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Die Führungsakademie der Bundeswehr ist traditionell international stark vernetzt. Weltweite Kooperationen sind die Basis unseres Beitrages zur Völkerverständigung.

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Master: MFIS

Die Führungsakademie der Bundeswehr bietet ihren Lehrgangsteilnehmern in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität einen international anerkannten Masterabschluss:

„Militärische Führung und Internationale Sicherheit“

GIDS

Das German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS – untersucht geostrategische, sicherheitsrelevante Fragestellungen unserer Zeit. 

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Lernen 4.0

Auf dem Weg zur digitalen Ausbildungsakademie:  Mit Neuem Lernen beschäftigt sich das Innovationslabor „Führen Morgen Heute Lernen“ der Führungsakademie der Bundeswehr.

Führen Morgen Heute Lernen

Volkstrauertag – Gedenken in Hamburg Blankenese

 

 

Volkstrauertag – Gedenken in Hamburg Blankenese

 

Zehn Gongschläge hallen durch die Kapelle auf dem Blankeneser Friedhof. Während der Klang in immer größere Ferne rückt, kommt die Stille immer näher. Andächtig lauschen die Besucher den Worten von Militärdekan Andreas-Christian Tübler. Er ist der evangelische Militärgeistliche der Führungsakademie der Bundeswehr. Für die Gäste, darunter zwei Generalkonsule, deutsche und internationale Soldatinnen und Soldaten sowie Friedhofsbesucher, steht an diesem Vormittag das Gedenken an die Toten von Kriegen und Gewaltherrschaft im Mittelpunkt.

 

 

Verantwortung übernehmen

Das der Volkstrauertag eine wichtige Bedeutung hat, betonte Generalmajor Oliver Kohl: „Nur wenn wir immer wieder angehalten werden, zumindest an diesem Tag inne zu halten, sich zu besinnen und die Erinnerungen und Gedanken greifbar zu machen, können wir die richtigen Lehren für unser eigenes Handeln ziehen.“ Eingeführt als Gedenktag an die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges, gedenken wir heute jährlich zwei Sonntage vor dem ersten Advent an die Kriegstoten und Opfer von Gewalt und Gewaltherrschaft aus allen Nationen.

 „Wir sind nicht nur dafür verantwortlich was wir tun, sondern auch was wir zulassen.“ Mit diesem Statement bezieht General Kohl Stellung gegen das Wegschauen und gewähren lassen.

Europäische Union & Friede

Der italienische Generalkonsul, Giorgio Taborri, sprach in seiner Rede über Frieden, den Mauerfall vor 30 Jahren und der damit verbundenen gewonnen Freiheit. Mahnend machte er klar: „Das Wort Friede drückt einen Wert aus, der nur verstanden werden kann, wenn die tragischen Folgen des Krieges und der Gewaltanwendung berücksichtig werden.“ Ohne Erinnerung bestehe die Gefahr, dass die Lektionen der Geschichte nutzlos bleiben, so Taborri. Der Generalkonsul betonte weiterhin die Vorteile der Vereinten Nationen, des Atlantischen Bündnisses und besonders der Europäischen Union: „Die gemeinsame Zugehörigkeit zur Europäischen Union ermöglicht den Ländern die globalen Herausforderungen auch in Punkto Sicherheit zu bewältigen.“

Weitere Gedenkveranstaltungen mit Kranzniederlegungen gab es in Osdorf und Nienstedten.

 

Video: Führungsakademie der Bundeswehr/Kellermann, Blandau

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau

 

 

  • Die Veranstaltung zum Volkstrauertag begann mit einer Andacht in der Friedhofskapelle in Blankenese. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

  • Ein Soldat singt gemeinsam mit den anderen Besuchern in der Kapelle. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

  • In der kleinen Friedhofskapelle waren alle Reihen belegt. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

  • Französische Kadetten stellten eine Abordnung an der Gedenkstätte. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

  • Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl, hielt eine Rede vor dem Mahnmal für die Opfer für Krieg und Gewaltherrschaft. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

  • Giorgio Taborri, italienischer Generalkonsul, gedachte während seiner Rede den Kriegstoten und Opfern von Gewalt. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

  • Der Kranz der USA wird zum Gedenkstein verbracht. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

  • Ein Britischer Soldat hält vor dem Mahnmal inne. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

  • Der Trommler und Trompeter spielten zum Ausklang der Zeremonie das Lied: „Ich hatt‘ einen Kameraden“. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

 

 

 

Aktuelles

Hauptfeldwebel William: „Hinter jedem Kreuz steckt eine Geschichte“

 

Hauptfeldwebel William: „Hinter jedem Kreuz steckt eine Geschichte“

 

Auf diesem Friedhof in Holland sind mehr als 32.000 deutsche, polnische, niederländische und russische Soldaten begraben. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Jenny Schill)

 

Dieses Erlebnis war für ihn einschneidend, sagt Hauptfeldwebel Daniel William von der Führungsakademie der Bundeswehr. Als er zum ersten Mal auf den holländischen Soldatenfriedhof in Ysselsteyn kam, spürte er schnell, was das für ein besonderer und trauriger Ort zugleich war. Mehr als 32.000 deutsche, polnische, niederländische und russische Soldaten liegen dort laut dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge begraben. Sie sind im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallen. Der kommende Sonntag, 17. November, erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft aller Nationen. Hauptfeldwebel William gedenkt nicht nur der Opfer, sondern er hilft auch einmal im Jahr für zwei Wochen Grabstätten zu pflegen.

 

Ein Einsatz, der berührt

Mit der Klingeldose in der Hand versuchte Daniel William bereits als junger Soldat, Spenden für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu sammeln. „Das empfand ich nicht immer als angenehm“, sagt er. Er stieß oftmals auf Unverständnis und Widerstand in der Bevölkerung. Manche Menschen haben sich hinter ihren Türen versteckt. Sie taten so, als ob sie nicht zu Hause sind, nur um sich einem Gespräch zu entziehen, erzählt William. Als er im Jahr 2015 gefragt wurde, ob er bei einem Arbeitseinsatz in Holland helfen möchte, war er zuerst skeptisch. Doch dann stellte er sich ein Arbeitskommando aus zehn freiwilligen Soldaten zusammen. Dieser Einsatz berührte ihn sehr und motivierte ihn schlussendlich dazu, sich jedes Jahr aufs Neue zu engagieren.

„Das habe ich so noch nie gehabt“

„Wenn man das erste Mal auf diesen Friedhof kommt, dann sieht man erstmal nur die Hälfte der Gräber in Form von Kreuzen aufgestellt. In der Mitte steht ein großes Kreuz. Wenn man sich von dort umblickt und diese 30.000 Kreuze sieht, dann nimmt einen das sehr mit. Das habe ich so noch nie gehabt. Und wenn man sich dann vorstellt, dass das alles Menschen waren und hinter jedem Kreuz eine Geschichte steckt, dann geht einem das sehr nah“, sagt der Kompaniefeldwebel des Stabsquartiers an der Führungsakademie der Bundeswehr. Bei jedem Arbeitskommando bekommen die Helfer eine Führung über den Friedhof. Sie erfahren mehr über die Personen, die dort begraben sind. „Dort sind nicht nur ‚gute‘ Menschen oder Opfer beerdigt, sondern auch teilweise Menschen, die Kriegstreiber oder sonstiges waren. Aber letztendlich ist es unbeschreiblich über den Friedhof geführt zu werden und die Geschichten von den unterschiedlichsten Menschen zu hören“, so der Hauptfeldwebel weiter.

Erinnerungen an den ersten Arbeitseinsatz

Nach den Führungen geht es für die Freiwilligen an die Arbeit: Schließlich helfen die Soldaten dabei, die Grabstätten zu pflegen. Sie mähen Rasen, putzen die Kreuze, verschneiden Bäume, entfernen Laub und vieles mehr – eben alles, was anfällt. An seinen ersten Arbeitseinsatz erinnert sich William noch ganz genau: Mit der Zeit sei Routine beim Arbeiten eingekehrt, der Ort als solches kurzzeitig gar nicht mehr als Friedhof wahrgenommen worden. Das änderte sich, als das Arbeitskommando auf ein Kreuz mit einem Foto stieß. „Ab da an hatte das Ganze sprichwörtlich ein Gesicht bekommen. Es war nicht mehr nur ein Kreuz, was dort steht. Das ging mir durch Mark und Bein“, so Hauptfeldwebel William, der bereits seinen nächsten Arbeitseinsatz vor Augen hat. Im Oktober 2020 plant er erneut mit zehn Soldaten nach Holland zu fahren.

