „Wir brauchen mehr Geld für die Bundeswehr, um unsere vielen Aufträge zu erfüllen. Wir müssen das in der Öffentlichkeit klar ansprechen und diskutieren, was ist uns Sicherheit wert. Am Ende sind die zwei Prozent natürlich eine politische Entscheidung – und eben auch eine demokratische.“

Herausforderungen für die Bundeswehr

Mit großer Spannung lauschten die Gäste schließlich noch dem Vortrag von Jörn Thießen, Direktor der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften, über die aktuellen und künftigen Herausforderungen für die Bundeswehr. Mit viel Verve erklärte der ehemalige Bundestagsabgeordnete, wie schwierig Themen der Verteidigung und Sicherheit in einen öffentlichen Diskurs zu bringen sind. „Wir haben in Deutschland eine Parlamentsarmee und auch den Wehrbeauftragen im Deutschen Bundestag als einen Anwalt der Soldaten, an den sich jeder Soldat jederzeit wenden kann“, erklärte er das deutsche System. Sicherheit, sagte er, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Angesichts der vielen Herausforderungen sei es wichtig, dass in Deutschland viel offener über Verteidigung und Sicherheit debattiert werde. Zudem sei die Strategiefähigkeit zu entwickeln, denn Deutschland brauche eine Gesamtstrategie. Arnie Herz, aus Port Washington, New York merkte am Ende an: „Das waren sehr umfassende Ausführungen, vielen Dank dafür. Für uns hat das eine ganz neue Dimension des Verständnisses eröffnet.“ Und genau dafür war das Format gedacht.

 

 

 

 

Verteidigungsfähigkeit in Stresszeiten

Amerika und Deutschland - Verteidigungsfähigkeit in Stresszeiten

Autor: Dr. Victoria Eicker;

Fotografin: Lene Bartel


Ben Hodges (USA), Johannes Kahrs (D), Boris Nannt (D), Andrew Winternitz (USA) und Wolfgang Ohl (D) bei der Tagung


Amerikanische und deutsche Teilnehmer des Workshops diskutieren über die Herausforderungen der Zukunft


Gemeinsam im Dialog Strategien entwickeln: Gale Mattox (USA) im Gespräch


Im digitalen Zeitalter angekommen

 

 

„Könnt ihr uns eigentlich verteidigen?“ – das war eine Frage, die im Workshop „Germany and the United States: Partnership under Stress?“ gestellt wurde. Eine Frage, die zwar auf die Bundeswehr gemünzt war, die aber viel weiter gefasst werden kann: Wie steht es um die transatlantischen Beziehungen und die NATO? Sind die Bundeswehr und mit ihr die NATO den Herausforderungen der Zukunft gewachsen? In dem Workshop, der vom Fachbereich Politik der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) und vom German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS mit verantwortet wurde, wurde hierüber intensiv diskutiert.

Zahlreiche Experten aus diversen deutschen, europäischen und amerikanischen Think Tanks, der US-Administration, Behörden, Bundeswehr und Bundestag trafen sich Ende März an der Führungsakademie der Bundeswehr. So beispielsweise Nils Annen, Johannes Kahrs und Siemtje Möller aus dem Deutschen Bundestag, Dr. Hans Christoph Atzepodien vom Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie oder Rachel Ellehuus vom Center for Strategy and International Studies (CSIS). Es war der zweite internationale Workshop in einer Reihe, die sich die transatlantische Beziehung Deutschlands zu den USA zum Thema nimmt.

Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), das American Institute for Contemporary German Studies und die neue Denkfabrik an der FüAkBw, das „German Institute for Defence and Strategic Studies“ (GIDS), luden gemeinsam an die Elbe. Nach der Begrüßung durch den Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl, diskutierten die Experten in vier Panels unter Chatham House Rules. „Wir freuen uns, dass so viele interessante Panelisten und Teilnehmer den weiten Weg nach Blankenese angetreten sind, um mit uns zu diskutieren“, sagte Brigadegeneral Boris Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten.

 

Deutsch –amerikanisches Verhältnis im Kontext der Zeit

Gibt es eine deutsch-amerikanische Krise? „Zumindest ist da in der Politik Raum für Verbesserung“, konstatierte Dr. Karl-Heinz Kamp (BAKS) in seinem Eröffnungsstatement. Trotz der aktuellen Verstimmungen war man sich schnell einig, dass die deutsch-amerikanische Partnerschaft verlässlich und stabil bleiben muss. Schließlich überwiegen die gemeinsamen Interessen bei weitem, was durch die aktuelle Diskussion teils überdeckt werde, betonten Teilnehmer des Workshops. In einer Welt, in der Artikel 5 des NATO Vertrags – der Bündnisfall – wieder wahrscheinlicher geworden sei, müsse über Verteidigungsfähigkeit und Bereitschaft von Streitkräften neu nachgedacht werden.

Teilnehmer plädierten dafür, die derzeitige US-Administration zwar als Herausforderung zu sehen, wiesen aber auch auf die Berücksichtigung einer langen Geschichte der Partnerschaft und Freundschaft hin. Es sei nicht die erste Administration, die für Spannungen sorgt. Die Forderung nach einem Beitrag von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für die Verteidigung sei nicht erst eine Forderung der amtierenden US-Administration, sondern wurde schon vorher gefordert.

Dieses Thema zog sich durch alle Panels des Workshops. Während die einen auf Verlässlichkeit pochten, argumentierten die anderen gegen eine statische Zahl. Ein Teilnehmer brachte die Diskussion auf den Punkt: „Zwei Prozent, das sind zwei Cent von einem Euro. Was ist uns Sicherheit eigentlich wert?“ Nichtsdestotrotz wurde auch darauf hingewiesen, dass das sicherheitspolitische Engagement Deutschlands seit der Annexion der Krim bereits deutlich zugenommen habe – das attestierten auch die internationalen Gäste. Deutlich seien zudem die Verteidigungsausgaben nach Jahren des Schrumpfens wieder gestiegen – aber „eben noch zu wenig“. Ein Teilnehmer betonte, dass Deutschland auf der anderen Seite viel Geld für Flüchtlingshilfe und Stabilisierung im vernetzen Ansatz bereitstelle. „Auch die demokratischen Strukturen stabil und resilient zu halten, ist außerordentlich wichtig“, sagte ein anderer Teilnehmer. Das starre Festhalten an zwei Prozent rein für den Verteidigungshaushalt hielt er für nicht zielführend. Eine Teilnehmerin aber betonte, dass Deutschland sich zu den zwei Prozent bekannt habe. „Versprechen muss man halten“, sagte sie.

