GIDS

Das German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS – untersucht geostrategische, sicherheitsrelevante Fragestellungen unserer Zeit. 

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Lernen 4.0

Auf dem Weg zur digitalen Ausbildungsakademie:  Mit Neuem Lernen beschäftigt sich das Innovationslabor „Führen Morgen Heute Lernen“ der Führungsakademie der Bundeswehr.

Führen Morgen Heute Lernen

Alumni

Die Führungsakademie der Bundeswehr ist traditionell international stark vernetzt. Weltweite Kooperationen sind die Basis unseres Beitrages zur Völkerverständigung.

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Master: MFIS

Die Führungsakademie der Bundeswehr bietet ihren Lehrgangsteilnehmern in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität einen international anerkannten Masterabschluss:

„Militärische Führung und Internationale Sicherheit“

„Es braucht weit mehr als bunte Facebook-Kacheln“

 

„Es braucht weit mehr als bunte Facebook-Kacheln“:

 

Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Tauber über die Herausforderungen der Zukunft

 

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl (rechts), und der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Peter Tauber während des Interviews. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Bei seinem Antrittsbesuch trug sich Dr. Peter Tauber in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr ein. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Vom Direktor Strategie und Fakultäten, Brigadegeneral Boris Nannt, erfuhr der Parlamentarische Staatssekretär mehr über die Ausbildungsinhalte. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Einen Überblick zum sicherheitspolitischen Planspiel „Cerasia“ erhielt Dr. Tauber unter anderem vom Major René Ladwig. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)"

 

Der Parlamentarische Staatssekretär nutzte die Chance, sich mit Teilnehmenden des Planspiels auszutauschen. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel)

 

 

 

Wie hat sich die Ausbildung von Stabsoffizieren im Laufe der Jahre verändert? Wie motiviert sind die Soldaten, die sich an der Führungsakademie der Bundeswehr ausbilden lassen? Und woher kommen die Dozenten? Das sind Fragen, die den Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung und Mitglied des Deutschen Bundestages, Dr. Peter Tauber, bei seinem Besuch an der Führungsakademie ganz genau interessierten. Schließlich war er zum ersten Mal an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte in Hamburg. Neben Vorträgen zu Ausbildungsstrukturen und -inhalten erfuhr er mehr über die Arbeit der Denkfabrik, das German Institute for Defence and Strategic Studies, und tauschte sich mit Teilnehmenden des Planspiels „Cerasia“ aus. Letzteres zielt darauf ab, ein Verständnis zum gemeinsamen, ressortübergreifenden Handeln auf den Ebenen der Ministerien zu vermitteln. Während des Rundganges nahm sich der Parlamentarische Staatssekretär Zeit für ein kurzes Interview.

 

Herr Dr. Tauber, heute ist Ihr Antrittsbesuch bei der Führungsakademie der Bundeswehr. Welche Erwartungen haben Sie an die höchste militärische Ausbildungsstätte in Deutschland?

Hier an der Führungsakademie der Bundeswehr werden unsere Offiziere für die weitere Führungsverwendung aus- und weitergebildet. Ich persönlich bin sehr beeindruckt von der fachlichen, aber auch von der menschlichen Qualität unsere Offiziere, die mir im Einsatz, in der Truppe oder im Ministerium begegnen. Ich kann dazu nur sagen: hohe Fachlichkeit, tolles Auftreten und kameradschaftlicher Umgang miteinander. Für die Soldaten ist die Führungsakademie der Bundeswehr auf dem Weg zum Stabsoffizier oder Generalstabsoffizier ein ganz wichtiger Baustein. Für mich ist es ganz spannend, sich mal anzuschauen, wo gelehrt wird. Bildung ist ein ganz essentieller Punkt für die Entwicklung eines Menschen und deswegen ist es gut, wenn wir als Bundeswehr so viel Wert darauf legen und viel in Bildung investieren.

 

Welchen Mehrwert kann die Denkfabrik, das German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS), im politisch quirligen Berlin Ihrer Meinung nach noch generieren?

Aus meiner Sicht schließt sie eine Lücke mit Blick auf Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Es ist nicht so, dass wir eine Fülle von Think Tanks haben, die uns aus deutscher Perspektive beraten oder lenken. Wenn wir das selber machen, aber auch offen sind, dass wir externen Sachverstand dazu holen und vor allem das viele gute Wissen, was wir in der Bundeswehr oder im Umfeld der Bundeswehr haben, nutzbar machen für die Politik und darüber hinaus für die Gesellschaft, dann hat es einen absoluten Mehrwert und ist mehr als erforderlich. Wenn man es nicht jetzt erfunden hätte, dann müsste man es spätestens morgen erfinden.

 

Was sind die wichtigsten Zukunftsthemen, bei denen Sie die Expertise der Führungsakademie der Bundeswehr als Denkfabrik nutzen können?

Aus meiner Sicht ist es ganz wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass offensichtlich die Ordnung, wie wir sie leben, die Normen und Werte wieder hinterfragt oder auch in Abrede gestellt werden. Und wenn freiheitliche Gesellschaften glauben, dass es nach wie vor ein Zukunftsmodell ist, um das Zusammenleben von Menschen zu organisieren, dann müssen sie sich sozusagen auch nach Innen stärken, also Resilienz bilden. Da braucht es Erklärungsmodelle, da braucht es Narrative, also sinnstiftende Erzählungen, die das stützen, die die Menschen begeistern und auch mitnehmen. Dafür braucht es eine wissenschaftliche Grundlage und nicht nur bunte Facebook-Kacheln. Die wissenschaftliche Grundlage muss irgendwie belegt werden, um Narrative zu stärken. Da ist die Führungsakademie als Ausbildungsinstrument und Think Tank ein ganz wichtiger Baustein.

Im nächsten Schritt ergeben sich die Fragen, welche Themen sind es, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Im Konkreten: Warum profitiert Deutschland von einer multilateralen Weltordnung, wie kann man diese stärken und stützen? Und im nächsten Schritt glaube ich, dass man nur in einer multilateralen Weltordnung die großen Herausforderungen der Zeit wie Klimawandel, Migration, Bevölkerungsentwicklung, Umgang mit Ressourcen und Nachhaltigkeit lösen kann.

 

Sie sind ja selbst Hauptmann der Reserve und haben sich gerade schon über die verschiedenen Lehrgänge informiert. Spielen Sie mit dem Gedanken, ein Modul für Reservisten hier an der Führungsakademie der Bundes- wehr zu besuchen?

(lächelt und blickt zu General Kohl) Dann müsste mein Kommandeur mir sozusagen ermöglichen, im Rahmen meines weiteren Verwendungsausbaus auch hier zu üben. Dann müsste ich das mal fragen (beide lachen). Es ist spannend. Das hängt auch von der Zeit ab. Ich bin ganz froh, dass ich dieses Jahr wieder zwei Wochen üben konnte. Aber natürlich geht die Arbeit als Staatssekretär vor. Aber auch da gehört Weiterbildung dazu. Insofern ist das Üben als solches wieder eine Weiterbildung für mich.

 

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Sophie Düsing

Fotografin: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel

Aktuelles

Wissensmanagement: Alle sollen profitieren

 

Wissensmanagement: Alle sollen profitieren

 

Wissensmanagement: wertvolle Strategien und Konzepte wurden durch die Angehörigen der Bundeswehr erarbeitet (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

 

Beim sogenannten Round Table trafen sich an der Führungsakademie der Bundeswehr Wissensmanagerinnen und Wissensmanager aus dem BMVg und der ganzen Bundeswehr (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

 

Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg stellte das GIDS vor und lud zum aktiven Mitwirken ein. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

 

Barbara Marschallek stellt Formen der kollaborativen Zusammenarbeit vor. Ihr Ziel: Eine Plattform auf der sich alle austauschen können. (Foto: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau)

Konzepte, Strategien, Lehrgangsarbeiten, Befehle, Veranstaltungsorganisationen. Die Liste der täglich produzierten Ausarbeitungen der Angehörigen der Bundeswehr ist nicht nur lang, sondern vor allem wertvoll. Doch wo und wie kann dieses Wissen nachhaltig gesammelt und für andere nutzbar gemacht werden? Über das sogenannte Wissensmanagement beraten jedes Jahr Experten aus der ganzen Bundeswehr. Dieses Mal dabei: das German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) als institutionalisiertes Wissensmanagement. 