Denn es gibt eine Sache, die William motiviert sich immer weiter zu engagieren – „Das, was damals passiert ist, darf nie wieder passieren.“ Und wie könne das jemanden besser vor Augen geführt werden, als auf einem Friedhof, sagt er. Für ihn ist es eine Herzensangelegenheit: „Friedhöfe sind die größten Mahnmale, die wir haben. Die müssen wir erhalten. Es muss eine Anlaufstelle für Folgegenerationen und für Angehörige sein.“

 

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Sophie Düsing

veröffentlicht am: 15.11.2019

 

  • Hauptfeldwebel Daniel William engagiert sich seit fünf Jahren für die Kriegsgräberfürsorge. Er organisiert Arbeitseinsätze – beispielsweise in Holland – und pflegt mit weiteren Soldaten zusammen die Gräber. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Sophie Düsing)

  • Bei den Arbeitseinsätzen gibt es für die Soldaten viel zu tun: Umgestürzte Bäume müssen entfernt, Grabsteine geputzt oder Laub entfernt werden. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Jenny Schill)

  • Jeder packt mit an: Schließlich haben die Soldaten nur zwei Wochen Zeit, um die Grabstätte auf Vordermann zu bringen. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Jenny Schill)

  • Ein Platz, um kurz inne zu halten. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Jenny Schill)

  • Eine Soldatin gedenkt den Opfern des Ersten und Zweiten Weltkrieges. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Anna Wolters)

  • Bei jedem Besuch legen die Soldaten und Soldatinnen einen Kranz nieder. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Jenny Schill)

 

Gemeinsam wollen sie die Forschung und Lehre vorantreiben

 

Gemeinsam wollen sie die Forschung und Lehre vorantreiben

 

Die Kooperation ist besiegelt: Dr. Thorsten Schütz, Leiter der Fakultät Sanitätsdienst und Gesundheitswissenschaften an der Führungsakademie der Bundeswehr (rechts), unterzeichnete mit dem Präsidenten der Akkon Hochschule, Prof. Dr. Georg Hellmann, den Vertrag für die Zusammenarbeit. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Eva Rechtien) 

 

Nun ist es offiziell: Die Fakultät Sanitätsdienst und Gesundheitswissenschaften an der Führungsakademie der Bundeswehr kooperiert mit der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften, die durch die Johanniter betrieben wird. Themen wie globale Gesundheit, Not- und Katastrophenhilfe und zivil-militärische Zusammenarbeit stehen in Forschung und Lehre im Mittelpunkt. Beide Einrichtungen wollen sich regelmäßig austauschen und gegenseitig in der Lehre unterstützen. So auch in den Modulen „Global Health“ und „Multinational Medical Support in the Humanitarian Arena“, die an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte in Deutschland angeboten werden. Das Portfolio der Akkon Hochschule ist ebenfalls breitgefächert – es umfasst Studiengänge im Bereich Gesundheit, Management im Gesundheitswesen, vor allem in den Bereichen Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, als auch in der Pflege und Soziales. Gemeinsam sollen neue Trainingsmethoden entwickelt und sich den unterschiedlichen Fragestellungen wissenschaftlich genähert werden. „Wir freuen uns auf den gemeinsamen Weg und die vielen vorhandenen Ideen. Der Start ist gesetzt!“, so die neuen Kooperationspartner.

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Eva Rechtien

 

 

 

 

 

 

Zwei Uniformen, eine Wiedervereinigung

 

 

Zwei Uniformen, eine Wiedervereinigung:

Wie Soldaten die Wende erlebten

 

Als Pilot diente Oberstleutnant Norbert Stanko in NVA und Bundeswehr.(Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann)

Werner E. Ablaß prägte federführend das letzte Jahr der NVA und verhandelte den Ausstieg der DDR aus dem Warschauer Pakt mit der Sowjetunion. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann)

In der Öffentlichkeit wurde von Kirchbach 1997 als „Held von der Oder“ bekannt. Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr berichtete vom Zusammenschluss der NVA und Bundeswehr und den verbundenen Herausforderungen. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann)

Der Direktor Ausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Holger Neumann begleitete die gelungene Veranstaltung des LGAI 2019 und rief zum Gedenken an die Opfer der 45 Jahre andauernden deutschen Teilung auf. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann)

Fregattenkapitän Stefan Berger hat die Veranstaltung zum 30. Jahrestag des Mauerfalls federführend organisiert. Den Gästen gab er einen historischen überblick über den deutschen Schicksalstag 9. November. (Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann)

Oberst i.G. Wasgindt der Leiter des LGAI berichtete über die ersten Kontakte mit den NVA Kameraden. (Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

 

Das hatte es noch nie gegeben: Eine Armee übernimmt die Truppen und Ressourcen eines Gegners und wickelt diese ab – friedlich und ohne einen einzigen Schuss abzugeben. Die Zusammenführung von Nationale Volksarmee (NVA) und Bundeswehr im Oktober 1990 gilt als Erfolgsgeschichte der Deutschen Einheit. Doch wie erlebten Soldaten und Minister die Wendezeit? Das wollte der Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International 2019 der Führungsakademie der Bundeswehr wissen und lud zum 30. Jahrestag des Mauerfalls Zeitzeugen nach Hamburg ein.

 

Er kennt beide Armeen

Norbert Stanko hat in beiden Armeen gedient. Der Oberstleutnant a.D. zählte zu den 90.000 NVA-Soldaten, bevor die Armee am 3.Oktober 1990 unter das Kommando des Bundesministeriums der Verteidigung trat. Überrascht war Stanko damals davon, wie schnell die Truppen zusammengeführt wurden. „Das habe ich nicht gedacht“, sagt er. Dass alles so friedlich ablief, sei vor allem auch den Offizieren zu verdanken, die eingesehen haben, dass es „so“ nicht weitergehen konnte. „Und vielleicht der Tatsache geschuldet, dass die Unterschiede zwischen Ost und West nicht so groß waren, wie vorher angenommen“, sagt Stanko.

 

Ideensuche im Treppenhaus

Einblicke hinter die Kulissen gab auch Werner Erich Ablaß. Als stellvertretender Minister und Staatssekretär im Ministerium für Abrüstung und Verteidigung der DDR führte er zu dieser Zeit die Verhandlungen für den Einigungsvertrag. Als die DDR aus dem Warschauer Pakt austrat, war er maßgeblich daran beteiligt. Als einziges Vorstandsmitglied hat er bis heute alle Protokollordner aus dieser bewegenden Zeit. Ebenso wie die Protokolle aller Kabinettssitzungen der Regierung de Maizière vom 10. April bis zum 2. Oktober 1990. Mit sehr vielen handschriftlichen Notizen und Randbemerkungen zu den damaligen Ereignissen. Es war eine arbeitsreiche und spannende Zeit, sagt der ehemalige Minister. Die besten Ideen für Verträge und Verhandlungen sind ihm oftmals bei einer Zigarette im Treppenhaus gekommen. Noch heute ist er sichtlich bewegt, wenn er von der Wendezeit spricht: „Als am 9. November 1989 unabsichtlich die Grenze über Nacht öffnete, wurde mir schnell klar: Das ist das Ende der DDR. Wenn wir im nächsten Jahr auf drei Jahrzehnte deutsche Einheit zurückblicken, werden wir mehr über die Fehler reden als über das Erreichte, das für uns alle heute selbstverständlich ist", so seine Einschätzung.

 

Ausrüstung wurde verschenkt

Überragenden Beifall gab es für die abschließende Rede von General a.D. Hans-Peter von Kirchbach, der von 1999 bis 2000 Generalinspekteur der Bundeswehr war. Die Wendezeit erlebte Kirchbach als Kommandeur der 14. Panzergrenadierdivision. Er berichtete, dass lediglich drei Prozent der NVA-Ausrüstung von der Bundeswehr übernommen wurde. Der Rest sei zerstört, verkauft oder verschenkt worden. Das Arsenal war beachtlich: „Über 100.000 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, 300.000 Tonnen Munition, 83.000 Radfahrzeuge, 700 Flugzeuge, 190 Schiffe und 4.500 Tonnen Raketentreibstoff, von dem wir gar nicht wussten, wie er zusammengesetzt war“, so Kirchbach.

 

Nicht nur Freude

Doch auch wenn der Mauerfall viel Freude hervorruft, sollte eines laut dem Direktor Ausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Holger Neumann, nicht vergessen werden. „Wir sollten ehrenvoll an das Leid und die Opfer der 45 Jahre andauernden deutschen Teilung gedenken und uns an unsere Aufgabe erinnern - ,[…] als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen […], Präambel des Grundgesetz.‘“

 

Autor: Führungsakademie der Bundeswehr/Jan-Philipp Dombrowski

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„PEB“ entwickelt Persönlichkeiten

 

 

„PEB“ entwickelt Persönlichkeiten an der Führungsakademie der Bundeswehr

 

Ein vierköpfiges Team bildet das Dezernat Persönlichkeitsentwicklung und Beratung an der Führungsakademie der Bundeswehr. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/ Dezernat PEB)

 

Bei verschiedenen Veranstaltungen an der Akademie stellte das Dezernat PEB seine Aufgaben vor. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/ Dezernat PEB)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Individuelle Fähigkeiten ausbauen, Stärken erkennen und Persönlichkeiten entwickeln: Das sind die Aufgaben des Dezernates „Persönlichkeitsentwicklung und Beratung“, kurz PEB, an der Führungsakademie der Bundeswehr.

Vor gut einem Jahr steckte das Dezernat selbst noch in den Kinderschuhen. So musste das vierköpfige Team erst einmal dem bis dato vorliegendem Konzept Leben einhauchen, es weiterentwickeln, Aufgaben definieren und ein Aus – und Weiterbildungskonzept erstellen. Keine leichte Aufgabe, doch bei einer Dezernatsklausur am Marinestützpunkt Warnemünde kamen die Teilnehmenden rasch zu einem Ergebnis.

Aufgaben akademieweit vorgestellt

Mit dem gemeinsam entwickelten Selbstverständnis -  einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung höherer militärischer und ziviler Führungskräfte zu leisten -  konnte das Dezernat an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte in Hamburg schnell Fuß fassen: So stellte das Team ihre Aufgaben erst einmal akademieweit vor und zeigte sich in den einzelnen Hörsälen des Lehrganges des Generalstabs-/Admiralstabsdienstes National (LGAN). Das Ziel: potentielle Teilnehmende und Berater für erste Gespräche zusammenbringen. Für jeden interessierten Lehrgangsteilnehmenden werden anschließend die passenden Coaching-Methoden ermittelt und individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt. Die Berater sind ausgebildet und in der Lage unterschiedlichste Aspekte des täglichen Dienstes, beispielsweise bei Führungsfragen, aber auch Themen wie Vereinbarkeit von Dienst und Familie, zu bearbeiten. Dies geschieht jedoch immer unter der Prämisse der Schweigepflicht über den gesamten Prozess hinweg.