 

Deutschland: Führung oder lieber nicht?

Eines wurde sehr deutlich – und hier machten sich insbesondere die internationalen Gäste stark für: „Deutschland ist zu reaktiv. Wir erwarten deutlich mehr von Deutschland.“ Es wurde bei dieser Forderung schnell konkret: mehr Investitionen in die Infrastruktur, mehr Investitionen in die Streitkräfte und ihre Ausrüstung und mehr Führung. Einige wesentliche Schritte wie das neue Unterstützungskommando der NATO in Ulm seien schon getan. Auch an diesem Punkt der Diskussion kam man zurück auf die zwei Prozent: „Wenn ich für die Bundeswehr planen und beschaffen will, brauche ich Verlässlichkeit, was das Budget angeht.“. Denn letztlich gehe es um die Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses, also um die Frage „können wir uns eigentlich verteidigen“.

Deutschland muss mehr tun, denn „Deutschland ist für viele kleinere Alliierte eine Benchmark. Wenn Deutschland mehr investiert und mehr Engagement zeigt, folgen die anderen. Deutschland sei ein reiches Land. Zwar waren sich alle einig, dass Deutschland schon viel erreicht habe, aber es sei auch wichtig, aktiv vor die Bugwelle zu kommen. „Wenn Deutschland endlich so weit ist, alle bestehenden Lücken und Defizite geschlossen zu haben und sich mit den anderen Nationen in der NATO auf einer Ebene steht, sind die [in ihrer Entwicklung] schon wieder weit weg“.

 

Visionen und Strategie

Angesichts der großen Herausforderungen der Zukunft wie Künstliche Intelligenz und aufstrebende Mächte wie China sei Deutschland gut beraten, eine gesamtstaatliche Strategie zu entwickeln – und auch Visionen zu haben. Den Anfang könne mehr Offenheit und Ehrlichkeit in der öffentlichen Debatte machen: Klare Worte der Regierung bezüglich verteidigungs- und sicherheitspolitischer Fragen, mehr Ehrlichkeit und einfach mehr Strategie. „Es ist Zeit, dass Deutschland eine strategische Debatte über seine Rolle in der Welt beginnt“, war zu hören – und das nicht nur einmal. Dazu gehört unter anderem eine nationale Sicherheitsstrategie.

Das deutsch-amerikanische Verhältnis in Stresszeiten: Konsens war, dass alles noch im grünen Bereich ist. „Wir sind uns momentan zwar nicht immer einig in der Sprache, aber einig in der Sache“, sagte ein Teilnehmer. Deutschland und die USA teilen ein breites Fundament an Werten und eine lange Freundschaft, das nicht so schnell zerstört werden kann. Der Blick in die Zukunft, auch in Bezug auf die NATO, zeigt: Es gibt weiterhin viel zu tun! Aber die Hausaufgaben werden gemacht. Das wichtigste: „Wir müssen mehr miteinander reden, auch über die Herausforderungen der Zukunft und wie wir ihnen begegnen wollen.“

Der nächste Workshop wird im Juni im Bundesministerium der Verteidigung unter Federführung der Bundesakademie für Sicherheitspolitik stattfinden. Der vierte und letzte Workshop wird – wie schon der Auftakt der Reihe – abschließend in Washington stattfinden.



 

 

 

Herausforderung Balkan

Autor: Stefan Berger

Fotograf: FüAkBw


Oberstleutnant Barbaric aus Kroatien


Major Huskanovic (Bildmitte) aus Bosnien und Herzegowina im Dialog


Major Berisha aus dem Kosovo


Oberstleutnant i.G. Steeger (2. vr) äußert sich im Rahmen der Podiumsdiskussion


Angeregte Abschlußgespräche im Foyer des MWZ

 

 

Im Laufe der zahllosen Bemühungen, die Kriege im ehemaligen Jugoslawien zu verhindern oder auf dem Balkan einen Waffenstillstand zu erzwingen, veränderte sich die sicherheitspolitische Landschaft in dieser Region erheblich. Je mehr das ehemalige Jugoslawien zerfiel, desto heftiger entbrannte der Krieg zwischen den einzelnen Volksgruppen. Lang aufgestauter Hass entlud sich. Insbesondere die damalige Europäische Gemeinschaft versuchte immer wieder zu vermitteln. Zahllose Initiativen und Aktionen wurden vorbereitet und medienwirksam gestartet. Doch oft fehlten Erfahrungen oder das notwendige Instrumentarium, um solche Krisen zu meistern. Auch heute ist die Thematik „Balkan“ weiterhin hochaktuell und damit mehr als Grund genug, um sie auch im Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI) im Rahmen eines Regionalen Informationstages zu behandeln.

Reise auf den Balkan

So führte der LGAI 2018 unter dem Thema „Balkan“ Mitte März im Manfred-Wörner-Zentrum einen weiteren Regionalen Informationstag (RIT) durch. Geladene Gäste, Teile des Stammpersonals der Führungsakademie und Lehrgangsteilnehmer des LGAN 2018 sowie des LGAI machten sich auf eine Reise zur Balkan-Halbinsel. Im bewährten Format der Regionalen Informationstage wurden den interessierten Zuhörern im gut besuchten Manfred-Wörner-Zentrum „Erste-Hand-Informationen“ durch die Lehrgangsteilnehmer Oberstleutnant Zdravko Barbaric aus Kroatien, Major Elvir Huskanovic aus Bosnien und Herzegowina sowie Major Agron Berisha aus dem Kosovo präsentiert.