Eine 30- bis 49-jährige Person empfängt in Deutschland beruflich durchschnittlich 21 E-Mails pro Tag (Erhebung aus dem Jahr 2018, Quelle: Statista). Zusätzlich gehen oftmals weitere hunderte E-Mails in die digitalen Briefkästen der Abteilungen ein. Diese müssen wiederum gelesen, ausgewertet, gegebenenfalls bearbeitet und abgespeichert werden. Doch wie dem Dilemma zwischen Informationsüberflutung einerseits und der Verfügbarkeit von relevantem Wissen zur richtigen Zeit am richtigen Ort andererseits begegnen?

Wissensmanagement lautet die Antwort. „Durch Vernetzung, Verknüpfung und Auswertung von Informationen entsteht Wissen. Wissen ist eine wichtige Ressource für eine erfolgreiche Auftragserfüllung“ (Fachkonzept Wissensmanagement, BMVg).

Das Management von Wissen ist eine Querschnittsaufgabe, die sich in allen Gestaltungsbereichen der Bundeswehr wiederfinden muss. So muss sowohl das Personal als auch die Organisation in ihren unterschiedlichen Bereichen bewusst und systematisch den Umgang mit der strategischen Ressource Wissen berücksichtigen und fördern.

Mit dem Aufbau des Wissensmanagements im GIDS wurde den Teilnehmenden der Tagung ein Beispiel des systematisierten Wissensmanagements vorgestellt. Der Leiter des GIDS, Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg, und die Leiterin der Projektgruppe Wissensmanagement GIDS, Oberamtsrätin Barbara Marschallek, verdeutlichten den Sinn und Zweck sowie die Ziele in der Weiterentwicklung.

 

Welche Informationen managt das GIDS?

Durch den Austausch und die Expertise der Lehrgangsteilnehmenden, Lehrenden, Studierenden und des Alumni-Netzwerkes wird während der Aus-, Fort- und Weiterbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) und der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) ein Fundus von Wissen produziert. Das GIDS identifiziert diesen und filtert Probleme und Phänomene, die für die sicherheitspolitische Strategiefähigkeit Deutschlands relevant sind. Dabei werden bedarfsorientiert und dynamisch Forschungsschwerpunkte festgelegt und aufbereitet. Bei der Schwerpunktsetzung orientiert sich das GIDS an der durch die politische Ebene erlassenen Zielsetzung und den strategischen Vorgaben für die Bundeswehr.

„(…) Ich möchte, dass sie [die FüAkBw] ihr Profil schärft und zu einem Ort des Wissens für die Bundeswehr der Zukunft wird. (…) Ein Innovations- und Ideeninkubator für die gesamte Bundeswehr. Ein Think Tank, der das Wissen der Lehrenden, der Teilnehmenden und der vielen externen Gäste nutzt, um einen wesentlichen Beitrag für die Strategiefähigkeit der Bundeswehr wie auch der Bundesregierung als Ganzes zu leisten.“, so die damalige Bundesministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen in ihrer Rede an der FüAkBw am 03. November 2016.

Was passiert mit den Informationen?

Die Kultur des Teilens ist Voraussetzung eines funktionierenden Wissensmanagements. So werden die Forschungsergebnisse, Qualifizierungsarbeiten und Projekte unter anderem in neuen Publikationsformaten, auf Tagungen, in Workshops, Vortragsreihen und über die eigene Webseite abgebildet.

Wer profitiert vom Wissensmanagement des GIDS?

Neben der FüAkBw und der HSU, wird das Wissen darüber hinaus sowohl Entscheidungsträgern als auch der Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wie geht es weiter?

Das Wissensmanagement des GIDS befindet sich noch im Aufbau. Im nächsten Schritt wird das Konzept des Wissensmanagements erstellt und im Anschluss erprobt. Ende 2020 soll dieses Projekt abgeschlossen sein. Es ist geplant, die Erfahrungen dann getreu der Kultur des Teilens in das Wissensmanagement der Führungsakademie zu transferieren.

 

 

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Ines Blandau

In der Krise Köpfe kennen

 

 

In der Krise Köpfe kennen

 

An der Führungsakademie der Bundeswehr fand Anfang September die 53. Sicherheitspolitische Informationstagung der Clausewitz Gesellschaft statt. Sie widmete sich mit diversen Vorträgen und Paneldiskussionen dem Thema „Stärkung der Resilienz und nationaler Führungsfähigkeit im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung“ und zeigte Handlungsfelder auf. Ein Blick durch die Panels.

„Droht uns der totale Black- und Service-Out?“ war das Thema eines dieser Panels. Hier war schnell klar: Vier Tage! Mehr braucht es nicht, um bei einem kompletten Blackout für chaotische Zustände zu sorgen – und das sei schon optimistisch gerechnet. Ein großflächiger Blackout sei durchaus denkbar, so Brigadier Dr. Wolfgang Peischl, Chefredakteur Österreichische Militärische Zeitschrift. Es gelte Systeme zu härten und Netzwerke auszubauen, um die Resilienz Kritischer Infrastruktur (KRITIS) vor einem Angriff zu steigern. Gleichzeitig sei die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung wichtig. Peischel plädierte dafür, die humanistische Bildung wieder zu fördern, um die Menschen kritikfähig und damit resilient zu machen. Martin Baumgarten, Country Crisis & Security Manager bei Vattenfall, betonte, dass die rasante Entwicklung der Digitalisierung die Komplexität und die Verwundbarkeit der Systeme erhöht habe. Durch die Einbindung vieler Bereiche in das Internet, seien sehr viel mehr Einfallstore für Cyberangriffe geöffnet worden.

In Fähigkeiten denken

So rechnet man damit, dass im Jahr 2020 40 Milliarden Geräte weltweit miteinander verbunden sein werden. „Cyberattacken sind real und sie wachsen“, sagte Dirk Backofen, Senior Vice President & Leiter Telekom Security. Cybersecurity sei deshalb in Industrie und Wirtschaft mittlerweile eine der wichtigsten Aufgaben. Alleine die Telekom hat über 20 Millionen Kundendaten. Die gilt es zu schützen. Hacker gebe es viele, es fehle noch die Armee der Guten, so Backofen. Dr. Monika John-Koch, Referatsleiterin Strategie KRITIS beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, betonte, wie wichtig es sei, die Zusammenarbeit zwischen Staat und zivilen Betreibern bei der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge zu optimieren. Sie plädierte auch dafür, weniger in Szenarien zu denken, als in Fähigkeiten. Es ginge darum, Fähigkeiten aufzubauen, um in Krisen handlungsfähig zu sein. Bei einem Blackout falle beispielsweise auch die Kommunikation aus – analoge Möglichkeiten zu kommunizieren existieren kaum noch. „Das ist möglicherweise die Achillessehne überhaupt“, sagte sie. Hat man dann noch die Fähigkeit, eine Krise zu bewältigen? Auch die Bundeswehr beschäftige sich mit ihrer KRITIS, so Ministerialrat Prof. Dr. Roland Börger, Abteilung für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen im Bundesministerium der Verteidigung. Es gelte für die Streitkräfte, autark zu werden, damit man in einer Krise seinem Auftrag nachkommen könne.

Hybride Angriffe als Herausforderung

Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis, gab in seiner Argumentation im Panel zu verteidigungspolitischen, militärstrategischen und innenpolitischen Herausforderungen im Zeitalter digitaler Verwundbarkeit und hybrider Bedrohungen zu bedenken, dass die föderalen Strukturen die Adressierung der neuen Bedrohungen noch nicht abbilden. „Bei einem Blackout oder einem großflächigen, komplexen Angriff stellt sich die Frage, wer führt. Wir brauchen mehr Reformwillen in der Politik, damit alle staatlichen Akteure mehr Rechtssicherheit für den Fall einer Katastrophe bekommen“, sagte er.

Föderales System als Schwierigkeit

Der stellvertretende Inspekteur des Cyber- und Informationsraums Generalmajor Jürgen Setzer sprach sich für eine engere Vernetzung und Kooperation aller Akteure aus. Auch er sprach die mangelnde rechtliche Grundlage bei hybriden Angriffen an. Wann darf ich bei einem massiven Cyberangriff wie reagieren? Hier stellte sich insbesondere die Frage, wann der Verteidigungsfall festgestellt werde und welche Handlungsoptionen man unterhalb dieser Schwelle habe. Fehlende rechtliche Grundlage kritisierte auch Ministerialrat Volker Amler, Referatsleiter Kritische Infrastrukturen in der Abteilung Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz im Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat. Einen anderen Blick eröffnete Oberst i.G. Dr. Vesa Valtonen aus dem finnischen Ministerium der Verteidigung: In Finnland werden wesentlichen Akteure in die gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge einbezogen – unter anderem in Übungen, an denen auch das Parlament teilnimmt.