Vorhaben in der Zukunft

Doch was hat das Dezernat in Zukunft vor? PEB möchte seinen Aufgabenbereich weiter festigen und durch Teamberatung und Mediation weiter ausbauen. Daneben werden erste Netzwerke geknüpft und die bisherige Arbeit evaluiert. Dazu gab es bereits erste Gespräche mit dem Netherlands Defence College und dem Institut für Führungskompetenz der Akademie der Polizei Hamburg. Diese Verbindungen sollen auch weiterhin vertieft werden. Denn auch für das Dezernat gilt die Devise: Fähigkeiten ausbauen.

Das Dezernat Persönlichkeitsentwicklung und Beratung befindet sich in der Clausewitz-Kaserne.

 

Weitere Informationen finden sich hier.  

 

Autor: Felix Heymann

 

 

„Als die Mauer fiel…“ – Mitarbeitende blicken zurück

 

 

„Als die Mauer fiel…“ – Mitarbeitende blicken zurück

 

 

Oberregierungsrätin Melanie Schulz leitet das Dezernat Persönlichkeitsentwicklung und Beratung. Sie stammt aus Wittenburg (Mecklenburg-Vorpommern). (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

Oberstleutnant i.G. Jörg Barandat war unter anderem von Mai 2013 bis Ende September 2019 Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr zum Thema „Strategische Herausforderungen“. Anschließend wurde er in den Ruhestand versetzt. Er kommt gebürtig aus Goslar. (Foto: privat)

 

Fregattenkapitän Kirst Amenda ist im Projektmanagement im Teilbereich Infrastruktur an der Führungsakademie der Bundeswehr tätig. Er stammt gebürtig aus Eckernförde. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

Im Jahr 1942 heiraten die Großeltern von Fregattenkapitän Amenda, „Oma Gerda“ und „Opa Alfred“, zum ersten Mal. (Foto: privat)

 

Der Mauerfall hat die Familie zusammengeführt: Im Wohnzimmer ließen sich die Großeltern von Fregattenkapitän Amenda im Jahr 1994 ein zweites Mal trauen. (Foto: privat)

 

Oberstleutnant Dirk Nickels leitet das Dezernat Protokoll an der Führungsakademie der Bundeswehr. Er kommt gebürtig aus dem Kreis Dithmarschen. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

 

Zu Zeiten des Mauerfalls diente Dirk Nickels als junger Offizieranwärter in Flensburg beim Panzerbataillon 513. (Foto: privat)

 

 

 

 

 

 

Diese Nacht veränderte alles: das politische System, die Möglichkeiten zu reisen und vor allem die Gesellschaft. Der Sprecher der DDR-Regierung, Günter Schabowski, verkündete bei einer Pressekonferenz am Abend des 9.November 1989 die neuen Reiseregeln. Kurze Zeit später ist die Berliner Mauer gefallen. Vier Mitarbeitende der Führungsakademie der Bundeswehr blicken auf dieses geschichtliche Ereignis zurück und erzählen ihre persönliche Geschichte.

 

Überall waren bunte Lichter

Als sich das politische System änderte, war Oberregierungsrätin Melanie Schulz gerade mal neun Jahre alt. Verstanden, was in dieser Zeit passiert ist, hat die Grundschülerin damals in Gänze nicht. Sie merkte nur, dass ihre Eltern sehr kritisch waren. Ihr Vater hat sich in der Bürgerbewegung „Neues Forum“ engagiert und war dementsprechend viel unterwegs. Er war auch derjenige, der sie mit zu Montagsdemonstrationen in ihrer Heimatstadt Wittenburg (Mecklenburg-Vorpommern) nahm. Gemeinsam mit ihm demonstrierte Melanie Schulz für eine demokratische Neuordnung. Als die Mauer vor 30 Jahren gefallen ist, hat die damals Neunjährige bereits geschlafen. Von dem Ereignis erfuhr sie am nächsten Morgen von ihrem Vater. „Ich war ein stückweit fassungslos darüber.“ Denn ihr Vater wollte an diesem Tag nichts unternehmen. Sie musste also wie gewohnt zur Schule gehen. „Es waren nicht alle Mitschüler da“, erinnert sie sich heute. Eine Woche nach der Maueröffnung fuhr die gesamte Familie dann nach Aurich zu Freunden. „An der Grenze wurden wir gefragt, ob wir einen Stadtplan für Hamburg haben wollen“, sagt Schulz. Doch das verneinte die Familie. Mit einer Karte von ihrem Opa aus dem Jahr 1936 machten sie sich schlussendlich auf die lange Reise in den Westen. „Wir sind im Dunkeln in Aurich angekommen und dachten, dort ist Rummel. Überall waren bunte Lichter. Später stellten wir fest, dass es ein Einkaufszentrum war“, sagt sie und lacht. „Es war einfach aufregend.“ Heute, 30 Jahre nach dem Mauerfall, schaut sich Melanie Schulz ein Foto von damals an: In einem Bildarchiv fand sie eines von der Eröffnung des Brandenburger Tores am 22.Dezember 1989 in Berlin. Es weckt Erinnerungen an eine Zeit, die einfach alles verändert hat. 

 

Nach Dienstschluss gleich zur „Zonengrenze“

Wo er am Tag des Mauerfalls – am 9.November 1989 – war, daran kann sich Oberstleutnant i.G. Jörg Barandat noch genau erinnern: Zur damaligen Zeit war er Hauptmann und Chef der vierten Kompanie im Panzeraufklärungsbataillon 10 in Ingolstadt. Ende August 1989 kam er an die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Hier absolvierte er bis zum 1.Dezember 1989 den Vorgängerlehrgang des heutigen Basislehrganges Stabsoffizier (BLS). „Mit unserem Dozenten aus dem Fachbereich Sicherheitspolitik und Streitkräfte (SPS) diskutierten wir intensiv die Lage. Es bestand Konsens darüber, dass die Staaten des Warschauer Vertrages (WVO) und Rates für Gemeinsame Wirtschaftshilfe (RGW) wirtschaftlich am Ende waren, und dass grundlegende Veränderungen bevorstünden. Dies spiegelte sich auch in den aktuellen Diskussionen wider, aber dass es dann so schnell gehen würde, damit hatte keiner gerechnet“, sagt Barandat. Am Abend des 9. November 1989 besuchte er das Volksfest „Hamburger Dom“. „Als ich gegen Mitternacht zur U-Bahn-Haltestelle ging, stand da ein Zeitungsverkäufer: ,Extrablatt! Die Mauer gefallen, die Grenze ist offen!‘ Mein erster Gedanke: Nun dreht die Springer-Presse aber völlig ab“, so Barandat. Zurück in der Unterkunft schaltete er das Radio und den Fernseher an. Er verfolgte, was Günter Schabowski zu den neuen Regelungen für Reisen ins Ausland verbreitete. Anschließend liefen die Bilder von der Öffnung des Grenzübergangspunkts Bornholmer Straße in „Dauerschleife“. Es war eine kurze Nacht, so Oberstleutnant Barandat. Am nächsten Morgen ging es wieder in den Hörsaal. An die Worte seines Dozenten kann er sich ebenfalls noch erinnern: „Eigentlich müssten wir jetzt die Sektkorken knallen lassen, aber sie wollen ja in den nächsten Tagen gut ihre Prüfung bestehen?! Also, weiter geht’s im Unterrichtsstoff.“ Nach Dienstschluss ist er gleich zur „Zonengrenze“ nach Lauenburg gefahren:  „Die Straßen waren geschwängert von Zweitakterabgasen - nie wieder in meinem Leben habe ich schlechte Luft mit solcher Freude eingesogen

 

Mauerfall lässt alte Liebe nach über 40 Jahren wieder entflammen

Als die Mauer fiel, war Fregattenkapitän Kirst Amenda gar nicht in Deutschland. Dennoch hat er eine ganz persönliche Mauerfallgeschichte – vielmehr eine Familiengeschichte. Zur damaligen Zeit war er als Leutnant zur See in der fliegerischen Ausbildung in den USA. Von dem geschichtlichen Ereignis in seiner Heimat erfuhr Fregattenkapitän Amenda zufällig über die Nachrichten im Fernsehen. Seine persönliche Geschichte beginnt jedoch kurze Zeit später mit einem Brief, den seine Oma aus Erfurt zugeschickt bekam. „Meine Oma ist Eckernförderin und mein Opa war als Bootsmann bei der Marine dort eingesetzt“, sagt Fregattenkapitän Amenda. Nach dem Krieg wollte sein Großvater zurück nach Thüringen. Seine Oma wollte ihre Heimat jedoch nicht verlassen. Die Konsequenz: Sie ließen sich 1946 scheiden. Seitdem gab es keinerlei Kontakt zu ihm. Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, bekam seine Oma kurze Zeit später diesen besagten Brief aus Erfurt. In diesem erkundigte sich sein Opa nach den gemeinsamen Kindern und erzählte, wie sein Leben in den vergangenen Jahren verlaufen ist. Er war unter anderem bei der Polizei, womit jeglicher Westkontakt damals ausgeschlossen war. Kurze Zeit später besuchte „Opa Alfred“, wie er nun von allen genannt wurde, Eckernförde. Dadurch lernte Fregattenkapitän Amenda seinen Großvater und seine Mutter ihren Vater kennen. „Als ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte, fiel mir auf, dass er kleiner als meine Oma war und mit schwer verständlichem Dialekt sprach“, sagt Fregattenkapitän Amenda und lacht. Doch „Opa Alfred“ ging es mit dem Plattdeutschen wohl nicht anders, ergänzt er. Die Liebe zwischen seinen Großeltern flammte wieder auf. Im Sommer 1990 löste „Opa Alfred“ seinen Hausstand in Erfurt auf und zog wieder mit „Oma Gerda“ in Eckernförde zusammen. Der Höhepunkt folgte dann vier Jahre später: „Opa Alfred“ und „Oma Gerda“ heirateten 48 Jahre nach ihrer Scheidung, also im Jahr 1994, erneut - in ihrem Wohnzimmer und mit den eigenen Kindern als Trauzeugen – mit dabei war die komplette Familie.