Gestaltungskraft Kroatien

Neben der langen Geschichte des Balkans wurden gleichermaßen die Traditionen der Länder, die Vielfalt der dort lebenden Gesellschaften sowie die Geographien, Ökonomien, Lebensstile und die Sprachen der heimischen Volksgruppen vorgestellt. Zuvor wurden die Zuhörer durch Oberstleutnant i.G. Rupert Steeger, aus der Fakultät Politik-, Sozial- und Gesellschaftswissenschaften, mit einem detail- und facettenreichen Vortrag in die offizielle deutsche Sichtweise auf den Balkan, insbesondere aber in die deutschen Interessen und Aktivitäten in den Ländern Kroatien, Bosnien und Herzegowina und dem Kosovo eingewiesen.

Die sich anschließende Diskussion war gekennzeichnet durch einen sehr anregenden Dialog und durch die tiefgründigen und teils kritischen Fragen der Zuhörer. Dabei merkte Oberstleutnant Barbaric treffend an: „Bereits traditionell ist der Kontakt zwischen deutschen und kroatischen Bürgerinnen und Bürgern sehr eng! Als jüngster EU-Mitgliedstaat und als regionale Gestaltungskraft ist Kroatien für Deutschland der Schlüsselpartner innerhalb Europas.“

Major Huskanovic aus Bosnien und Herzegowina, der bereits an einem Lehrgang für Bataillonskommandeure in Deutschland teilnahm, unterstrich die Wichtigkeit vieler starker Partnerländer speziell im Rahmen der Einsatz- und Ausbildungskooperation. „Früher haben wir von der internationalen Gemeinschaft Unterstützung erhalten, mittlerweile engagieren wir uns selbst mit unseren Streitkräften an internationalen Missionen.“

Und Major Berisha aus dem Kosovo unterstrich die Bedeutung vieler starker Partnerländer mit den Worten: „Im Zentrum der kosovarischen Außenpolitik steht die schrittweise Integration in die euro-atlantischen Strukturen. Insbesondere die USA als auch die großen EU-Mitgliedstaaten werden daher als wichtige strategische Partner betrachtet, die das Land auf diesem Weg nachhaltig und effektiv unterstützen können.“

Die unterschiedlichen Zuhörer und Gäste erfuhren neue Anregungen und Impulse. Insbesondere der Dialog sowie die abschließende Podiumsdiskussion mit den Referenten fanden deshalb auch diesmal trotz des ernsten Themas wieder einen sehr großen Zuspruch.

Seinen Ausklang fand dieser Regionale Informationstag bei einem kleinen Empfang im Foyer des Manfred-Wörner-Zentrums mit lokalen Süßigkeiten aus Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie aus dem Kosovo.

In diesem Sinne lädt der LGAI 2018 herzlich zu den weiteren Informationstagen ein.

 



 

 

 

 

Girls´Day 2019 - Mit Hund und Kamera

Mädchen an der Führungsakademie – mit Hund und Kamera

Autor: Marie Kellermann, Julia Dunbar und Laura Clayborn

Fotograf: Lene Bartel und Laura Clayborn

Das Landeskommando Hamburg stellt sein Aufgabenspektrum vor

Bundeswehr zum Anfassen: die Mädchen durften die persönliche Ausrüstung auch anziehen

Krankenwagen zum Ausprobieren

Das Highlight der Feldjäger: der Diensthund

Ein spannender Tag an der Führungsakademie der Bundeswehr

 

 

Das Wetter – typisch Hamburg – war regnerisch und kühl. Aber das hielt die zwanzig Mädchen nicht davon ab, den Weg zur Führungsakademie der Bundeswehr zu finden. Girls’Day 2019: die Tore an der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung standen für junge Mädchen Mitte März offen. Aufgeregt aber noch ein bisschen schüchtern hörten sie zunächst einem Vortrag über die Führungsakademie der Bundeswehr und die Bundeswehr im Allgemeinen zu. Dann waren verschiedene Stationen aufgebaut, an denen unterschiedliche Aspekte des Soldatenberufs dargestellt wurden.

Für die Mädchen hieß das, nicht nur zuhören und zuschauen sondern auch anfassen und mitmachen. So durften sie an einer Station eine Koppel samt voll bepackten Rucksack aufsetzen. „Der ist ja total schwer“, ächzten sie. Außerdem durften sie diverse Uniformen – vom Feldanzug bis zum Dienstanzug, von Heer- über Luftwaffe- bis Marineuniform – in einer kleinen Modenschau bewundern. So sagte eine junge Teilnehmerin: „Durch die freundliche und offene Art und Weise, in welcher Sie uns alles erklärt, gezeigt und ausprobieren lassen haben, war das Programm ansprechend und abwechslungsreich“.

Vor laufender Kamera

An einer anderen Station konnten die Mädchen an einem Medientraining teilnehmen. Das Medientraining ist Teil der Ausbildung für den Führungsnachwuchs der Bundeswehr an der Führungsakademie. In der Graf-Baudissin-Kaserne in Hamburg Altona gibt es eine ganze Abteilung für das Medientraining – samt benötigten Equipment. Von Kamera über Licht zu Ton – die Mädchen durften sich alles anschauen. Auch in der Regie durften sie sich umschauen, dort wo viele Bildschirme und Tonregler den Raum ausfüllen. Hier durften sie auch im Präsentierraum installierten Innenkameras steuern. Danach ging es für die Mädchen vor die Kamera. Dort konnten sie sich einem Interview stellen und dann schauen, wie es geworden ist.

Mund zu Mund Beatmung

Keine Bundeswehr ohne Sanitäter: Eine weitere interessante Station bot ein Krankenwagen der Sanitäter. Die gespannten Mädchen lauschten den Erklärungen der Ersthelfer; sie durften auch in den Krankenwagen steigen und sich dort alles anschauen. Auch hier folgte noch eine praktische Einführung im Anlegen eines Tourniquets zum Abbinden starker Blutungen oder zusätzliches Equipment bei der Wiederbelebung. Die Sanitäter berichteten zudem von den Einsatzorten und dem Aufgabenfeld des Sanitätsdienstes der Bundeswehr.