Das Mind Set anpassen

Auch das Thema Landes- und Bündnisverteidigung als gesamtstaatliche Aufgabe im europäischen und transatlantischen Rahmen wurde diskutiert. Brigadegeneral Marcus Ellermann, Abteilungsleiter Verteidigungspolitik und -planung in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der NATO, referierte über die aktuelle Verfasstheit des transatlantischen Bündnisses. Im NATO Hauptquartier kämpfe man mit der Aufkündigung des über nukleare Mittelstreckensysteme zwischen Russland und den USA, um die Fortführung der Mandate in Afghanistan und im Irak sowie auch mit schwierigen NATO-Partnern wie der Türkei. Trotzdem gebe es keine Alternative zum Bündnis. Brigadegeneral André Bodemann, Unterabteilungsleiter in der Abteilung Strategie und Einsatz im Bundesministerium der Verteidigung und Leiter der Arbeitsgruppe Landes- und Bündnisverteidigung brachte eines auf den Punkt: „Wir brauchen neue Konzepte für die Landes- und Bündnisverteidigung“ – gerade vor der Kulisse hybrider Bedrohungen und neuer Angriffsvektoren im Cyber- und Informationsraum. „Die größte Herausforderung ist das Mind Set“, sagte er. Es sei notwendig, das Mind Set – auch der Bevölkerung – an die aktuellen Herausforderungen anzupassen. Dem pflichtete Prof. Dr. Sven Bernhard Gareis, Leiter der „Defence Education Partnership Programs“ in Eurasien und Zentralasien im NATO Hauptquartier, bei. Es müsse wieder mehr Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheitsinstitutionen aufgebaut werden.

Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit

Alle Panels durchzog die Diskussion um die Stärkung der Resilienz. Andy Grote, Senator der Behörde für Inneres und Sport der Freien und Hansestadt Hamburg, erklärte in seinem Diskussionsbeitrag, wie ernsthaft die Situation und die diversen Bedrohungen seien. In einer Welt der totalen globalen Vernetzung und Digitalisierung kämpfe man mit Extremismus, Terrorismus, manipulativer Kommunikation. Doch was am augenfälligsten ist: „Die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit verschwimmen, übrigens auch die zwischen zivilen und militärischen Aufgaben“, sagte er. Auch Grote benannte das föderale System an dieser Stelle als problematisch. Er forderte mehr Nähe und eine engere Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Generalleutnant Christian Badia, Abteilungsleiter Planung im Bundesministerium der Verteidigung, betonte, dass die Bundeswehr ihr Fähigkeitsprofil in Richtung Heimatschutz und Deutschland als möglicher Drehscheibe bei einem Bündnisfall ausbaue. Generalmajor Jörg See, Stellvertretender Beigeordneter Generalsekretär für Verteidigungspolitik und Planung im NATO Hauptquartier, konzentrierte sich auf die Resilienz und die Befähigung des NATO-Systems. Das beträfe auch die Infrastruktur, die genutzt werde, um von A nach B zu kommen. Diese müsse zugänglich sein und die Verfahren geklärt sein. Hier forderte er eine bessere Koordinierung der nationalen Akteure mit der NATO. Doch auch in der eigenen zivilen Bevölkerung muss ein Bewusstsein für die Ernsthaftigkeit von Sicherheit und Sicherheitsvorsorge geschaffen werden.

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Victoria Eicker

Fotografin: Führungsakademie der Bundeswehr/marie Kellermann und Falco Focht

 

Digitalforum Führen: „Agiles Führen agil lernen“

 

 

Junge Führungskräfte aus Wirtschaft und Bundeswehr arbeiten zusammen

 

Sie sollen komplexe Vorgänge strukturieren und ihren Angestellten Orientierung bieten, zugleich verlangen sie von ihren Mitarbeitern ein gewisses Maß an Flexibilität: Die Rede ist von Führungskräften. Welchen Herausforderungen sich diese aufgrund des digitalen Wandels stellen müssen und wie es ihnen gelingt, ihre Teams trotz der veränderten Rahmenbedingungen erfolgreich zu leiten, darüber haben sich Teilnehmende des „Digitalforums Führen“ Gedanken gemacht. Ihre Zwischenergebnisse präsentierten die jungen Führungskräfte im Alter von 25 bis 35 Jahren Interessierten beim Ausbildungskongress an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr in Hamburg.

 

„Agiles Führen agil lernen“

Passend zum Thema „Agiles Führen agil lernen“ verlangen die Redner ein gewisses Maß an Beweglichkeit von ihren Zuhörern. Denn Stühle gibt es in dem Seminarraum keine. Stattdessen sollen sich die Kongressteilnehmer von einer Stellwand zur nächsten bewegen, um den Ausführungen der verschiedenen Teams zu folgen. Das „Digitalforum Führen“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bundeswehr, den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg und dem Bundesverband Deutsche Startups. Drei der fünf Coaches, die die Teilnehmenden während des gesamten Projektes begleiten, stellen den Zuhörern zunächst die Idee hinter dem Forum vor: Brigadegeneral Boris Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), Oberstleutnant Kai Prüter, Dozent an der FüAkBw, und Jutta Wiedemann von den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg nehmen die Zuhörer mit auf eine Reise zu den Anfängen.

Verschiedene Blickwinkel

„Wir sind jetzt seit fünf Jahren mit dem ,Digitalforum Führen‘ auf der Piste“, sagt Oberstleutnant Prüter und erzählt den Anwesenden, dass junge Führungskräfte aus der Wirtschaft und der Bundeswehr jedes Jahr insgesamt sechs Monate lang zusammenarbeiten. Für vier zweitägige Workshops werden die Teilnehmenden aus ihren Jobs herausgeholt. Die Zeit dazwischen gilt es nach der Arbeit für ihr Projekt zu nutzen, sich im Team zu koordinieren und Lösungsansätze für die Bearbeitung ihres Themas zu finden. Den Teilnehmenden bleibt Zeit, sich auszutauschen, zu netzwerken und sich bei der Erfüllung der Aufgaben zu unterstützen. 2014 startete das Projekt mit dem Namen „Führen lernen“. Damals habe sich die Seminargruppe wie ein bunter Haufen Smarties gefühlt, der sich je näher das Ende der Projektphase rückte, nach Farben sortiert hatte, erzählt Jutta Wiedemann. Von Jahr zu Jahr änderte sich der Blickwinkel auf das Thema Führen: 2015 beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Frage „Was ist wichtig für eine Führungskraft“, ein Jahr später wollten die jungen Frauen und Männer herausfinden, was es für eine Führungskraft bedeutet, ein Team durch das digitale Zeitalter zu leiten. Und im Jahr 2017 ging die Internetseite www.führen.digital an den Start. Das Thema der Projektgruppe lautete „Resilienz – Was heißt das für mich als Führungskraft?“. Im vergangenen Jahr gründeten Teilnehmende ein virtuelles Unternehmen mit dem Namen „Take 5“. Die jungen Führungskräfte haben sich konkret mit Tools und Methoden auseinandergesetzt, die Unternehmen dabei helfen, agiler zu werden. Und in diesem Jahr haben die Teilnehmenden den Schwerpunkt auf das Thema „Agiles Führen agil lernen“ gelegt.

„Kabelwirrwarr“ soll entknotet werden

An dem „Digitalforum Führen 2019“ nehmen insgesamt 20 junge Führungskräfte teil. Diese haben sich in vier Gruppen aufgeteilt – ein Team bildet die Projektleitung und drei Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit einzelnen Aspekten zum Hauptthema. Statt einem bunten Haufen Smarties nutzt die Projektleitung in diesem Jahr das Bild vieler miteinander verknoteter Kabel. Dieses „Kabelwirrwarr“ gilt es für die Teilnehmenden zu lösen. „Das Ganze ist ein Transformationsprozess“, gibt das Projektteam den Zuhörern zu verstehen. So galt es zu Beginn zu klären, wie Absprachen getroffen werden können, welche Teilnehmenden welche Soft Skills besitzen und wie die Aufgaben am besten in den Teams verteilt werden können.