  

Plötzlich verstummten die Podiumsgäste

Schon immer hat sich Oberstleutnant Dirk Nickels für Außen- und Sicherheitspolitik sowie Geopolitik interessiert. Im Herbst 1989 erfuhr der junge Offizieranwärter, der dem Panzerbataillon 513 angehörte, von einem Informationsabend in Flensburg. In diesem sollte es um die aktuellen Entwicklungen in Deutschland und Europa gehen. Das Thema weckte sein Interesse. Er nahm an der Veranstaltung teil. „Zu dieser Zeit liefen bereits die Demonstrationen in Leipzig, das Thema Wiedervereinigung war zwar insgeheim schon in mancher Munde, wurde aber noch nicht direkt ausgesprochen“, sagt Oberstleutnant Nickels. Dieses Thema sei offiziell noch nicht so vehement verfolgt worden. „Man hat aber schon gespürt: Da ist etwas im Busch“, so Nickels weiter. Im zweiten Teil dieser Abendveranstaltung fand eine Podiumsdiskussion statt. Als diese im vollen Gange war, kam eine Mitarbeiterin des Hauses herein und gab dem Moderator einen Zettel in die Hand. „Dieser guckte völlig irritiert und las den Zettel mit einer kurzen Verzögerung vor“, erinnert sich Nickels heute. Die Worte des Moderators hat er ebenfalls nicht vergessen: „Unsere Mitarbeiterin hat mir gerade eben eine Information hereingegeben, die für mich noch so unglaublich scheint, aber im Grunde genommen voll in unser jetziges Thema passt: Ich habe soeben erfahren, dass berichtet wird, dass die Mauer in Berlin geöffnet wurde.“ Die Diskussion im Saal verstummte - plötzlich waren alle Anwesenden sprachlos. Der Moderator löste in diesem Moment die Podiumsdiskussion auf: „Ich möchte das jetzt eigentlich auch so stehen und wirken lassen und die heutige Veranstaltung damit beenden. Wir sollten alle einmal rausgehen und uns davon überzeugen, ob das wirklich der Wahrheit entspricht.“ Der junge Offizieranwärter setzte sich sofort ins Auto und hörte Radio. Auf allen Sendern liefen entsprechende Berichte. Als er zu Hause angekommen war, verfolgte er die Nachrichten im Fernsehen und sah, wie die ersten Trabbis am Übergang in der Invalidenstraße „rüberkamen“ und die Menschen am Brandenburger Tor die Mauer „erstürmten“. „Ich kannte ja noch die Zone. Wir haben in der Zeit des Kalten Krieges unsere Stellungen für die Panzer im Grenzgebiet erkundet, sind privat ausschließlich auf den offiziellen Transitstrecken mit mulmigem Gefühl durch die DDR nach Westberlin gefahren. Mir war an diesem Abend sofort bewusst, dass das, was gerade passiert, ein Stück Geschichte ist. Die Bilder im Fernsehen und vor allem die Freude der Menschen an diesem Abend werde ich nie vergessen. Das war Gänsehaut pur.“

 

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Sophie Düsing

 

 

 

 

International – Besucher aus aller Welt an der Führungsakademie

 

 

International – Besucher aus aller Welt an der Führungsakademie

 

Delegation aus Sri Lanka bei der Begrüßung an der Führungsakademie. (Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Kontaktaufnahme mit Indischer Delegation vor dem Stabsgebäude der Führungsakademie (Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Dezernat Protokoll mit seinen Akteuren organisiert Informationsbesuche für Delegationen aus aller Welt. (Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

 

 

 

 

 

Die Besucherliste der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) ist lang und erlesen. 2018 waren über 100 Besuchergruppen und internationale Delegation zu Gast an der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr. Auch im vierten Quartal 2019 liegen der Protokoll-Abteilung wieder jede Menge Anfragen und Anmeldungen von Besuchern und internationalen Delegationen vor.

Mit den überwiegend eintägigen Informationsbesuchen wollen sich die ausländischen Gäste einen möglichst genauen Einblick über die vielfältigen Aufgabenbereiche der Führungsakademie und des im vergangenem Jahr eröffneten „German Institute for Defence and Strategic Studies“ (GIDS), verschaffen. Besuchergruppen und internationale Delegationen aus der ganzen Welt kommen an die Führungsakademie der Bundeswehr in Blankenese. So hatten sich beispielsweise im September eine Delegation des General Defence Command and Staff College - dem Pendant zur FüAkBw - aus Sri Lanka und hochrangige Delegationen aus China und Israel über das Ausbildungsangebot und den Lehrbetrieb getreu des Mottos „Lebenslanges Lernen“ informiert. Die Aus-, Fort- und Weiterbildung deutscher aber auch internationaler Offiziere und Stabsoffiziere in über 80 unterschiedlichen Fortbildungs- und Verwendungslehrgängen sowie zahlreichen Seminaren ist die Hauptaufgabe der Akademie.

Die bedeutendsten Lehrgänge an der FüAkBw sind der zweijährige Lehrgang General-/Admiralstabsdienst National (LGAN) und der einjährige Lehrgang General-/Admiralstabsdienst International (LGAI), an dem neben deutschen Teilnehmern vorwiegend Soldaten aus den verschiedensten  Ländern, die nicht der EU oder der NATO angehören, ihre Ausbildung erhalten.

Die überwiegende Mehrzahl der Lehrgänge und Seminare an der Führungsakademie dauern jedoch nur ein bis zwei Wochen und dienen der Fort- und Weiterbildung der Bundeswehrangehörigen und interessierten zivilen Führungskräften.   

 

Alles muss klappen wie am Schnürchen

Für einen reibungslosen Ablauf aller offiziellen Besucher und Delegationen ist Oberstleutnant Dirk Nickels mit seinem Protokoll-Team verantwortlich. Er trifft mit seinen Mitarbeitern bereits im Vorfeld mit den jeweiligen Ansprechpartnern, den Militärattachés und den Botschaften die nötigen Absprachen, um dem Informationsbedarf der Besucher zu entsprechen. Je nachdem, welcher Teilstreitkraft die Besuchergruppen angehören, liegt das Hauptinteresse auf der Ausbildung von Heeres-, Luftwaffen- oder Marinesoldaten. Wann immer es möglich ist, berücksichtigt die Protokoll-Abteilung bei der Planung der Besuchsprogramme auch nachgefragte Sonderwünsche. Neben der obligatorischen Besichtigung verschiedener Hamburger Sehenswürdigkeiten werden auch ganz banale Wünsche, wie ein Spaziergang am Uferweg der Elbe oder im Blankeneser Treppenviertel, berücksichtigt. Zudem nutzen viele der ausländischen Gäste gerne die Möglichkeit, sich von der deutschen Küche einen eigenen kulinarischen Eindruck zu verschaffen und für die Familien zu Hause kiloweise Schokolade, Gummibärchen und andere Süßigkeiten einzukaufen.

Mit Langeweile in der Protokoll-Abteilung ist auch in den nächsten Wochen nicht zu rechnen, da sich bereits weitere Delegationen aus Tunesien und Frankreich angekündigt haben. Zudem wird der Besucherstrom eher zunehmen, da es ein wichtiger Auftrag der Führungsakademie ist, mit möglichst vielen Nationen und nationalen Institutionen in den Austausch und Dialog zu treten.

 

 

 

Autor: Führungsakademie der Bundeswehr/Claus Rosenbusch

 

 

 

 

 

 

Es darf geträumt werden

 

 

Es darf geträumt werden: Führungsakademie der Bundeswehr entwickelt sich weiter

 

Generalmajor Oliver Kohl betonte, dass jeder Akademieangehörige an dem Veränderungsprozess mitwirken kann. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Fragen, Forderungen und Hinweise bezüglich der Veränderungsprojekte dürfen gern direkt an den Bereich Projektmanagement gerichtet werden, so Oberst i.G. Strunk. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

In Workshops konnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Ideen einbringen. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

 

 

 

Vielleicht ist der eine oder andere von den rund 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der „Aktuellen Stunde“ auf den Geschmack gekommen: Es darf geträumt werden! Welche Ideen haben sie zur „Digitalen Ausbildungsakademie für lebenslanges Lernen“? In fünf Modulen haben die Leiter der Projektgruppen Personal, Organisation, Kultur, Informationstechnologie und Infrastruktur das Gespräch mit den Interessierten gesucht. In einem Workshop wurden dann Fragen, Impulse und Erfahrungen zusammengetragen. Auch nach der Veranstaltung sind Ideen und Anregungen gewünscht.