Spannend war es auch bei den Feldjägern. Hier kam nämlich ein Diensthund der Militärpolizei zum Einsatz. Bei der Bundeswehr haben auch Hunde ihre eigene Ausrüstung: eine Erste-Hilfe-Tasche, Beißkörbe, Hundesocken und Hundeschuhe. Die Mädchen konnten schauen, wie ein Diensthund trainiert wird, was er kann und was seinen Aufgaben sind – beispielsweise das Erschnüffeln von Drogen und Sprengstoff. Damit werden die kleinen Vierbeiner oft zu wichtigen Kameraden und auch Lebensrettern. Gerade die Vorführungen der knapp zweijährigen belgischen Schäferhündin „DJ“ begeisterten die Zuschauerinnen. „Platz“, „sitz“ schallte es über den Rasen. DJ hörte sofort und akkurat. Bei drohender Gefahr griff sie sofort und hörte bei einem entsprechenden Kommando auch sofort wieder auf. Das waren nur einige Beispiele eines dicht bepackten Tages. Die Begeisterung am Ende des Tages war groß. „Es war ein spannender Tag“, sagte ein Mädchen. Insgesamt konnten sich danach circa 80 Prozent der Jugendlichen vorstellen, eine Karriere bei der Bundeswehr zu starten.

 

 

Die Mongolei: Wichtiger Partner in der Ferne

Autorin: Dr. Victoria Eicker

Fotografin: Lene Bartel 


Major ENKHJARGAL aus der MONGOLEI stellt sein Land vor


Aufführung des Byad Tanz


Musikdarbietung mit einer Pferdekopfgeige


Danksagungen an die internationalen Lehrgangsteilnehmer und alle mitwirkende Akteure

 

 

 

 

Ende März fand der letzte große Nationale Informationstag (GNIT) des im August 2018 gestarteten Lehrgangs Generalstabs-/ Admiralsstabsdienst International (LGAI). Die informative Veranstaltung im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie der Bundeswehr brachte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Lehrgangs wie auch den geladenen Gästen ein Bild eines auf den ersten Blick relativ weit entfernten Landes näher: der Mongolei Die Mongolen hatten einst im 13. Jahrhundert unter der Führung von Dschingis Khan das größte Weltreich in der Menschheitsgeschichte gegründet. Das Land befindet sich zwischen Russland und China in Nordostasien und ist heute ein enger Partner Deutschlands.

Gemeinsam im Einsatz

In seinem einführenden Grußwort unterstrich der mongolische Verteidigungsattaché, Oberstleutnant Samdangeleg Sandagsuren, besonders die militärische Zusammenarbeit an den internationalen Missionen in Afghanistan, bei denen Deutsche und Mongolen zusammen ihren Auftrag erfüllen. Hier ergibt sich auch die Verbindung zum LGAI 2018 und dessen mongolischen Lehrgangsteilnehmer Major Amartuvshin Enkhjargal, der bereits zweimal in Afghanistan an der Seite der Bundeswehr seinen Dienst geleistet hat.

Geschichte und Weltkulturerbe

In seinen Ausführungen stellte Major Enkhjargal eindrucksvoll den Stellenwert der Geschichte für sein Heimatland insbesondere des UNESCO-Weltkulturerbes Karakorum heraus. Diese Stadt lag an der Kreuzung zweier wichtiger Handelsrouten; die Mongolen ermutigten Menschen aus anderen Teilen Asiens, sich in Karakorum anzusiedeln. Die Bewohner hatten Religionsfreiheit, in der Stadt entstanden Moscheen, Kirchen und buddhistische Tempel. Das Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen wurde durch das von Dschingis Khan erlassene Gesetzbuch „Jassa“ sichergestellt. Die weitgehend einheitliche Rechtsordnung trug darüber hinaus auch wesentlich zur Pax Mongolica vom späten 12. bis ins 14. Jahrhundert bei.

Wie die Mongolen den Informationsfluss in ihrem riesigen Reich organisierten, wurde anhand der Reiseberichte von Marco Polo überliefert. Er schrieb über das Yam-Netz: „Über das sogenannte Yam-Netz wurden wichtige militärische Nachrichten mittels berittener Boten im gesamten mongolischen Reich schnell verteilt. Dschingis Khan legte damals fest, dass hierfür über 200.000 Pferde bereitstehen sollten.“ Schon vor gut 700 Jahren haben die Mongolen also erkannt, wie wichtig aktuelle Informationen sind. Die „Führungsunterstützung“ war sichergestellt.

Deutsch-mongolische Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Mongolei reichen weit zurück. Die erste Begegnung zwischen den deutschen Völkern und den Mongolen fand im Jahre 1241 bei der Schlacht von Liegnitz im heutigen Polen statt, die auch als „Mongolensturm“ bekannt ist. Trotz eines Sieges der Mongolen zogen sich die Truppen des mongolischen Prinzen Baidar Khan schließlich in Richtung Ungarn zurück.

Engere Beziehung der Mongolei zur DDR zwischen 1950 und 1989 sind auf die sozialistische Ausrichtung der Mongolei in diesem Zeitraum zurückzuführen. In diesem Zusammenhang gibt es auch weitere Gemeinsamkeiten, die mit den demokratischen Revolutionen im ehemaligen Ostblock 1989/1990 verknüpft sind.