Tool soll Mitarbeitern Handlungsempfehlungen geben

Die erste Arbeitsgruppe hat ihren Fokus auf die Mitarbeiter gelegt. Die Teilnehmenden wollen herausfinden, vor welchen Herausforderungen diese stehen. Doch um tiefer in das Thema einzusteigen, haben sie sich erst einmal mit den Besonderheiten von Wirtschaftsunternehmen als auch mit dem Öffentlichen Dienst beschäftigt. Ersteres hat meistens eine hierarchische Struktur, letzteres sei, so sagt die Projektgruppe, nicht unbedingt für seine Schnelligkeit bekannt. Was beide vereint, ist jedoch, dass sich die Rahmenbedingungen verändern und kreative, schnelle Ideen in Zukunft gefragt sind. Das Wissen der Mitarbeiter müsse gebündelt werden und schnell abrufbar sein. „Agilität passiert im Kopf von jedem Einzelnen“, so die Projektgruppe. Aus diesem Grund sollten Erfahrungswerte mit Agilität geschaffen und die Mitarbeiter individuell abgeholt werden. Die Teilnehmenden sprechen sich für die Fragebogenmethode aus. Am Ende wird dem Mitarbeiter sein „Agilitätsgrad“ angezeigt. Mithilfe eines Tools, das individuell auf den Mitarbeiter abgestimmt wird und ihm Handlungsempfehlungen gibt, soll sich dieser selbst reflektieren und an seiner Agilität arbeiten.

Was brauchen vernetzte Teams?

Einen anderen Ansatz verfolgt hingegen die zweite Arbeitsgruppe. Sie hat ihren Schwerpunkt auf vernetzte Teams gelegt. Diese Teams sind an verschiedenen Standorten des Unternehmens eingesetzt. Was sie eint, ist ein gemeinsames Ziel. Im Mittelpunkt der Projektarbeit stehen die Fragen: „Was brauchen wir zum Arbeiten und was hilft uns dabei? Gibt es Tools, damit wir produktiver werden können? Und vor allem: Wie können wir uns verbessern? Auch hier soll ein Fragebogen Auskunft über die Bedürfnisse und den Wissensstand des Mitarbeiters geben. So soll beispielsweise geklärt werden, wie der Mitarbeiter an ein Thema herangeht, wie und wo er arbeitet und ob er Unterstützung benötigt.

Eine große Spannbreite

Der Fokus der dritten Arbeitsgruppe liegt hingegen auf der Zielgruppe der jungen Führungskräfte. Die Teammitglieder wollen mehr über die Unternehmenskultur und die Rahmenbedingungen in Unternehmen herausfinden. So reiche die Spannbreite von Wirtschaftsunternehmen mit langwierigen Entscheidungsprozessen und einem starren Regelwerk bis hin zu Startups mit vielen Freiräumen. Fragen, die eine Rolle spielen sind: Macht Agilität in jeder Hinsicht Spaß? Was ist mit einer Fehlerkultur? Ist diese überhaupt erlaubt oder gar erwünscht? Die Teilnehmenden sind sich derzeit noch unschlüssig, ob Spiele den Führungskräften das agile Arbeiten näherbringen können. Zudem mache Agilität ihrer Meinung nach nur Sinn, wenn es für ein Problem keine Standardlösung gäbe.

Noch offene Fragen werden am 14.November 2019 in Berlin beantwortet. Denn dann ist die Vorstellung der Endergebnisse des „Digitalforums Führen“ vor Führungskräften und Personalverantwortlichen aus Bundeswehr und Wirtschaft geplant. 

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Sophie Düsing

Fotografin: Führungsakademie der Bundeswehr/Lene Bartel

 

Senatsempfang für den LGAI 2019

 

 

Es wird wieder bunt an der Akademie!

 

Ausführliche Führung für den Lehrgang durch die historischen Räume des Hamburger Rathauses (Foto: Bundeswehr/Robert Uebe)

Major Mgunda, Staatsrat Krösser, Fregattenkapitän Berger bei der Übergabe der Gastgeschenke (Foto: Bundeswehr/Robert Uebe)

LGAI ist vom Rathaus tief beeindruckt (Foto: Bundeswehr/Robert Uebe)

 

 

Am 2. September 2019 besuchten die Lehrgangsteilnehmer des Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI) auf Einladung des Senats das Rathaus der Freien und Hansestadt Hamburg. Mit diesem Besuch wurde eine wichtige und zugleich schöne Tradition fortgesetzt, die nicht zuletzt die enge Verbindung zwischen der Weltstadt Hamburg und den aus allen Kontinenten stammenden Lehrgangsteilnehmern widerspiegelt.

 

Hamburg, bekannt als „Tor zur Welt“, ist ein wichtiger Baustein für die internationalen Lehrgangsteilnehmenden, wenn es darum geht, Deutschland und seine Einwohner besser kennen zu lernen. Insofern ist der Besuch beim Senat nicht nur ein Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung: Mit seinen Möglichkeiten zum persönlichen Austausch und durch den Einblick in die Geschichte Hamburgs wird die Ausbildung für die Soldatinnen und Soldaten aus allen Erdteilen auf eine besondere Art und Weise unterstützt.

Nach Ankunft im Rathaus von Hamburg wurden die internationalen Soldaten der Führungsakademie durch den Staatsrat der Behörde für Inneres und Sport, Bernd Krösser, begrüßt. Dieser stellte in seiner Rede insbesondere die enge Verbundenheit der Stadt mit der Führungsakademie der Bundeswehr und dem LGAI heraus. Als Zeichen des Dankes für die Einladung und die erwiesene Gastfreundschaft überreichte Major Juma Ally Mgunda aus Tansania ein Gastgeschenk an Staatsrat Krösser. Zugleich brachte er in seiner Rede, stellvertretend für alle Teilnehmenden des LGAI, seine Anerkennung für die offene sowie freundliche Aufnahme durch die Stadt und ihre Einwohner zum Ausdruck.

Zum Abschluss des Besuches hatten die Gäste aus der Führungsakademie noch die Gelegenheit, eine Führung durch die repräsentativen Räumlichkeiten des Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert zu erleben. Die hierbei gewonnenen Eindrücke wurden durch die fachliche Expertise der Rathausmitarbeiter ergänzt und so war es für alle Lehrgangsteilnehmer ein bereicherndes Erlebnis.

Seit 1962 wird der LGAI an der Führungsakademie der Bundeswehr durchgeführt. Ebenso lang wird die Clausewitz-Kaserne im Westen von Hamburg für ein Jahr zur Heimat für annähernd siebzig internationale Offiziere aus 35 Ländern. Traditionell heißt der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg die Lehrgangsteilnehmenden während eines Empfangs offiziell willkommen.

 


Autor: Stefan Berger

 

 

Unsicherheit ist die neue Konstante

 

 

Unsicherheit ist die neue Konstante

Die sicherheitspolitische Lage hat sich seit 2014 dramatisch verändert. Mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland und die wachsende Zahl erodierender Staaten rund um den arabischen Krisenbogen haben sich die aktuellen außen- und sicherheitspolitischen Herausforderungen für Deutschland zugespitzt. Die Sicherheitspolitische Informationstagung der Clausewitz Gesellschaft an der Führungsakademie der Bundeswehr widmete sich diesen Herausforderungen und zeigte Handlungsfelder auf.

„Stärkung der Resilienz und nationaler Führungsfähigkeit im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung“ – das war das Thema der 53. Sicherheitspolitischen Informationstagung der Clausewitz Gesellschaft e.V. an der Führungsakademie der Bundeswehr. In Einzelvorträgen und Paneldiskussionen näherten sich die Experten der Thematik. So referierte Dr. Karl-Heinz Kamp, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Berlin, über die aktuellen und sicherheitspolitischen Herausforderungen. Dabei ging er nicht nur auf die neuen hegemonialen Ansprüche Russlands ein, sondern auch auf die fragile Staatlichkeit rund um den arabischen Krisenbogen sowie die Entwicklungen im asiatischen Raum mit den Expansionsbestrebungen Chinas. All das – wenn auch weit entfernt – erklärte er, hat Einflüsse auf Deutschland. „Wir können einen Artikel 5 Fall – also einen Bündnisfall – im asiatischen Raum nicht gänzlich ausschließen“, sagte er. Sollte Nordkorea die USA angreifen, könnte Deutschland im Rahmen der Bündnisverpflichtung durch die NATO in Alaska gefordert sein. „Das alles hat vitale Auswirkungen auf uns“, konstatierte Kamp. Die eigene Sicherheit erfordere heutzutage das Engagement in der Welt.