Ideen sind gefragt

Über welches Profil müssen die Auszubildenden künftig verfügen? Wie können wir die Mitarbeitenden für das Arbeiten und Lernen im digitalen Umfeld qualifizieren? Wie sehen Lebens-, Arbeits- und Lern(t)räume zukünftig aus? Was brauche ich, um lebenslang lernen zu können? Das sind nur einige Fragen, die in den Projektgruppen zur „Digitalen Ausbildungsakademie“ diskutiert und erarbeitet werden. Einen Einblick in die Arbeit der Projektteams wurde in den Modulen des Manfred-Wörner-Zentrums gegeben. Ziel der Arbeiten war es, die Anwesenden zu informieren und für eine Teilnahme in den Projektteams zu werben. Zurzeit befinden sich die Projektteams in einer kreativen Ideenfindungsphase. An dieser kann sich jeder Mitarbeitende mit Ideen beteiligen.

Warum schon wieder Veränderung?

Digitalisierung verändert weltweit das Gefechtsfeld und die Anforderungen an Ausbildung und Führung. Diese Entwicklung lässt sich nicht umkehren. Das machten der Kommandeur der FüAkBw, Generalmajor Oliver Kohl, und der Direktor Strategie und Fakultäten, Brigadegeneral Boris Nannt, in ihren Vorträgen deutlich. Mehr noch: Die Akademie möchte Führungskräfte handlungssicher für das digitale Umfeld auszubilden. Das bedeutet eine Modernisierung der Lehre im Hinblick auf Inhalte, Methoden, Infrastruktur, Kultur und Technologien. Eine Modernisierung, die dem Wandel der Lernkultur Rechnung trägt. Diese Modernisierung erfolgt an der FüAkBw durch den Aufbau der „Digitalen Ausbildungsakademie für lebenslanges Lernen“, ein Veränderungsprojekt, das auf 24 Monate angelegt ist. Die ersten Ergebnisse der fünf Projektgruppen werden nach zwölf Monaten am 17. und 18. Juni 2020 während des 2. Innovationslabors für Neues Lernen präsentiert. An diesem nehmen erneut Experten aus Bundeswehr, Wirtschaft, Wissenschaft und anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes teil. Bis dahin geht die FüAkBw mit einer intensiven Kreativphase in der Projektarbeit ungewohnte Wege und „das soll auch so sein“, so Generalmajor Kohl. „Wir wissen nicht, was am Ende der 24 Monate für ein Ergebnis stehen wird. Ich kenne es nicht und deshalb brauche ich Sie und Ihr Engagement.“

Wo steht die FüAkBw mit anderen Veränderungsprojekten

Die Einnahme der neuen Struktur der FüAkBw ist mit der Übergabe der Dienstgeschäfte an den neuen Chef des Stabes, Oberst i.G. Michael Schlechtweg, vorerst beendet. Hier gilt es nun, die Akademie auf die Überprüfung dieser Struktur im Herbst 2020 vorzubereiten, berichtet der Leiter des Bereichs Projektmanagement, Oberst i.G. Michael Strunk. Eine weitere große Aufgabe ist es, die drei Veränderungsprojekte „Digitale Ausbildungsakademie“, „Kompetenzzentrum Führungskräfteentwicklung“ und „GIDS /Denkfabrik FüAkBw“ zu synchronisieren. Dies erfolgt durch „die Kommunikation aus der Mitte“, das heißt, dass die Projektverantwortlichen auf verschiedenen Ebenen und zeitnah informieren. Besprechungsformate zur Information sollen angeboten, aber auch aufgesucht werden. Strunk appelliert an das Auditorium, sich mit Fragen, Forderungen und Hinweisen direkt an den Bereich Projektmanagement zu wenden. Auch hier ist das persönliche Engagement gefragt. Die FüAkBw ist auf einem guten Weg, so Oberst i.G. Strunk.

Autorin: Dorthe Kramer

 

 

Tagung: Afrika im Aufbruch?! GIDS-Forum am 19. November 2019

 

 

Tagung: Afrika im Aufbruch?!

GIDS-Forum am 19. November 2019

 

Foto: Adobe Stock

 

 

 

 

 

Die Perspektiven auf Afrika sind facettenreich. Immer noch wird Afrika vor allem als „Problembringer“ gesehen, nicht zuletzt in sicherheits- und wirtschaftspolitischen Fragen. Ist dem wirklich so?

Für das internationale GIDS-Forum wollen wir Sie über die kommende Veranstaltung am 19. November 2019 von 9.00 bis 18.30 Uhr infomieren.

Zur GIDS Seite und den Informationen

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brasilianische Delegation trifft langjährigen Partner

 

 

Brasilianische Delegation trifft langjährigen Partner

 

Wenn es um die militärische Spitzenausbildung geht, dann schaut das brasilianische Heer als erstes nach Deutschland. Das sagen zumindest Angehörige einer 65-köpfigen Delegation um Generalmajor Rodrigo Pereira Vegara, die vor kurzem die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg besucht hat. Seit über 20 Jahren besteht der Austausch auf verschiedenen Ebenen zwischen den beiden Armeen. Die Reisen nach Deutschland sind mittlerweile Tradition und finden großen Anklang bei den brasilianischen Teilnehmern. Diese erhoffen sich von dem Tag an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte in Deutschland vor allem eines: dass die bestehenden Kooperationen vertieft und ausgeweitet werden.

Botschafter für die Führungsakademie

Die Informationsreise der Brasilianer durch Europa dient dem Kennenlernen der militärpolitischen Institutionen befreundeter Nationen und dem Erfahrungsaustausch mit gleichwertigen Militärschulen. Denn die Gäste absolvieren in ihrem Land den Lehrgang für Politik, Strategie und Hohe Verwaltung – dem Pendant zum Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst der Führungsakademie. Dieser bereitet die Offiziere darauf vor, die obersten Stellen innerhalb des brasilianischen Heeres zu besetzen. Regelmäßig nehmen diese auch am internationalen Lehrgang des Generalstabs-/Admiralstabsdienst in Deutschland teil. Und das mit Erfolg! Schon dreimal sind die Brasilianer Lehrgangsbeste geworden. Einige Absolventen kehren oftmals als Militärattaché nach Deutschland zurück. Die brasilianischen Lehrgangsteilnehmenden sind zudem immer auch Botschafter für die Führungsakademie und tragen einen großen Anteil zur Völkerverständigung unter den beiden Ländern bei, wie Oberstleutnant i.G. Thomas Ritter vom Ausbildungsprozessmanagement während seines Vortrages über die Lehrgangsstrukturen anmerkte.

Gäste stellen viele Fragen

Die brasilianischen Gäste interessierten sich vor allem für die Lehrinhalte und das Konzept des lebenslangen Lernens. Auf die Frage hin, ob die Bundeswehr zukünftig Personal aufstocken müsse, um den aktuellen Herausforderungen Einhalt zu bieten, erläuterte Oberst i.G. Frank Wasgindt das Konzept der Freiwilligen- und Berufsarmee. Der Leiter des internationalen Lehrganges erzählte den Interessierten, dass die Wehrpflicht zwar im Jahr 2011 abgeschafft wurde, die Bundeswehr derzeit jedoch mehr als 175.000 Zeit- und Berufssoldaten zählt. Auch Reservisten spielen für die Bewältigung der Aufgaben eine große Rolle. Es sei dementsprechend wichtig, als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Treffen endet mit brasilianischer Tradition

Am Ende der Begegnung stand eine brasilianische Tradition: Der jüngste Dienstgrad der ausländischen Delegation bedankte sich bei den deutschen Gastgebern mit einer kurzen Rede. Der Offizier betonte darin, wie wichtig der gegenseitige Austausch sei und das die Führungsakademie der Bundeswehr als Leitbild diene.

 

Autor: Führungsakademie der Bundeswehr/Jan-Philipp Dombrowski

Fotografin: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel

 

Indische Delegation besucht die Führungsakademie

 

 

Indische Delegation besucht die Führungsakademie

 

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl, begrüßt Generalleutnant Dushyant Singh aus Indien. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Experten im Diskurs: Generalleutnant Dushyant Singh lässt sich von seinen deutschen Gesprächspartnern inspirieren. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Der Leiter des Kompetenzzentrums Führungskräfte-entwicklung, Oberst i.G. Jesko Peldzsus (links), gab der 17-köpfigen Delegation einen ersten Überblick über die Ausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr.   (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Auf der Suche nach Denkansätzen besuchte eine indische Delegation des Higher Command Course (HCC) - der vergleichbar mit dem Lehrgang des Generalstabs-/Admiralstabsdienst ist - die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.

Herausforderungen der Zukunft

In landestypischer Uniform und teils mit imposantem Turban gekleidet, wollten die 17 Teilnehmenden unter Leitung von Generalleutnant Dushyant Singh mehr über die Lehre an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte in Deutschland erfahren. Die Denkfabrik, das German Institute for Defence and Strategic Studies, stand ebenfalls im Fokus. Es ist gleichermaßen an der Führungsakademie der Bundeswehr und der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg angesiedelt und forscht zum Thema Sicherheitspolitik und Strategiefähigkeit. Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich vom Ausbildungsprozessmanagement informierte die Gäste über die Lehrgänge und ging zugleich auf die größten Herausforderungen der Zukunft wie Klimawandel, Demografie, Digitalisierung und Globalisierung ein. Zudem erläuterte er das Lehrkonzept „Lebenslanges Lernen“ anhand verschiedener Module, die an der Führungsakademie angeboten werden.