Die Parallelen zwischen deutscher und mongolischer Staatsentwicklung am Ende des Kalten Krieges wurden durch den Kommandeur der Führungsakademie Generalmajor Oliver Kohl skizziert: „Damals gingen Deutsche in der ehemaligen DDR für Freiheit und Einheit auf die Straße. Heute sind wir wiedervereint. Zur gleichen Zeit, von der gleichen Sehnsucht nach Freiheit erfasst, erstritten sich die Mongolen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte. Die Mongolei vollzog den Übergang von einem kommunistischen System zu einer Mehrparteiendemokratie.“

Sicherheitspolitik und Ulan Bator Dialog

Bereits im Jahr 1992 erklärte sich die Mongolei gegenüber den Vereinten Nationen zu einer atomwaffenfreien Zone und verabschiedete 2002 ein entsprechendes Gesetz. Die atomwaffenfreie Zone Mongolei bedeutet, dass die Mongolei keine Atomwaffen besitzt und besitzen wird und keine Lagerung von Atomwaffen von anderen Staaten auf eigenem Territorium zulassen wird. Als die sechs Parteien Gespräche um das Atomwaffenprogramm von Nord-Korea nicht erfolgreich verliefen, hat die Mongolei im Jahr 2013 einen Gesprächsdialog vorgeschlagen und sich als Vermittler angeboten.

Der sogenannte „Ulan Bator Dialog“ behandelt die Sicherheitsthemen in Nordostasien mit den Akteuren Nord- und Südkorea, USA, Japan, China und Russland. Aufgrund ihrer Bündnisfreiheit und der guten Beziehungen zu den Staaten in der Region eignet sich die Mongolei hier besonders als neutraler Vermittler.

Kulturelles Programm und landestypische Speisen

Abgerundet wurde der interessante und informative Nachmittag mit typischem mongolischem Gesang, die Darbietung eines Musikstücks auf der traditionellen Pferdekopfgeige sowie dem Byad Tanz, der die Bewunderung der Mongolen für Pferde ausdrückt.

Beschwingt durch die Klänge und den Tanz wurde anschließend zu regionalen Köstlichkeiten wie Buutz und Huushuur, mit Fleisch gefüllten, gedämpften und gerösteten Teigtaschen geladen.

Elch aus Norwegen, Bier aus Wales

Autorin: Dr. Victoria Eicker; Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 26.03.2019

 

Kulinarische Vielfalt

Elch-Buletten aus Norwegen und Ravioli aus Kroatien – das sind nur zwei kulinarische Köstlichkeiten, die man auf dem „Abend der Nationen“ des Lehrgangs Generalstabs-/ Admiralstabsdienst National LGAN 2017 in der ersten Märzwoche an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg erkunden und genießen konnte. Mit viel Liebe zum Detail, mit Zeitaufwand und manch einer langen Reise präsentierten 19 Lehrgangsteilnehmer aus 14 Nationen gemeinsam mit Partnern und deutschen Unterstützern landestypische Spezialitäten, redeten über ihre Heimat, zeigten sich als Botschafter für ihr Land. Obwohl der LGAN die Beschreibung National trägt, nehmen immer auch Teilnehmer aus verbündeten Staaten wie England, den USA, Frankreich oder Polen teil. Und genau sie stellen sich am Abend der Nationen vor. Sich und ihr Land.

Verbündete Köstlichkeiten

Die Lehrgangsteilnehmer nutzten den Abend außerhalb des Lehrplans, um Kontakte untereinander zu vertiefen, um Planungen in einem unbekannten, nichtmilitärischen Segment zu üben und vor allem, um das jeweilige Heimatland zu präsentieren. So auch Matilda und Zdravko Barbaric aus Kroatien. Während sie hinter ihrem Tresen wuseln, lassen sich andere von den leckeren Kuchen verführen, die auf dem Tresen stehen: Orahnjaca und Makovnjaca steht auf Schildern. Matilda Barbaric hat sie selbst gebacken. Der Blick in die kauenden Gesichter rundherum ist eindeutig. „Das schmeckt sehr gut“, sind die am häufigsten Worte hier. Gekaut und geschlürft wird an vielen Stationen im Scharnhorst Saal der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Man hört viele Stimmen in angeregte Gespräche vertieft, hier und da auch Kinderjauchzen.

Auf vielen Wegen nach Hamburg

Zwischen all den unterschiedlichen Gerüchen, stellt sich leicht die Frage: Woher kommen die landestypischen Spezialitäten? Und vor allem: Wie kommen sie nach Hamburg? Die Antwort ist einfach: jeweils individuell, die Wege ganz unterschiedlich. Manch eine Köstlichkeit ließ sich in einem Spezialgeschäft in Hamburg ergattern. Andere Spezialitäten wurden durch Rezepte zum lukullischen Genuss. Manch ein Lehrgangsteilnehmer hat sich aus der Heimat Pakete schicken lassen und andere trafen sich mit Freunden, die etwas aus den unterschiedlichsten Ländern mitbrachten. Stephanie und Andrew Dunlop, wenn nicht auf Lehrgang, dann in der Nähe Londons ansässig, sind sogar nach Großbritannien gefahren. Dort trafen sie einen Freund, der ein seltenes Bier aus Wales mitbrachte. Das wiederum kam dann im Gepäck extra für diesen Abend mit in die Hansestadt. „Das ist sehr unterhaltsam. Es ist schön, Freundschaften zu vertiefen und andere Länder kennen zu lernen“, sagt Lesley Searle aus Kanada. Major Dominik Vogel pflichtet bei: „Es ist jedes Jahr klasse, was die Länder auf die Beine stellen, wie viel persönliche Mühen die Leute investieren.“ Und das ist es tatsächlich. Ein gelungenes Fest der Nationen. Mal wieder.