Blick nach außen: Russland, China, Iran

Prof. Dr. Joachim Krause, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Wissenschaft und Demokratie, referierte über aktuelle verteidigungspolitische und militärstrategische Herausforderungen. „In Deutschland hat man verlernt, was Verteidigungspolitik ist“, führte er ein. Geographisch konzentrierte sich Krause in seinem Vortrag auf Russland, China und dem Iran als die größten Herausforderungen für Deutschland und Europa. Russland suche die strategische Konfrontation mit dem Westen, auch um von den innenpolitischen Problemen abzulenken. China indes ist eine erfolgreich aufstrebende Wirtschaftsmacht – im Gegensatz zu Russland. Dabei gehe das Reich der Mitte beispielsweise mit dem Seidenstraßenprojekt strategisch-langfristig vor und wird damit die westliche Werteordnung in Frage stellen. Der Iran sei eine weitere Herausforderung – und das betreffe nicht nur die Atompolitik. Der politische Kurs sei unberechenbar und damit gefährlich – zudem stehe er in Konfrontation zu Israel und Saudi-Arabien. Vor dieser Kulisse sei eine der größten Herausforderungen, so Krause, dass Deutschland verlernt habe, strategisch zu denken. Sofern es aber Staaten gebe, die strategisch denken und denen das westliche Gefüge ein Dorn im Auge sind, werde es problematisch. Krause plädierte für eine Gesamtstrategie im Umgang mit Russland, China und dem Iran – auch auf europäischer Ebene.

Blick nach innen: Cyber und KRITIS

Über die aktuellen innenpolitischen Sicherheitsherausforderungen sprach der Minister für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt Holger Stahlknecht. Er konzentrierte sich in seinen Ausführungen auf die gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge. „Die Krise können wir nicht beeinflussen, das Entscheidende ist, wie wir damit umgehen“, sagte er. Im Inneren habe man mit Cyberkriminalität, extremistischer Gewalt, politisch motivierter Kriminalität und Clankriminalität zu tun. Cyberkriminalität sei die Kriminalität der Zukunft und habe sich in den vergangenen Jahren extrem entwickelt. Ein weiterer wunder Punkt seien die Kritischen Infrastrukturen (KRITIS) in Deutschland – das betrifft sowohl Strom wie auch Kommunikation. „Wir rechnen mit einer Zunahme der Angriffe“, sagte der Landesinnenminister. Gerade KRITIS und Cyber erfordern einen gesamtstaatlichen Ansatz. Szenarien mit Angriffen auf KRITIS müssen auch gemeinsam geübt werden, das erfordere eine intensivere länder- und ressortübergreifende Kooperation und Zusammenarbeit.

Mehr Sicherheit erfordert mehr Investition

In der anschließenden Paneldiskussion sprachen die Vortragenden unter der Moderation von Jörn Thießen, Leiter der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaft an der Führungsakademie der Bundeswehr, über die gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge angesichts dieser außen-, sicherheits- und verteidigungspolitischen Herausforderungen. „Es gibt ein Umdenken, zumindest in den Bereich Innerer Sicherheit mehr zu investieren“, sagte Kamp. Insgesamt beklagten die Panelisten nicht nur das mangelnde strategische Denken innerhalb der deutschen Politik bezüglich sicherheitspolitischer Herausforderungen, sondern auch das mangelnde Verständnis für dringend erforderliche Investitionen in die Sicherheit. Hier kam man auch auf das Thema Föderalismus zu sprechen. Unter normalen Voraussetzungen sei Föderalismus sehr gut machbar, sagte Stahlknecht. Bei einer tatsächlichen Krise aber stünden uns föderale Strukturen mitunter im Wege.

Multipler Angriff im Föderalismus

Die Panelisten diskutierten ein Beispielsszenario: Acht Stadien werden gleichzeitig per Drohnenangriff attackiert, während es zur selben Zeit zu einem massiven Cyberangriff kommt. Schnell stellt sich die Frage: Wer führt da? „Krise braucht Führung und nicht Debatte“, war man sich einig. In den Fragen und Diskussionsbeiträgen wurde zudem deutlich, dass in einer globalisierten Welt Unsicherheit die neue Konstante sei. Es sei nun auch wichtig, die Bevölkerung in diese neuen Umstände und Wirklichkeiten mitzunehmen, um sie widerstandsfähig zu machen und die Resilienz zu steigern, schwere Krisen durchzustehen. In diesem Zusammenhang kamen die Panelisten noch auf die Krise der Kommunikation zu sprechen. Klassische Medien wie Zeitungen und die öffentlich-rechtlichen Sender werden kaum noch genutzt. Stattdessen gewinnen soziale Medien immer mehr Einfluss auf Stimmungen und Meinungen in der Bevölkerung. Insgesamt sei eine deutliche Anstrengung seitens der Politik nötig, um diesen vielen Herausforderungen begegnen zu können.

 

Autorin: Victoria Eicker

 

„Innovationslabor @ (Aus)Bildungskongress“

 

 

„Innovationslabor @ (Aus)Bildungskongress“ –
Neue Impulse und Gedanken zum Thema Führen Morgen

Neue Medien, neue Arten der Mobilität und neue Möglichkeiten: Die Welt verändert sich tagtäglich und damit auch das Lernen, das Arbeiten und somit auch das Führen. Deutlich wird die Schnelllebigkeit unter anderem durch die Digitalisierung. Diese birgt Chancen, aber auch Risiken und stellt vor allem das Altbewährte in Frage. Die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) stellt sich diesen Herausforderungen mit der Reihe „Führen Morgen Heute Lernen. Innovationlabor für Neues Lernen“ und hat damit den Weg zu einer digitalen Ausbildungsakademie eingeschlagen. Unter dem Motto „Innovationslabor @ (Aus)Bildungskongress“ kommen Brigadegeneral Boris Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten an der FüAkBw, als auch Oberst i.G. Martin Simberg, Leiter des Ausbildungsprozessmanagements, und Major Michael Strauch, Verantwortlicher für die Umsetzung des Innovationslabors, mit Interessierten beim Ausbildungskongress der Bundeswehr an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg ins Gespräch.

Prozess ist gestartet

„Wir sind gerade in einem Prozess drin, der sich mit der Frage beschäftigt ‚Wie entwickelt sich eigentlich das Lernen?‘“, erzählt Brigadegeneral Boris Nannt den Anwesenden im gut gefüllten Seminarraum. Im vergangenen Juni hat die FüAkBw diesen Transformationsprozess mit einer zweitägigen Veranstaltung gestartet, an der rund 130 Personen aus der Bundeswehr, der Wirtschaft und dem öffentlichen Dienst teilgenommen haben. Genau wie heute standen folgende Fragen im Mittelpunkt der Diskussion:

- Wie wird sich Führung verändern?

- Wie müssen wir Führungskräfte dafür ausbilden?

- Welche Kompetenzen braucht eine Führungskraft von morgen?

Entscheider, Berater und Gestalter sind gefragt

Brigadegeneral Nannt legt bei einer Führungskraft auf drei Dinge Wert: Sie soll die Fähigkeiten eines „Entscheiders, Beraters und Gestalters“ vorweisen können. „Wir müssen an der Persönlichkeit feilen und an den Techniken und Methoden arbeiten“, ergänzt er. Bei Letzterem kann ein Lehrgang das nötige Handwerkszeug vermitteln. Eine Persönlichkeit kann sich jedoch nicht in zwei, drei Tagen entwickeln – dafür ist ein langjähriger Prozess notwendig. „Ich bin ein großer Fan von der ‚Walt-Disney-Methode‘. Bei dieser fängt man erst einmal mit dem Träumen an. Ich erlebe sehr viele Menschen, die nicht träumen, sondern erst einmal kritisieren und sagen, was nicht geht. Doch wir sollten erst träumen und dann können wir in den Realismus übergehen“, so Brigadegeneral Nannt. Die Vision der Führungsakademie der Bundeswehr ist klar: Sie möchte sich zu einer „digitalen Ausbildungsakademie“ entwickeln. Doch was heißt das konkret? Wie sehen die Lernräume aus, sind neue Systeme erforderlich und kann Wissen auch ohne Präsenzphasen vermittelt werden? Fünf Bereiche – von IT, Kultur und Infrastruktur bis hin zu Organisation und Personal – arbeiten an der FüAkBw bereits parallel daran, dem Arbeitstitel ein Gesicht zu geben. Zwei Jahre lang soll das Thema in den Mittelpunkt gestellt werden.