Gäste nutzen die Zeit für den Austausch

Doch nicht nur Vorträge warteten auf die indischen Stabsoffiziere. Schließlich dient die Deutschlandreise der Gäste dazu, Impulse mitzunehmen und Fragen zu stellen. Die Teilnehmenden interessierten sich insbesondere für die Ausbildungsinhalte, die Art und Form der Didaktik sowie Methodik, die an der Führungsakademie angeboten wird. „Mehr Aktivität, weniger zuhören“, ist das Ziel der Führungsakademie. Die Offiziere sollen sich aktiv einbringen und werden somit zum Handeln aufgefordert. Ob sich die Ausbildung der Stabsoffiziere über die Jahre verändert habe und ob sich auch die Persönlichkeit der Lehrgangsteilnehmenden von früher zu heute unterscheidet, fragte ein Teilnehmer in die Runde. Der Direktor Strategie und Fakultäten an der FüAkBw, Brigadegeneral Boris Nannt, bejahte beide Fragen. Die Gesellschaft verändere sich und damit auch das Denken und Handeln der Offiziere. Diese würden heutzutage kritischer hinterfragen und anzweifeln, erklärte er seinen Zuhörern. Zudem beginnen viele Soldaten ihren Dienst bei der Bundeswehr nicht direkt nach der Schule, sondern kommen häufig erst, nachdem sie erste Berufserfahrung im zivilen Leben gesammelt haben.

Zusatzinformationen:

Deutschland steht seit vielen Jahren als zuverlässiger Austausch- und Kooperationspartner an der Seite Indiens. Vor allem in den letzten Jahren wurde die Partnerschaft sichtbar ausgebaut. Dies entspricht dem strategischen Ziel der Bundesregierung aus dem Jahr 2015. Die Bundeswehr trägt mit Diskurs und Wissensaustausch in sicherheitspolitischen Themen dazu bei, diesem einen Schritt näherzukommen.

 

Autor: Führungsakademie der Bundeswehr/Jan-Philipp Dombrowski

 

 

 

Dozent springt zum Weltrekord

 

 

Dozent der Führungsakademie der Bundeswehr springt zum Weltrekord

130 Fallschirmspringer bilden Formationen aus 5300 Meter Höhe

 

130 Fallschirmspringer haben aus 5300 Meter Höhe einen Weltrekord aufgestellt. Unter ihnen ist auch Oberstleutnant i.G. Frank Hölzner, Dozent der Fakultät Landstreitkräfte an der Führungsakademie der Bundeswehr. (Foto: Gary Wainwright)

 

Kurz vor dem Sprung in 5300 Meter Höhe: Oberstleutnant i.G. Frank Hölzner ist bereit für den Weltrekordversuch. (Foto: Privat)

 

Die Fallschirmspringer haben ab dem Absprung 70 Sekunden Zeit die Formation zu bilden. (Foto: Gary Wainwright)

 

Oberstleutnant i.G. Frank Hölzner hat sich an der Führungsakademie dem Thema „Spezielle und Spezialoperationen“ verschrieben. (Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

 

An dieses Erlebnis wird sich Oberstleutnant i.G. Frank Hölzner noch lange erinnern: Zusammen mit 130 Fallschirmspringern aus 26 Nationen stellte der Dozent der Fakultät Landstreitkräfte an der Führungsakademie der Bundeswehr in Kalifornien einen Weltrekord im so genannten „Sequential Großformationsspringen“ auf. Die Teilnehmenden springen dafür aus sechs Flugzeugen und versuchen gemeinsam aus 5300 Meter Höhe, eine Formation zu fliegen.

Ein Sprung, zwei Formationen

Das Besondere in diesem Jahr: Die Springer wollten nicht nur eine, sondern gleich zwei Formationen mit einem Sprung abdecken. Die Schwierigkeit: Sie hatten lediglich 70 Sekunden Zeit dafür und mussten alle Griffe nach der ersten Formation lösen und sich für eine zweite erneut zusammenfinden. Doch davon ließen sich die erfahrenen Springer nicht entmutigen. Fünf Übungssprünge machten die Teilnehmenden, dann waren die Weichen auf Weltrekord gestellt. „Es hat gleich beim ersten Versuch geklappt“, freut sich Oberstleutnant i.G. Hölzner, der vor 32 Jahren zum ersten Mal Fallschirm gesprungen ist. Seine Leidenschaft dafür weckte die Bundeswehr. Denn als er im Jahr 1986 eingezogen wurde, landete er bei den Fallschirmjägern in Wildeshausen. Kurze Zeit später absolvierte er den militärischen Freifalllehrgang. Seither führt der Dozent für „Spezielle und Spezialoperationen“ ungefähr 100 bis 200 Sprünge im Jahr durch, wie er sagt. „Ich komme auf mehr als 4700 Sprünge insgesamt“, erzählt er und ergänzt: „Die durchschnittliche Sprungerfahrung der Teilnehmer des Weltrekordversuches lag bei 5200 Sprüngen.“

Es wird nie langweilig

Doch wie kommt ein Dozent von der Führungsakademie der Bundeswehr nun dazu, bei einem Weltrekordversuch dabei zu sein? Die simple Antwort: In dem er eingeladen wird. Denn nur wer zuvor von den Initiatoren „Sequential Games“ gefragt wird, darf daran teilnehmen. Allerdings müssen die Springer bis dahin ihr Können in kleineren Gruppen beweisen. Haben sie das geschafft, haben sie die Chance, für größere Veranstaltungen eingeladen zu werden. Oberstleutnant Frank Hölzner gehört zu dieser Gruppe, denn es ist bereits sein achter Weltrekord. Doch langweilig wird es nicht, wie er betont. Schließlich steht nie fest, ob alle Springer am besagten Tag in Topform sind und ob der Versuch klappt.

Wie eine Torte

Schon die Vorbereitung verlangt viel ab: Denn die Springer üben in kleineren Gruppen ihre entsprechende Sequenz, um diese dann am Tag des Weltrekordversuches zusammenzufügen. „Das muss man sich wie die einzelnen Sektoren Stücke einer Torte vorstellen: In der Mitte schneidet man einen Kreis heraus. Das ist die Basis, also die Springer, die zuerst aus dem Flugzeug springen. Und dann werden von außen die Tortenstücke, also die Sektoren, herangeschoben. Die Basis ist sozusagen das Zentrum, das angeflogen wird.“ Das Schwierigste dabei: „Man muss abbremsen, auf Level fliegen und zugreifen“, fügt Hölzner hinzu.

Komplett fokussiert

Insgesamt 40 Minuten dauert es, bis die Flugzeuge die Sprunghöhe von 5300 Meter erreicht haben. Diese Zeit nutzen die Springer, um sich zu fokussieren. Jeder kleine Fehler kann nicht nur dafür sorgen, dass der Weltrekordversuch scheitert, sondern auch eine Gefahr für Leib und Leben darstellen. „Man muss 100 Prozent beim Sprung sein. Während des Steigfluges geht man den gesamten Sprungablauf vom Absprung bis zur Landung mehrmals im Kopf durch“, so Oberstleutnant Hölzner.

Nächster Weltrekordversuch in Planung

Ob der Versuch geglückt ist, merken die erfahrenen Springer meist schon in der Luft: „Wenn so eine große Formation fliegt, dann ist die ganz spannungsfrei. In dem Moment merkt man, alle haben Griffe, alle sind auf Level. Man weiß nicht hundertprozentig, ob es geklappt hat, weil man nicht alle 130 Personen sieht, aber man merkt vom Gefühl her, es könnte was geworden sein“, so Hölzner. Kommuniziert wird in der Luft nur über die Augen und die Gestik. Umso größer war die Freude bei den Springern als sie ihre Emotionen nach der Landung freien Lauf lassen konnten – der Weltrekordversuch ist geglückt. Und der nächste ist für Oktober 2020 bereits in Planung: Dann soll der Rekord aus dem Jahr 2014 mit 214 Springern aus einer Nation getoppt werden, sagt Frank Hölzner voller Vorfreude.

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Sophie Düsing

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wirtschaftsjunioren treffen Offiziere

 

 

Wirtschaftsjunioren treffen Offiziere

 

Mitte Oktober besuchten knapp 70 Wirtschaftsjunioren der Hansestadt die Führungsakademie der Bundeswehr in Blankenese. Sie trafen dabei auf rund 90 Teilnehmende des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN), der in diesem Herbst seine zweijährige Ausbildung an der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr begonnen hat. Die jungen Führungskräfte nutzten das Zusammentreffen zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch.

Bei den Wirtschaftsjunioren der Handelskammer Hamburg engagieren sich rund 130 Führungskräfte und Unternehmer unter dem Motto „Handeln für Hamburg“ für wirtschaftliche und soziale Belange in der Hansestadt. Das Netzwerk junger hanseatischer Führungskräfte existiert bereits seit 40 Jahren. Von den Gästen im Manfred-Wörner-Zentrum in der Clausewitz-Kaserne hatten indes die wenigsten Berührungspunkte mit der Bundeswehr. Zumindest bisher. Umso gespannter lauschten sie den Vorträgen über die Führungsakademie und die Bundeswehr.

Brigadegeneral Holger Neumann, Direktor Ausbildung, begrüßte die jungen Führungskräfte und erklärte Aufbau und Struktur der Führungsakademie. Die Führungsakademie sei eine Ausbildungsstätte, an der Führen, insbesondere militärisches Führen, einen großen Anteil innerhalb der Lehre ausfülle. Auch bei der Bundeswehr gäbe es Chefs, Geschäftsführer oder Abteilungsleiter – nur hätten sie andere Namen. General Neumann wies allerdings darauf hin, dass der Beruf des Soldaten ein besonderer Beruf sei. „Wir dienen unserem Land unter Einsatz von Leib und Leben“, sagte er. Das Konzept der Inneren Führung sei dabei ebenso wichtig wie auch die Aufgabe, die Führungskompetenzen der Nachwuchskräfte stetig zu steigern. Das scharfe Ende des Soldatenberufs erfordere dabei besondere Ansprüche an das Führen von Menschen.