Eine Frage der Perspektive – Viele Augen auf Afrika

Autor: Christoph Jan Longen; Fotograf: Christoph Jan Longen

Hamburg, 27.03.2019

Lehrgangsleiter Oberst i.G. Ralf Hammerstein begrüßt die Teilnehmenden des Dialogs

Major Alexander Draht stimmt die beiden Lehrgänge auf das Thema ein

Perspektiven als Puzzleteile im Gesamtbild

Die afrikanischen Lehrgangsteilnehmer bringen ihre Perspektive ein

Der Austausch in Kleingruppen in persönlicher Atmosphäre

„Bücher über Afrika helfen nicht immer weiter“, kommentiert ein afrikanischer Teilnehmer des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI) die gemeinsame Auftaktveranstaltung mit dem Lehrgang General-/Admiralsstabsdienst National (LGAN) an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg. Er nun damit beginnt, sein stets wachsendes Netzwerk anzuzapfen und dabei entstehende Erkenntnisse auszuwerten. Das Ziel der Veranstaltung ist es, sich mit fünf ausgewählten Regionen des afrikanischen Kontinents auseinanderzusetzen und letztlich eine Handlungsempfehlung für das Bundesministerium der Verteidigung zu verfassen. Und in der Tat: Die Literatur zum Thema der Studienphase mit dem Titel „Afrika – ein Kontinent im Aufbruch“ stammt überwiegend aus der Feder westlicher Autoren. Diesen gelinge es nur selten, die westliche Perspektive abzulegen. Umso wichtiger sei deshalb der Austausch zwischen den Lehrgangsteilnehmenden des LGAN und des LGAI, hebt Dr. Maren Tomforde, Dozentin für Ethnologie an der FüAkBw, die Kooperation zwischen den beiden Lehrgängen hervor. Sie hat selbst maßgeblich am Zustandekommen dieser ersten Begegnung mitgewirkt. „Im Rahmen der Studienphase Afrika können afrikanische Lehrgangsteilnehmer auf Sichtweisen und afrikanische Gegebenheiten aufmerksam machen. Ich denke, dass wir die positive Wirkung dieser erstmaligen inhaltlichen Kooperation beider Lehrgänge im Rahmen einer Studienphase nicht überschätzen können.“

Die „europäische Brille“ ablegen – den Horizont erweitern – Festplatten bespielen

Das Thema Afrika wird den LGAN zwei Jahre lang intensiv beschäftigen – es ist das übergeordnete Thema der jedem Lehrgang zugeordneten Studienphase. Lehrgangsleiter Oberst i.G. Ralf Hammerstein sieht seine Hörsäle für diese Aufgabe gewappnet: „Wir haben ein dickes Brett zu bohren, das ist klar. Was wir aber mitbringen, sind 110 leistungsfähige Prozessoren. Und damit diese arbeiten können, gilt es nun, die Festplatten zu bespielen. Dieser Prozess beginnt nach einer Einarbeitung und Vorträgen mit den Einrichtungen vor Ort, also mit den Fakultäten und dem LGAI.“ Die ersten Verbindungen zwischen den beiden General- und Admiralstabsdienstlehrgängen wurden während der Regionalen Informationstage geknüpft, in denen die internationalen Lehrgangsteilnehmer des LGAI ihre afrikanischen Heimatländer vorstellten. Der Vorteil an dieser neuen Veranstaltung sind die Kleingruppen, die eine persönlichere und vertrauensvolle Atmosphäre schaffen. Der Projektoffizier der Studienphase, Major Alexander Draht, zieht ein positives Zwischenfazit: „Der erste inhaltliche Austausch zwischen dem LGAI und dem LGAN zur Studienphase war eine sehr gelungene Veranstaltung. Alle Teilnehmer haben sich sehr engagiert eingebracht und standen Rede und Antwort. Dabei geht es nicht nur um die Arbeitsphase an sich, sondern auch um die individuellen Verbindungen unter den Kameradinnen und Kameraden.“ Der erste Schritt für eine dauerhafte Begleitung und spontane Rückfragen auf dem Terrain der Führungsakademie ist gemacht. Eine Initiative, die auch der Generalinspekteur, General Eberhard Zorn, bei seinem letzten Besuch an der Führungsakademie begrüßte. (Link)

„Wir wollen unsere Probleme selbst lösen“

Die Erwartungshaltung seitens der LGAI-Teilnehmer an ihre Gastgebernation ist dabei hoch und kristallisiert sich im Gespräch deutlich heraus: Deutschland müsse mehr Verantwortung in Afrika übernehmen. „Es ist vor allem die Erfahrung im Bereich der Ausbildung, die wir sehr schätzen. Es geht nicht um den Kampf gegen den Terrorismus. Daran muss sich Deutschland nicht zwingend beteiligen. Wir wollen unsere Probleme zwar selbst lösen, sind aber für jede Begleitung sehr dankbar,“ hieß es beispielsweise in der Arbeitsgruppe „Sahel“. „Ich denke, dass es immer eine gute und wichtige Gelegenheit für uns als Afrikaner ist, zu Wort zu kommen. Wir haben verschiedene Wahrnehmungen: Die Europäer nehmen unsere Probleme häufig anders wahr, als sie sich in der Realität darstellen,“ ergänzt ihn ein Kamerad aus einem Nachbarland.

Vernetzter Ansatz in Lagefeststellung und Projektion

Nach dieser Auftaktveranstaltung im Sinne der Netzwerkpflege stehen für den LGAN mit dem Besuchen der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und einer Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Elfenbeinküste und des Bundesministeriums der Verteidigung die nächsten Termine an. Nach einer Lagefeststellung für die unterschiedlichen Regionen gilt es, das erworbene Wissen auf den 110 Festplatten auszuwerten. Anschließend entwickeln die Lehrgangsteilnehmenden Projektionen für die Jahre 2030 und 2050. Dabei muss jede Region für sich ausgewertet werden. Pauschale Afrikaurteile, wie man sie aus zahlreichen Büchern westlicher Autoren kennt, trüben den Blick für die Diversität des afrikanischen Kontinents und würden ihm nicht gerecht, sagt ein malischer Lehrgangsteilnehmer des LGAI: „Wir haben zwar ähnliche Probleme, aber ähnliche Probleme erfordern dennoch unterschiedliche Lösungen.“

 

 

 

 

 

Wider die Unzulänglichkeit der Vorhersagen

Autor: Christoph Weigmann; Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 22.03.2019