Diskussionspartner teilen ihre Gedanken mit

Doch nun kommen die Teilnehmenden des Ausbildungskongresses ins Spiel. „Wir möchten auch ihre Gedanken mit aufnehmen“, leitet Brigadegeneral Nannt über. Mittels Videos von der Auftaktveranstaltung bekommen die Anwesenden weitere Impulse zum Thema Führen und Lernen. Dann ist ihre Kreativität und ihr Wissen gefragt. „Bitte nehmen Sie Ihr Smartphone zur Hand und nennen Sie uns die wesentlichen Elemente, die eine digitale Ausbildungsakademie auszeichnen“, fordert Oberst i.G. Simberg die Teilnehmenden auf. Alle Daten, die von den Interessierten eingegeben werden, werden ohne Zeitverzögerung an die Leinwand projiziert. Nach und nach tauchen unter anderem folgende Begriffe auf: „Austausch, ortsunabhängiges Lernen, flexible Lernräume, Weiterbildung, stets und ständig, Online-Monitoring, bring your own device, Feedback, Erfahrung und Kommunikation.“ Die meistgenannten Begriffe werden optisch hervorgehoben. „Ortsunabhängiges Lernen und Austausch wurden am häufigsten genannt. Das bedeutet, dass sind die wesentlichen Faktoren einer digitalen Ausbildungsakademie – ich kann von überall lernen und arbeiten“, fasst Oberst i.G. Simberg die Ergebnisse zusammen.

Persönlicher Kontakt versus Chatkommunikation

Dann startet er die Diskussionsrunde mit der Frage: „Wie kann der Austausch bei einer digitalen Ausbildungsakademie sichergestellt werden?“ Mehrere Hände schnellen in die Höhe. So erzählt ein Teilnehmer, dass sich Lernende natürlich über Video- und Chatfunktion austauschen können, doch der persönliche Kontakt eine andere Qualität besitze. Für die Organisation sei der ortsunabhängige Austausch hingegen ein Gewinn. Ein anderer hebt die ortsunabhängige Kommunikation nach Lehrgängen in den Fokus, um mittels Foren weiter in Kontakt zu bleiben und sich austauschen zu können. Wiederum ein anderer Teilnehmer spricht sich dafür aus, dass in Lehrgängen erst ein persönlicher Kontakt aufgebaut werden sollte und anschließend alles weitere über die Chatfunktion geregelt werden kann. „Man muss sich erst als Mensch kennenlernen“, sagt er. Anders sieht es hingegen ein weiterer Zuhörer: „Der Ausbildungsanteil ‚Innere Führung‘ muss zentral mit erfahrenen Ausbildern vermittelt werden.“ Seiner Meinung nach können diese Inhalte nicht über Foren oder Chats erlernt werden. „Was zudem daraus folgt: aus Lehrern werden Coaches oder Consultants“, so die Meinung eines weiteren Teilnehmers.

Ist das Lernen auch am Arbeitsplatz möglich?

Auch der Frage, ob sich die Lernenden mit ihrer Ausbildung am Arbeitsplatz auseinandersetzen sollten, wird Aufmerksamkeit geschenkt. „Ich habe keine Zeit, während der Arbeitszeit zu lernen“, führt eine Anwesende aus. „Ich muss meine Arbeit schaffen und am Abend möchte ich meine Familie sehen“, sagt sie. Unterstützung bekommt sie von weiteren Teilnehmern. „Wenn jemand um die Ecke kommt und möchte, dass ich noch zwei Tage in der Woche neben der Arbeit lerne, dann frage ich mich, in welcher Welt derjenige lebt. Ich bin froh, wenn ich das normale Leben hinkriege“, untermauert ein weiterer Zuhörer seinen Standpunkt. Es wäre wünschenswert, aber die Arbeitsrealität gäbe das nicht her. Zudem spricht sich eine Anwesende dafür aus, in der Woche, aber nicht am Wochenende zu lernen und Weiterbildungen in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Eine weitere Teilnehmerin bringt Ausbildungskonten ins Gespräch, die dann auch nachgehalten werden sollten.

Gibt es hybride Lösungen?

Gibt es ausschließlich zwei Möglichkeiten zu lernen – nur persönlich oder nur digital? Oder sind auch hybride Formen denkbar, sozusagen eine Mischung aus beiden Bereichen? So lauten die nächsten Fragen der Diskussionsrunde. „Beim Führen geht es auch um Fürsorge“, meldet sich ein Anwesender zu Wort. Konkret geht es ihm um das „Face to face“-Führen. „Ohne persönlichen Kontakt ist keine Fürsorge möglich.“ Ein anderer spricht sich hingegen für einen bunten Mix aus. Und im Einsatzfall sei der persönliche Kontakt unabdingbar. „Eine Führungskraft muss lernen, digital zu führen“, heißt es von einem anderen Anwesenden. Das sieht hingegen ein weiterer Zuhörer anders: „Wenn uns die Technik diktiert, wie wir zu führen haben, dann ist das ganz dünnes Eis.“ Brigadegeneral Nannt schaltet sich ein und erklärt seinen Ansatz: „Digitalisierung bedeutet nicht ich nutze das E-Mail-Programm Lotus Notes. Es ist weitaus mehr. Wir brauchen ein digitales Mindset und Tools zum kollaborativen Arbeiten wie beispielsweise den webbasierten Instant-Messaging Dienst Slack oder die webbasierte Projektmanagementsoftware Trello.“ Virtuelles Führen ist hingegen für einige Seminarteilnehmende bereits Realität. Die Werte, mit denen Menschen bereits „analog“ geführt werden, haben sich im digitalen Zeitalter nicht verändert, so die einhellige Meinung. Das veranlasst eine Teilnehmerin wiederum zu folgender Aussage: „Wer nicht analog führen kann, kann auch nicht digital führen.“

Herausforderungen auf dem Weg zur digitalen Ausbildungsakademie

Bevor sich das Seminar dem Ende neigt und Zeit bleibt, unter anderem den Stand der Führungsakademie der Bundeswehr beim Ausbildungskongress zu besuchen, dürfen die Teilnehmenden noch einmal ihr Smartphone aus der Tasche holen. Denn sie können nun die größten Herausforderungen auf dem Weg zur digitalen Ausbildungsakademie notieren. Die Antworten sind so vielfältig, wie die Diskussion selbst: Die Begriffe „Schreibtischbremsen, Changemanagement, Medienkompetenz, Messbarkeit, Generationenkonflikt, Ausbildungskultur und up to date bleiben“ erscheinen auf der Leinwand – Es sind wichtige Impulse, die auf dem Weg zur digitalen Ausbildungsakademie bestimmt noch das eine oder andere Mal diskutiert werden.

 

  • Direktor Strategie und Fakultäten an der FüAkBw, Brigadegeneral Boris Nannt, legt bei Führungskräften besonders Wert darauf, dass sie sich als Entscheider, Berater und Gestalter einbringen. (Bundeswehr/Lene Bartel)

  • Mit verschiedenen Fragen zum Thema „Lernen und Führen von morgen“ fühlte Oberst i.G. Martin Simberg, Leiter des Ausbildungsprozessmanagements an der FüAkBw, den Anwesenden auf den Zahn. (Bundeswehr/Lene Bartel)

  • Das Gesagte wurde von Major Michael Strauch, Verantwortlicher für die Umsetzung des Innovationslabors, notiert. (Bundeswehr/Lene Bartel)

  • Eine lebhafte Diskussion wurde beim Ausbildungskongress zum Thema „Führen und Lernen“ geführt. (Bundeswehr/Lene Bartel)

  • Gespannt hören sich die Anwesenden die Argumente anderer Teilnehmer an, um dann ihre Gedanken dazu kundzutun. (Bundeswehr/Lene Bartel)

  • Die Ideen der Teilnehmenden wurden notiert. (Bundeswehr/Lene Bartel)

  • Die Führungsakademie der Bundeswehr präsentierte sich zudem mit einem Stand auf dem Ausbildungskongress. Für Fragen standen Oberstleutnant i.G. Markus Neske (links) und Oberstleutnant Matthias Engelke zur Verfügung. (Bundeswehr/Lene Bartel)

  • Was das Dezernat Persönlichkeitsentwicklung und Beratung genau macht, erklärte Oberstleutnant Matthias Engelke einer Besucherin. (Bundeswehr/Lene Bartel)

 Link zum Artikel (Aus)Bildungskongress der Bundeswehr 2019 – Ein Beispiel für gelungene streitkräftegemeinsame Zusammenarbeit

 

Autorin: Sophie Düsing 

 

Ein Stück Wertschätzung

 

 

Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Silberhorn besucht zum ersten Mal die Führungsakademie

 

Es ist der erste Besuch des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg und somit auch sein erster Eintrag in das Gästebuch. (Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

 