Der kriegstaugliche Stabsoffizier

Die Führungsakademie der Bundeswehr verstehe sich als höhere Managementschule. Gerade die jungen Offiziere im LGAN, -dem zweijährigen Hochwert-Lehrgang, sollen in der Zeit nicht nur den Horizont erweitern sondern auch die Möglichkeit haben, outside the box zu denken. Es folgte ein Vortrag vom Leiter des Dezernats Grundlagen Führungskräfteentwicklung, Oberst i. G. Dirk Bejga, über Fakten zur Führungsakademie. Er erwähnte, dass die Führungsakademie bis zu 3000 Lehrgangsteilnehmer pro Jahr in bis zu 80 Lehrgängen unterrichte. Rund 500 militärische und zivile Gastdozenten ergänzen das Ausbildungsangebot der Akademie jährlich, um das Spitzenpersonal der Bundeswehr aber auch zivile Führungskräfte mit dem Anspruch des „Lebenslangen Lernens“ auszubilden.

Die Ausbildung sei interdisziplinär und eng vernetzt mit anderen Ressorts der Bundesregierung wie dem Auswärtigen Amt oder dem Bundesministerium des Inneren. Am Ende stehe die Ausbildung des kriegstauglichen Stabsoffiziers, den es bestmöglich auf zukünftige Anforderungen und die Herausforderungen im Einsatz vorzubereiten gelte. Oberstleutnant i. G. Bastian Volz von der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften gab in einer Tour d´Horizon einen Überblick über die Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland und die Aufgaben der Bundeswehr in Grundbetrieb und Einsatz. Dabei führte er im großen Bogen rund um die weltweiten, sicherheitspolitischen Bedrohungen zu der Bundeswehr als einem wesentlichen Instrument deutscher Sicherheitspolitik.

Praktikum für Offiziere in der Wirtschaft

Die Wirtschaftsjunioren hörten nicht nur gespannt zu, es fiel auch die eine oder andere Frage. Ob denn die Bundeswehr in Bezug auf den Einsatz ihrer Kräfte auch Einfluss auf die Politik habe? Bei der Beantwortung dieser Frage verwies Oberstleutnant i.G. Volz auf den militärischen Ratschlag, der im Verteidigungsministerium formuliert und dann der politischen Leitung vorgelegt werde Insofern habe man die Möglichkeit einzuwirken. Aber die letzte Entscheidung fälle die Politik.

In einem letzten Vortrag stellten Korvettenkapitän Mark Baumert und Major Nadir Attar vom LGAN 2018 das Projekt „Erfahrungsaustausch Führung und Management“ vor, das als Führungspraktikum den Lehrgangsteilnehmenden in Kooperation mit Unternehmen und zivilen Institutionen einen Einblick in strategische Führungs- und Entscheidungsstrukturen der Wirtschaft ermöglichen soll.

„Nach dem großen Erfolg der letzten Jahre wollen wir dieses Projekt um weitere Firmen erweitern. Wir würden uns sehr freuen, wenn die Wirtschaftsjunioren den angehenden Führungskräften unserer Streitkräfte die Gelegenheit zum Einblick in Leitungs- und Entscheidungsebenen Ihres Unternehmens geben würden“, so der Appell des zuständigen Projektoffiziers, Oberstleutnant Kai Prüter, an die anwesenden Wirtschaftsjunioren.

 

Erfahrungsaustausch ohne Berührungsängste

Claudia Arendt von der Volksbank Hamburg empfand den Erfahrungsaustausch als überaus bereichernd: „Wir haben Einblicke in eine Welt erhalten, die uns sonst verschlossen ist. Mich interessiert beispielsweise das Thema agile Führung bei der Bundeswehr. Das geht für mich auf den ersten Blick nicht zusammen. Also wie gestaltet sich das“, fragte sie. Markus Kruse von Euler Hermes Deutschland und vom Kommunikationsteam der Wirtschaftsjunioren sah das ähnlich: „Mich hat beeindruckt, dass die Bundeswehr deutlich moderner ist, als ich sie in Erinnerung hatte und man aus der Presse so wahrnimmt“. Er selbst leistete vor mehreren Jahren den Grundwehrdienst. Auf der anderen Seite zeigten sich auch die Offiziere des LGAN interessiert. Major Bodo Erler freute sich über den Einblick in das moderne Führungsdenken der Wirtschaft. „Das ist sehr interessant und bereichert unser eigenes Selbstverständnis als Streitkräfte im Wandel“, sagte er, bevor er sich wieder Frau Arendt zuwandte und das Thema agiles Führen vertiefte. Insgesamt waren gerade die Gespräch im Anschluss anregend. Berührungsängste gab es keine.

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Victoria Eicker

 

Sportlich, informativ und gesundheitsbewusst

 

 

Video: Soldatinnen und Soldaten messen sich an der Führungsakademie

 

 

Ob Fallschirmziehen, Fitness und Fußball spielen: Beim Tag des Gesundheitsbewusstseins sind Soldatinnen und Soldaten sowie Mitarbeitende der Führungsakademie der Bundeswehr in verschiedenen Teamsport- und Einzelwettbewerben gegeneinander angetreten. Sie erweiterten ihr Wissen bei verschiedenen Vorträgen wie „Leistungsfähigkeit und Vitamin D“, „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ oder „Psychische Belastungen am Arbeitsplatz“ und lernten bei einer Führung durch die Clausewitz-Kaserne mehr über die Bedeutung von Kräutern und ihre Wirkung kennen. Zudem warteten ein Rückenschmerzsimulator, ein Wirbelsäulenscreening und eine Typisierungsaktion auf die Teilnehmenden. Klingt spannend? Mehr Eindrücke gibt’s im folgenden Video.
   

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Sophie Düsing

Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Marie Kellermann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus dem Nähkästchen geplaudert

 

 

Aus dem Nähkästchen geplaudert

 

Die Leitung der Führungsakademie der Bundeswehr begrüßt den neuen LGAN.(Foto:Führungsakademie der Bundeswehr/ Lene Bartel )

 

General de Maiziere (1964) – Der ehemaliger Kommandeur der Führungsakademie Formulierte diese Forderungen an die Offiziere im Generalstab. (Foto:Führungsakademie der Bundeswehr/ Lene Bartel)

 

Den Lehrgangsteilnehmenden des LGAN stehen zwei herausfordernde Jahre bevor.(Foto:Führungsakademie der Bundeswehr/ Lene Bartel)

 

 

 

 

 

Es kommt nur äußerst selten vor, dass für ein und dieselbe Veranstaltung die komplette Führungsriege der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) gleichzeitig vertreten ist. Damit unterstrichen der Kommandeur, Generalmajor Oliver Kohl und die beiden Direktoren welchen hohen Stellenwert die Begrüßung des neuen Jahrganges des General- /Admiralstabdienstes National (LGAN) für sie hat.

Kommandeur beglückwünscht Teilnehmende zu ihrem Mut

Nachdem die Generale auf dem Podium des großen Hörsaales im Manfred Wörner Zentrum Platz genommen hatten, kehrte Stille ein und die insgesamt 107 Lehrgangsteilnehmenden, darunter zwölf Frauen, fragten sich höchstwahrscheinlich, was da in den nächsten Minuten auf sie zukommen würde. An diesem Tag jedoch hieß der Kommandeur der FüAkBw die Anwesenden willkommen und beglückwünschte alle Teilnehmenden zu ihrem Mut, sich den Herausforderungen dieses zweijährigen und international hoch anerkannten Führungslehrgangs zu stellen.

Generale stellen ihre eigenen Lebensläufe vor

Um darzustellen, wie unterschiedlich Karrieren verlaufen können, gingen die Generale gleich zu Beginn der Veranstaltung auf ihre eigenen Lebensläufe ein. Sie sprachen locker und offen über ihre bereits absolvierten Stationen. Dabei ließen sie auch keinen Zweifel daran, dass dieser Lehrgang eine abwechslungsreiche und spannende Zeit werden wird. Gleichzeitig sei die Zeit keinesfalls mit einem Zuckerschlecken zu vergleichen. „Es ist die Eintrittskarte für äußerst spannende Verwendungen mit sehr großen Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten. Genießen Sie die Zeit an der Führungsakademie, alles ist hier möglich“, so General Kohl. Er sprach auch darüber, dass sich Lehrgangsteilnehmende und Mitarbeitende auf dem Campus stets auf Augenhöhe begegnen und hier auch kontroverse Meinungen geäußert werden können - sofern dies in angemessener Form geschehe.