Prof. Dr. Stefan Bayer vermittelt die Szenario-Technik

Major Huth stellt das Ergebnis seiner Forschungsgruppe vor

Bei der Gruppenarbeit

Während der Präsentation

Gottlieb Daimler irrte sich gewaltig, als er im Jahre 1901 davon ausging, dass die weltweite Nachfrage nach Autos die Zahl von einer Million nicht überschreiten werde. Warum? Weil er sich nie vorstellen konnte, dass es derart viele Chauffeure auf der Welt geben würde, die diese Fahrzeuge bedienen könnten. Er rechnete nicht damit, dass Menschen selbstständig fahren würden. Albert Einstein wiederum sah noch 1932 keine Anzeichen dafür, dass Wissenschaftler in der Lage sein würden, jemals Atomenergie zu erzeugen. Oder ein anderes Beispiel: 1968 prognostizierte die amerikanische Wirtschaftszeitschrift Business Week, dass es der japanischen Autoindustrie niemals gelänge, in den USA nennenswerte Marktanteile zu erreichen. Diese Liste der Unzulänglichkeit von zutreffenden Vorhersagen könnte beliebig weitergeführt werden. So ging selbst Bill Gates 1985 noch davon aus, dass die Vorstellung von der massenhaften Nutzung des Internets lediglich eine Zeitungsente geltungssüchtiger Journalisten sei. Ist es also sinnlos, sich mit der Zukunft zu beschäftigen?

Von der Sinnhaftigkeit einer Beschäftigung mit der Zukunft

Die Beschäftigung mit der Zukunft liefert dabei Orientierung über denkbare neue Herausforderungen an unsere Gesellschaften. Das wird umso schwieriger, je komplexer und vielfältiger die Zukunft sich darstellt und je umfangreicher die zu bewältigenden Aufgaben werden. Im Ergebnis bedeutet dies, dass die Entwicklung von klaren Zukunftsbildern und die sich daran orientierenden Planungsprozesse immer dringender werden. Doch wie soll das geschehen? Der Weg führt über eine systematische Auseinandersetzung mit der Zukunft. Und dieses gelingt nur, indem vorbeugend über die Zukunft nachgedacht wird. Es ist dabei notwendig, zwei Perspektiven einzunehmen: Zum einen ist die Perspektive auf die Strukturanpassung eines Systems an die sich wandelnde Umwelt zu setzen. Zum anderen kommt es auf die steuernde Einwirkung auf die Umwelt durch die Erwartungen der jeweiligen Akteure an. Wichtig ist hierbei die Komplexitätsreduzierung, um der vielen Informationen Einhalt zu gebieten.

Keine Konstanten

Erreicht wird das durch die Szenario-Technik, die Professor Dr. Stefan Bayer an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) vermittelt. Die Teilnehmenden des Lehrgangs Generalstabsdienst/ Admiralitätsstabsdienst (LGAN) 2018 haben die Aufgabe erhalten, anhand von sechs Phänomenen beziehungsweise Akteursgruppen diese Technik einer strukturierten Herangehensweise an „die Zukunft“ anzuwenden, um zu aussagefähigen Einschätzungen zu gelangen. Der Unterschied zu anderen Prognosemethoden besteht darin, dass die Szenario-Technik gerade nicht eine konstante Struktur und Entwicklung als Grundannahme voraussetzt. Vielmehr geht es darum, Wirkungszusammenhänge aufzuzeigen. „Die Szenario-Technik ist eine Methode der Zukunftsbeschreibung, die die Komplexität und die Dynamik von Entwicklungsprozessen sowie die Abhängigkeiten der darin wirkenden Faktoren von Vornherein berücksichtigt“, wie Professor Bayer, Leitender Wissenschaftlicher Direktor an der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften, kurz PSGW, beschreibt.

Eine Methode in mehreren Schritten

Diese Methode gibt Antworten auf die Fragen, wie eine mögliche Situation Schritt für Schritt zustande kommen kann und sie gibt auch darauf eine Antwort, welche Alterativen in jeder Phase zukünftiger Entwicklungen bestehen, um den Verlauf des Prozesses in eine andere Richtung zu lenken oder gar verhindern zu können. Das erfolgt in den Seminaren exemplarisch mit Hilfe der Entwicklung von maximal drei Szenarien, wobei eines das Trendszenario darstellt, eines das des schlimmsten Falles widerspiegelt und eines das Optimum im Extrem.

Auf die Auswahl kommt es an

Und so mussten sich die angehenden Generalstabsdienstoffiziere von der Problemanalyse über die Umfeldanalyse zur Deskriptorenanalyse vorarbeiten. Hinter diesem trockenen Begriff steckt das ganze Geheimnis. Deskriptoren sind die Einflussgrößen, von denen das Ergebnis maßgeblich abhängt. „Es kommt für das Ergebnis darauf an, diese richtig zu wählen, zu gewichten und zu beurteilen“, so Professor Bayer bei der Beurteilung des Kurses. Sind die Deskriptoren einmal richtig gesetzt, können ein Trendszenario und zwei Extremszenarien entwickelt werden. Und erst jetzt, am Ende dieser Schritte, können Strategien entwickelt und Maßnahmen zur Problemlösung festgelegt werden. „Auf diese Weise“, so Bayer weiter, „werden scheinbar triviale Aussagen nachvollziehbar begründet.“

Afrika als Bezugsgröße  

Die Szenarien, die bearbeitet werden sollten und zu denen durch den LGAN Strategien entwickelt werden sollten, hatten alle Afrika-Themen als Bezugsgrößen. So beschäftigte sich eine Gruppe mit den NATO-Afrika-Beziehungen. Eine weitere nahm die Auswirkungen schlechter Regierungsführung in den afrikanischen Staaten in den Fokus. Global Health war das Thema einer dritten LGAN-Gruppe, die den Bogen von der Bekämpfung von Krankheiten über die Detektion, also dem Erkennen von Epidemien, bis hin zur Prävention zog. Die Seidenstraßeninitiative Chinas mit Blick auf Afrika war ein weiterer Schwerpunkt der Betrachtung. Natürlich fehlten auch das Feld der Migration nicht sowie die EU-Afrika-Beziehungen.