In der Rotunde des Manfred-Wörner-Zentrums heißt Oberst i.G. Frank Wasgindt, Leiter des internationalen Generalstabs- und Admiralstabsdienstes (LGAI), den Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Silberhorn willkommen. (Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

Ein gemeinsames Foto mit dem Parlamentarischen Staatssekretär wollen sich die internationalen Lehrgangsteilnehmenden nicht nehmen lassen. (Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

Mit einem Gastgeschenk – einer Flasche Wein - verabschiedet Korvettenkapitän Gunnar Lux (rechts), Lehrgangsteilnehmender des LGAN 2018, den Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Silberhorn. (Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

Zwei Personen, zwei Premieren, zweimal neue Erfahrungen: Für den einen war es der erste Besuch an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg überhaupt. Für den anderen war es die erste Rede vor einem Parlamentarischen Staatssekretär und Teilnehmenden des Lehrgangs Generalstabs- und Admiralstabsdienst National (LGAN), den deutschen Lehrgangsteilnehmenden des internationalen Generalstabs- und Admiralstabsdienstes (LGAI) sowie des Stammpersonals in der Rotunde des Manfred-Wörner-Zentrums. Die Rede ist zum einen von dem Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung Thomas Silberhorn und zum anderen von dem Korvettenkapitän Gunnar Lux, der ein Lehrgangsteilnehmender des LGAN 2018 ist. 

Besuch ist ein Highlight für Lehrgangsteilnehmenden

Vor einer Woche hat Korvettenkapitän Lux erfahren, dass er die einleitenden Worte bei der Veranstaltung sprechen darf. Es ist bereits gute Tradition an der Führungsakademie der Bundeswehr, den Gast vorzustellen. „Ich fühle mich geehrt, dass ich dafür ausgewählt wurde. Der Besuch ist ein Highlight“, sagt er. Schließlich haben Lehrgangsteilnehmende nicht täglich die Chance, eine Person aus der Leitungsebene zu sprechen. Was Thomas Silberhorn in seiner Rede sagen wird, weiß Lux in diesem Moment noch nicht, aber einen Wunsch hat er: Mehr über die Hintergründe zu den kostenlosen Bahnfahrten für Soldaten zu erfahren. 

Einsatzbereitschaft muss laut Silberhorn gegeben sein

Dann ist der Gast an der Reihe. Er zeigt den Anwesenden aktuelle Entwicklungen aus Sicht des Bundesministeriums der Verteidigung auf und beantwortet Fragen aus dem Zuschauerraum. Er macht keinen Hehl daraus, dass die Bundeswehr an der „Spitze der Sparbemühungen“ stehe. Doch für ihn steht fest:  „Die Bundeswehr muss ihre Aufgabe vollständig wahrnehmen können.“ Dafür ist seiner Meinung nach die materielle Einsatzbereitschaft – auch im Ausbildungs- und Übungsbereich – zwingend erforderlich. Staatssekretär Silberhorn spricht in diesem Zusammenhang bewusst von einer „Vollausstattung“ der Bundeswehr. Denn durch diesen Begriff soll jedem klar werden, was er damit meint: „Wir brauchen eine funktionsfähige Bundeswehr, sonst würde man sie nicht ernst nehmen.“ Zudem wendet er sich direkt an die zukünftigen Generäle und Admirale und schreibt der Schlüsselkompetenz „Menschen zu führen“ eine große Bedeutung zu. Denn auch wenn sich Einsatzszenarien verändern, der Umgang mit Menschen „kann nicht digitalisiert werden.“ Auch verschiedene Einsätze wie beispielsweise Afghanistan, Irak und Mali greift er in seiner Rede auf. Er spricht von Signalen, die durch die Hilfe der Bundeswehr gesetzt werden und die dabei helfen, „eine Einheit des jeweiligen Landes“ herzustellen und/oder zu halten.

Feldwebel und Unteroffiziere fehlen

Thomas Silberhorn geht ebenso auf die personelle Situation der Bundeswehr ein. So fehlen vor allem Feldwebel und Unteroffiziere. Dennoch sind die Bewerberzahlen gestiegen. Das Ziel ist es, von derzeit 183.000 Soldaten auf 203.000 Soldaten anzuwachsen, sagt er. „Die Richtung stimmt.“ Der Staatssekretär geht auf die „Agenda Rüstung“ ein, auf Gefechtshelme, Schutzwesten und Kampfstiefel, für die nun Geld bereitgestellt werde. „Große Vorhaben können nur gestartet werden, wenn auch an den kleinen Vorhaben gearbeitet wird“, ist sein Credo. Eine Priorisierung müsse stattfinden, denn „es wird immer weniger Geld da sein, als Wünsche vorhanden sind.“ Vor allem müssen Debatten angestoßen und klar formuliert werden, wofür das Geld benötigt wird. „Wenn meine Söhne nach mehr Taschengeld fragen, dann verweise ich erst einmal auf die Mama. Doch dann frage ich immer wofür sie das Geld brauchen“, erzählt Silberhorn. Die Bedeutung der Bundeswehr in der Gesellschaft muss hervorgehoben werden. So müsse die Öffentlichkeit mit der Bundeswehr mehr und mehr konfrontiert werden. Zudem müsse auf aktuelle, hybride Bedrohungen hingewiesen werden, um zu verdeutlichen, wie diese mithilfe von digitalen Medien versuchen, die Gesellschaft zu destabilisieren.

„Ein gutes Lagebild“

Ein Weg, um auf die Bundeswehr aufmerksam zu machen, sind öffentliche Gelöbnisse in allen 16 Bundesländern am 12.November 2019 und das kostenlose Bahnfahren für Soldaten in Uniform. Beides soll die Sichtbarkeit der Bundeswehr im öffentlichen Raum erhöhen, „ein Stück Wertschätzung“ geben. „Vor 20 Jahren wurde viel heftiger über die Bundeswehr diskutiert. Das freundliche Desinteresse stört mich viel mehr“, sagt der Staatssekretär. Bevor sich Thomas Silberhorn dann jedoch von den nationalen Lehrgangsteilnehmenden verabschiedet, beantwortet er noch ein paar Fragen. So interessiert sich ein Soldat für den strategischen Ansatz, wie die breite Öffentlichkeit noch mehr mit der Bundeswehr konfrontiert werden kann; ein anderer erkundigt sich danach, ob Deutschland ausreichend ausgerüstet ist für eine hybride Kriegsführung. Oder ob ein Sicherheitsrat notwendig wäre. Letzteres verneint der Staatssekretär. Die Bundesrepublik sei grundsätzlich handlungsfähig, jede Woche werde zum Thema getagt. „Ich freue mich, dass Thomas Silberhorn auf das Thema Bahnfahren näher eingegangen ist. Er hat uns ein gutes Lagebild gegeben“, sagt Korvettenkapitän Lux, der dem Parlamentarischen Staatssekretär noch eine Flasche Wein als Gastgeschenk seines Lehrganges überreicht.

 

Was die internationalen Lehrgangsteilnehmenden bewegt

Viele Fragen haben auch die internationalen Lehrgangsteilnehmenden des LGAI, die der Staatssekretär im Anschluss besucht. So erkundigt sich ein Soldat aus Singapur darüber, wie die Bundesregierung die Herausforderung des demografischen Wandels lösen möchte, ein Soldat aus Serbien interessiert sich für eine europäische Armee und ein Teilnehmender aus Japan fragt nach dem Zwei-Prozent-Ziel, das der amerikanische Präsident Donald Trump bei Rüstungsausgaben fordert. Viel Zeit nimmt sich der Parlamentarische Staatssekretär für die Beantwortung der Fragen. Es war auch hier eine offene Diskussion, die verdeutlicht hat, was die internationalen Lehrgangsteilnehmenden beschäftigt. 

 

 


Autorin: Sophie Düsing

 

Ehemalige LGAN-Teilnehmer an der spanischen Botschaft

 

Ehemalige LGAN-Teilnehmer an der spanischen Botschaft in Berlin

 

Der Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsoffizier National ist der Spitzenlehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr. Dazu werden nur die Besten eines Jahrgangs ausgewählt. Neben deutschen Offizieren werden durch das Bundesministerium der Verteidigung auch Offiziere aus anderen NATO- und ausgewählten Partnerstaaten zu dem zweijährigen Lehrgang nach Hamburg eingeladen. Oberst i.G. Ramón Farré Rebull, bis Sommer 2019 Verteidigungs-, Heeres- und Marineattaché in Berlin, Bern und Wien sowie sein Kollege Oberstleutnant i.G. Pedro Solbes Galiano, Luftwaffenattaché in Berlin, Bern und Wien, nahmen vor einigen Jahren an dem hochwertigen Lehrgang teil.