Was künftige Generalstabsoffiziere mitbringen sollten

Wie er sich einen künftigen Generalstabsoffizier vorstellt, darüber gab der Kommandeur ebenfalls Auskunft. Bei seiner Benennung der wichtigsten Eigenschaften bezog sich General Kohl auf eine Aufzählung, die der ehemalige Kommandeur der Führungsakademie, General de Maiziere, bereits 1964 zu Papier gebracht hatte: „Auf Grundlage der charakterlichen Lauterkeit, solider Fachkenntnisse und einer guten Allgemeinbildung (…)“, forderte dieser schon damals „(…) Verständnis und Herz für die Truppe, ohne der oft notwendigen Härte der Entscheidung auszuweichen.“ General Kohl verwies darauf, dass Erwartungen jederzeit im Flur vor seinem Büro nachgelesen werden können und ergänzte zudem noch den Begriff der „Kriegstauglichkeit“. Damit ist gemeint, dass „egal was sie machen und tun, alles direkte und indirekte Auswirkungen auf die Truppe hat und sich immer gefragt werden sollte, was bedeutet das für die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte?“

„Mut zum Diskurs“

Anschließend fügte der Kommandeur noch einen letzten und wichtigen Aspekt, gerade auch in Hinblick auf die Weiterentwicklung der Bundeswehr hinzu: „Mut zum Diskurs“ sei in jüngster Vergangenheit zum neuen Leitspruch einer modernen Führungsakademie geworden.

Auch der stellvertretende Kommandeur der Führungsakademie und zugleich Direktor Strategie und Fakultäten, Brigadegeneral Boris Nannt, gab den Lehrgangsteilnehmenden einige praktische Ratschläge mit auf den Weg: „Nehmen Sie die Dinge einfach so wie sie sind (...), beobachten Sie, seien Sie kritisch und fordern Sie uns (…)“. General Nannt ist davon überzeugt, dass die Lehrgangsteilnehmenden „hier eine hervorragende Ausbildung und das Rüstzeug um verschiedenste Methoden und modernste Verfahren bei der Problemlösung anwenden zu können“ vermittelt bekommen.

Die Bundeswehr voranbringen

Der Direktor Ausbildung, Brigadegeneral Holger Neumann, ist für die Durchführung und die Ausbildungsinhalte des LGAN verantwortlich und damit erster Ansprechpartner für alle Belange der hochwertigsten militärischen Ausbildung bei der Bundeswehr. General Neumann sprach von Motivation in Bezug auf Führungsanspruch und Gestaltungswillen, von Auffassungsgabe und Weitblick, von Mut, Neugier und Vorbildfunktion, die er voraussetzt und von Integrations- und Reflexionsfähigkeit, die er erwarte. Rückblickend auf seine eigene Ausbildung fasste er seine Zeit während dieses Lehrganges wie folgt zusammen: „Zwei Jahre, in denen man sich auf sich selbst konzentrieren kann, selbst seines eigenen Glückes Schmied ist. Neue Wege gehen und sich den Grenzen der Komfortzone nähern kann.“ Er forderte die Lehrgangsteilnehmenden auf, die Bundeswehr mit dem hier Erlernten voranzubringen. 

Die Generale stimmten abschließend darin überein, dass abseits jeder Karriereplanung, den individuellen Eigenschaften und der persönlichen Leistungsfähigkeit der einzelnen Lehrgangsteilnehmenden auch eine ganze Portion Glück nötig ist, um vielleicht irgendwann einen der rund 200 Spitzendienstposten in der Dienstgradgruppe der Generale begleiten zu dürfen.

 

 

Autor: Führungsakademie der Bundeswehr/Claus Rosenbusch

 

 

Fünf Akademien – ein Ziel

 

Fünf Akademien – ein Ziel

 

Jedes Jahr im Oktober findet eine Arbeitsgruppen- und Steuerungsgruppensitzung der C5 statt (Erklärung der Redaktion: C5 steht für die Führungsakademien in Spanien, Italien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland). Diesmal waren die Vertreter zu Gast an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Neben dem Treffen im Oktober findet auch einmal jährlich eine Kommandeurssitzung statt. Auch diesmal standen unter anderem wieder die gemeinsame Übung CJEX sowie Wege für eine engere Kooperation auf der Agenda. Die Redaktion sprach dazu mit Oberst d.G. Michael Exeli. Er ist Dozent an der Fakultät Einsatz, CIR, SKB und leitet regelmäßig die Übung.

 

Foto:Oberst Michael Exeli im Gespräch mit der Redaktion Fotografin Lene Bartel

 

Herr Oberst d.G. Exeli, zunächst einmal: Was haben wir uns unter dem C5-Treffen vorzustellen?

Wir arbeiten schon seit mehreren Jahren eng mit unseren Partnerakademien in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien zusammen. Wir führen beispielsweise jährlich die multinationale und streitkräftegemeinsame Hochwertübung CJEX für unsere General- und Admiralstabslehrgänge durch. Aber das ist nur ein Punkt. Es gibt mehrere Treffen im Jahr, um die gemeinsame Übung zu koordinieren, aber auch um andere Felder der Kooperation zu identifizieren und auszubauen. Gleichzeitig halten wir uns so auf dem Laufenden, was die jeweils anderen Akademien auf der Agenda haben und planen.

Können Sie kurz skizzieren was CJEX ist?

Das ist eine Übung während unseres zweijährigen Lehrgangs für Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN), die wir gemeinsam mit unseren Partnerakademien in Großbritannien, Spanien und Italien durchführen. Frankreich ist ja leider seit letztem Jahr nicht mehr bei dieser Übung dabei. CJEX bringt den Teilnehmenden multinationale Zusammenarbeit nahe aber auch den streitkräfteübergreifenden Einsatz von Truppen in einer Krisensituation. Das Besondere ist, dass Delegationen der befreundeten Akademien die Führungsakademie besuchen und auch wir Delegationen zu den drei verbleibenden Partnerakademien schicken. Von unserem LGAN werden nächstes Jahr rund 25 Offiziere pro Delegation in eine der Partnerakademien versendet. Insgesamt sind dann etwa 75 unserer Lehrgangsteilnehmenden unterwegs. Aus den Partnerakademien kommen rund 45 Offiziere zu uns, außerdem 15 Amerikaner und kleinere Delegationen aus Ungarn, Polen und Bulgarien, um hier an der CJEX mitzuwirken. Darüber hinaus erwarten wir einen Besuch vom Baltic Defense College. Das Baltic Defense College wir wahrscheinlich zukünftig auch an der Übung teilnehmen.

Was haben Sie im Oktober genau zu CJEX besprochen?

Nächstes Jahr findet die Übung von 4. bis 14. Mai statt. Ganz wichtig ist uns dabei – wie schon erwähnt – der multinationale Ansatz. Das Szenario der Übung passen wir jedes Jahr ein bisschen an. Im Oktober legen wir auch immer die Termine für die Übungen in den darauffolgenden Jahren fest. So haben wir beispielweise den Termin für 2021 bestätigt und für 2022 festgelegt. Außerdem haben wir noch Termine vereinbart, um die Details für die nächstjährige CJEX zu besprechen. Allerdings war CJEX nur einer der Punkte, über den wir gesprochen haben.

Worüber haben Sie noch gesprochen?

Bei diesen Treffen geht es auch immer darum, wie wir noch enger kooperieren können. Das betrifft insbesondere die Ausbildung und Lehre – denn hier können wir gegenseitig voneinander profitieren. Im Bereich unseres hochwertigsten Lehrgangs, des LGAN, besteht seit mehreren Jahren die Kooperation für den Bereich multinationale Zusammenarbeit und Streitkräfteeinsatz mit der Übung CJEX. Es gibt aber weitere Bereiche wie zum Beispiel Sicherheitspolitik, internationale Partner oder die Projektarbeiten der Lehrgangsteilnehmenden des LGAN, in denen wir uns künftig enger austauschen könnten.

Gibt es da eine konkrete Vorstellung?

Einerseits werden wir gemeinsame Interessen in der Ausbildung betrachten. Dazu werden wir gemeinsam alle Lernpläne der Akademien genau analysieren und daraus Zusammenarbeitsfelder ableiten. Vorstellbar wäre auch eine Art kleiner „Denkmuskel“, den wir gemeinsam implementieren und der die zukünftigen Herausforderungen unter anderem für die operative Führung bearbeitet und daraus Ableitungen für die Lehre trifft. Es geht hier insbesondere um die inhaltliche Weiterentwicklung der Ausbildung. Es gibt viele künftige Herausforderungen, mit denen sich alle Akademien im Rahmen ihrer Ausbildung und Lehre auseinandersetzen müssen. Sei dies nun die Implementierung von Künstlicher Intelligenz, Automatisierung, Robotik, moderne Waffensysteme oder Ähnliches. Aber auch Fragen wie beispielsweise, welche Veränderungen in künftigen Konfliktfeldern und in der Kriegsführung durch die komplexe Zunahme hybrider Bedrohungen anstehen? Wie geht man mit der neuen Dimension Cyber um? Oder wie entwickelt sich die europäische Zusammenarbeit der Streitkräfte vor dem Hintergrund der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik auf europäischer Ebene? Wie sie sehen, gibt es genug zu tun.

Wie gehen Sie jetzt weiter vor?

Wir werden bereits Ende November einen weiteren Workshop auf Arbeitsgruppenebene durchführen. Dort wollen wir die Kooperationsfelder, ohne uns vorerst irgendwelche Schranken zu setzen, definieren. Es steht nur eine Frage im Mittelpunkt: In welchen Bereichen könnten wird enger kooperieren.  Danach werden wir einen Rahmenvertrag erarbeiten, der sowohl bereits bestehende Kooperationen wie CJEX aber auch neue Kooperationen regelt. Im kommenden Jahr im Sommer soll der Rahmenvertrag dann zur Kommandeurssitzung vorgelegt werden. Wir wollen uns damit inhaltlich zukunftsorientiert aufstellen und die Ausbildungsziele gemeinsam angleichen, um noch besser zusammen zu arbeiten.

 

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Victoria Eicker

 

 

 

 

 

 

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Das German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS – untersucht geostrategische, sicherheitsrelevante Fragestellungen unserer Zeit. 

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