Szenario-Technik ist auch im Fokus der „anderen“  

Dieser Kurs fand nicht nur innerhalb der FüAkBw Beachtung. So hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) eine Seminarteilnehmerin entsandt. Drei Vertreter kamen vom Development, Concepts and Doctrine Centre (DCDC) aus dem Vereinigten Königreich. Ein weiterer externer Gast war ferner Attaché Felix Haala, der für das Auswärtige Amt den Kurs besuchte. Für ihn war die Teilnahme „gewinnbringend, denn der ressortübergreifende Ansatz wird in Zukunft wichtiger und wichtiger werden“, so Haala. Nachdem alle Arbeiten getan und alle Ergebnisse in einer abschließenden Präsentation vorgestellt worden sind, neigte sich eine anstrengende Woche dem Ende entgegen. Doch Dozenten wie vor allem auch viele der Lehrgangsteilnehmenden waren sich darin einig, dass sie mit der Szenario-Technik eine wertvolle Methode erlernt haben, um komplexe Szenarien handhabbar zu machen, damit am Ende ein belastbares Ergebnis steht. Damit folgt der Kurs der Linie des German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS), das als Think Tank genau das problem- und lösungsorientierte Denken im Mittelpunkt der Seminare stellt. Getreu dem Motto des GIDS: Mut zum Diskurs!  

Spenden für Erinnerungen

Autorin: Claudia Birkholz; Fotos: Bundeswehr/ Birkholz / Sternenbrücke

Hamburg, 18.03.2019

Frau Schüddekopf erläutert den Soldaten die Bedeutung der Sterne an der Wand

Am Rande des Gartens steht diese Statue mit einem Engel, der zwei Kinder in die Arme schließt

: Demütig schauen die Soldaten auf die Laternen

Die Repräsentanten der drei Lehrgruppen überreichen die Spende an die Hospiz-Referentin Frau Schüddekopf

Das Kinder-Hospiz „Sternenbrücke“ in Hamburg konnte sich freuen: Mitte März übergaben angehende Stabsoffiziere des aktuellen Basislehrgangs an der Führungsakademie der Bundeswehr die Spendensumme von 1.335 Euro.

„Wir können für Ihr Kind nichts mehr tun“ – allein die Vorstellung, diesen Satz einmal aus dem Mund des behandelnden Arztes des eigenen Kindes zu hören, scheint unvorstellbar und lässt mit Sicherheit jeden in einen nachdenklichen und traurigen Gemütszustand verfallen. Aber es ist für manche Mütter und Väter eine ganz bittere Realität.

Verantwortung übernehmen

„Bei uns ist Ende Januar 2019 die Idee entstanden, dass wir uns als angehende Führungskräfte sozial engagieren wollen.“, sagt Major Jörg Becker, Teilnehmer des Hörsaals 09. Eine Idee fand sich schnell: Spenden für das Kinder-Hospiz „Sternenbrücke“ in Hamburg. Er erklärt: „Wir, die zukünftigen Stabsoffiziere aus der Mitte der Gesellschaft, möchten nicht nur im Dienst Verantwortung übernehmen.“ Mit einer Geldspende für das Kinderhospiz möchten die jungen Offiziere denjenigen ein paar Stunden der Freude schenken, die eines der schlimmsten Schicksale überhaupt durchleben.

Derzeit absolvieren 174 Lehrgangsteilnehmende den Basislehrgang Stabsoffiziere (BLS) an der Führungsakademie der Bundeswehr. Etwa die Hälfte von ihnen sind Väter oder Mütter. Ihnen war es ein ganz besonderes Anliegen. Aber nicht nur Eltern sorgen sich um ihre Kinder. Paten, Onkel, Tanten, Geschwister – einfach jeder, der Kinder mag, will sie lachen, spielen und glücklich sehen. Somit war es rasch eine Herzensangelegenheit des gesamten Lehrgangs.

Spendenübergabe

Mitte März überreichten sie schließlich den gesammelten Betrag von 1.335 Euro an Christiane Schüddekopf, Hospizreferentin und Vorstandsmitglied des Fördervereins für das Kinder-Hospiz Sternenbrücke e.V. „Wir freuen uns sehr über die großzügige Spende der Soldatinnen und Soldaten“, sagt sie. Die Sternenbrücke ist auf Spendengelder angewiesen. „Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben – getreu diesem Motto wird das Geld für die Schaffung besonderer Momente genutzt, die auf lange Sicht zu schönen Erinnerungen werden können“, so Schüddekopf.

Das Kinder-Hospiz „Sternenbrücke“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, betroffene Familien auf jedem Abschnitt des Krankheitsweges ihrer Kinder professionell und liebevoll zu unterstützen. Dies beinhaltet neben der temporären Pflege der Kinder auch gleichzeitig die Möglichkeit, den Familienangehörigen kurze Erholungspausen zu ermöglichen. „Anders, als man vielleicht zunächst erahnt, leiden nur weniger als 30 Prozent der Kinder an Krebserkrankungen. Die überwiegende Anzahl der Kinder erkrankt an Stoffwechsel- und Muskelerkrankungen“, erklärt Schüddekopf.

Garten der Erinnerung

Trotz der traurigen Umstände hilft die Sternenbrücke den Familien und den erkrankten Kindern, einen Umgang mit dem Thema Tod zu finden. Wenn die Zeit gekommen ist und ein Kind verstirbt, findet eine Lampe mit dem jeweiligen Namen des Kindes ihren festen Platz im hauseignen „Garten der Erinnerung“, der die Form eines Unendlichkeitszeichens hat. Jedes Licht symbolisiert ein Kind, das in den Himmel gekommen ist. Dieser Himmel spiegelt sich in dem Brunnen wieder, der in der Mitte des Gartens steht.

„Schöne Erinnerungen sind enorm wichtig für die Familienangehörigen. Sie können dabei helfen mit dem schmerzlichen Verlust eines geliebten Kindes umzugehen und einen Weg in ein neues Leben mit dem Kind im Herzen zu finden“, sagt Christiane Schüddekopf. Am Rande der Gartenanlage steht eine Statue mit einem Engel, der zwei Kinder in die Arme schließt. Auf dem Sockel steht: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“

 

 

 

 

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