 

Oberst Farré und Oberstleutnant Solbes in ihrem Dienstzimmer in der spanischen Botschaft in Berlin. Oberst Farré Rebull ist bereits seit Juli 2019 zurück in seinem Heimatland. (Foto: Bundeswehr/Dr. Victoria Eicker)

 

Herr Oberst Farré, Sie besuchten den Lehrgang für Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN) im Jahr 2000 und waren bis 2002 in Hamburg. Wie war das damals?

Farré: Ich besuchte den LGAN von 2000 bis 2002. Damals unterschied man noch in die Teilstreitkräfte. Ich war im LGAN 43 Heer. Das bedeutete, dass ich drei Semester lang heerspezifisch unterrichtet wurde, ein Semester war streitkräftegemeinsam.

 

Herr Oberstleutnant Solbes, wie war das bei Ihnen?

Solbes: Ich habe den LGAN 7 in den Jahren 2010 bis 2012 absolviert. Damals hatten sie das System umgestellt und ich hatte den gesamten Lehrgang streitkräftegemeinsam.

 

Haben Sie zuvor den Generalstabslehrgang in Spanien besucht, Herr Farré?

Farré: Ich hatte in Spanien bereits den dortigen ebenfalls zweijährigen Generalstabslehrgang absolviert. Das war damals Voraussetzung. Heutzutage ist es keine Voraussetzung mehr. Herr Solbes hat ihn beispielsweise noch nicht absolviert. Zudem wurde er auf ein Jahr gekürzt – wie in vielen anderen europäischen Ländern.

Solbes: Das stimmt. Bei der Luftwaffe war das für mich keine Voraussetzung.

 

Hatten Sie denn deutsche Sprachkenntnisse?

Farré: Ich musste damals sowohl Sprachkenntnisse in Deutsch wie auch in Englisch nachweisen. Wir mussten sechs Monate nach Hürth zum Bundessprachenamt als Vorbereitung auf den LGAN in Hamburg, um die Sprache zu vertiefen und das militärische Vokabular zu lernen.

Solbes: Ich war zuvor ein Jahr in Hürth, um Deutsch zu lernen. In Spanien hatte ich mir schon Kenntnisse in einem Goethe-Institut angeeignet.

 

Wie war Ihre Zeit beim LGAN?

Solbes: Zunächst einmal: Es war ein großes Privileg am deutschen Generalstabslehrgang teilnehmen zu dürfen.

Farré: Für mich gibt es davor und danach in meiner militärischen Laufbahn. Mein Generalstabslehrgang in Spanien bezog sich nur auf das Heer. Streitkräftegemeinsam war damals noch nicht üblich. Wir hatten nur einen Monat am Ende der zwei Jahre, bei denen wir streitkräftegemeinsame Inhalte hatten. Auch die Führungsakademie hatte damals zwar noch keinen streitkräftegemeinsamen Lehrgang wie heutzutage, aber es war deutlich mehr Zeit – ein ganzes Semester. Und das war unheimlich bereichernd. Der Generalsstabslehrgang in Deutschland hat mein Denken komplett verändert.

 

Inwiefern?

Farré: Jetzt mal ganz salopp gesagt: Als wir in Spanien zum Generalstabslehrgang kamen, waren wir darauf vorbereitet zu leiden – wenig Zeit, sehr viel Stoff, harte Arbeit, viel Stress. Das klingt zunächst merkwürdig, aber als wir nach Hamburg kamen, haben wir uns auf eben das vorbereitet. Der Lehrgangsleiter hat uns dann aber alle überrascht. Er sagte: „Es ist schön, dass Sie bei uns an der Führungsakademie in Hamburg sind. Genießen Sie die zwei Jahre hier mit ihren Familien“. Mit dem Begriff „genießen“ hatten die meisten von uns nicht gerechnet. Aber das wir uns nicht falsch verstehen. Auch Hamburg war harte Arbeit. Es war aber ein ganz anderer Ansatz.

Solbes: Dem pflichte ich bei. Für uns war das erst einmal eine großartige Möglichkeit, Deutschland und seine Kultur kennenzulernen. Aber was Herr Farré mit dem anderen Ansatz meint, ist, dass man hier ermuntert wurde, zu denken, kritisch zu sein, zu hinterfragen und Ideen und konstruktive Beiträge zu leisten.

 

Was ist daran für Sie so besonders?

Farré: Wenn man etwas gern tut und mit Freude, dann geht man auch mit einem offenen Geist daran. Erinnern wir uns an das Leitmotiv der Akademie: mens agitat molem – der Geist bewegt die Materie. Wir sollten immer mit einem offenen Geist an der Sache arbeiten. Das wurde dort auch gelehrt. Der Lehrgangsleiter sagte, dass noch schwere Zeiten kommen werden, wenn wir erstmal im Generalstab sind. Jetzt aber sei es Zeit, den Geist anzuregen. Lernen und Denken, das war für uns ein neuer pädagogischer Ansatz.

 

Haben Sie denn viel gelernt beim LGAN?

Farré: Interessant und spannend waren für mich die Seminare mit den Schwerpunkten Führen, Management und Strategie. Das war neu und qualitativ sehr hochwertig. Freiheit des Denkens. Den Geist offen zu haben und zu halten, um über Sachen nachzudenken – das ist wirklich etwas, das ich dort gelernt habe.

 

Was haben Sie aus den beiden Jahren in Hamburg mitgenommen?

Farré: Es war vor allen Dingen der offene, kritische Geist, den wir aus Hamburg mitgebracht haben.

Solbes: Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Methode der Lehre. Während in anderen Ländern der Fokus auf Tests und Abschlussarbeiten liegt, ist der Fokus in Hamburg auf den Seminaren und der Partizipation. Simples Auswendiglernen genügt da nicht. Vieles wird hinterfragt und nicht als gegeben hingenommen. Das weckt diesen kritischen Geist. Das hat mich sehr beeindruckt.

 

Gab es denn auch Schwierigkeiten?

Farré: Was schwierig für uns war, war die Sprache. Gerade wenn so viel Wert auf den Diskurs gelegt wird, dann ist das sehr schwer, wenn der Diskurs nicht in der Muttersprache geführt wird. So waren unsere Beiträge manchmal etwas einfach, weil wir uns ab einer bestimmten Ebene einfach nicht mehr so gut ausdrücken konnten.

Solbes: Wir haben dort auch definitiv gelernt, demütig zu sein. Als ausländischer Lehrgangsteilnehmer muss man einen Schritt zurücktreten. Man kann nicht ebenso an den sehr hochwertigen Diskussionen teilnehmen wie ein Muttersprachler. Aber der Lehrgang und all die Mühe tragen irgendwann Früchte – insbesondere wenn man auf einen Posten kommt wie diesen hier. Hier merkt man welchen großen Wert es hatte, in Hamburg gewesen zu sein.

 

Können Sie das genauer erklären?

Farré: Es ist natürlich so, dass man heute das Land und die Strukturen der Bundeswehr kennt – auch wenn sie seit meinem Besuch des LGAN Transformationsprozesse durchlaufen hat. Und die Kontakte, die sind mit einem gewachsen und bilden heute belastbare und gute Berührungspunkte in viele Bereiche der Bundeswehr.

Solbes: Die Vernetzung ist ein ganz wertvoller Bestandteil – bei mir ist das ja auch noch teilstreitkräfteübergreifend. Die Tatsache, dass der LGAN streitkräftegemeinsam ist, ist ein immenser Fortschritt gewesen.

 

Warum ist die Führungsakademie auch eine wichtige Station für ausgewählte spanische Offiziere?

Solbes: Die interoperativen Austausche sind mittlerweile viel mehr als früher. Sie haben spanischen Piloten, die hier fliegen, deutsche Piloten, die den Eurofighter in Sevilla fliegen. Und das wird mehr werden. Deshalb ist es eine große Möglichkeit, dass Spanien Kandidaten nach Hamburg schicken kann.

 

Autorin Dr. Victoria Eicker

257 Kilometer in 20:24

 

257 Kilometer in 20:24 Stunden: LGAN 2018 absolviert Ragnar Wattenmeer-Lauf

 

257 Kilometer, fünf Läufer und ein Ziel. Ende August haben sich 110 Teams beim Reebok Ragnar Wattenmeer-Lauf von Hamburg nach St. Peter-Oerding gemessen. Mittendrin war ein Team des LGAN 2018. Bei Temperaturen von fast 30 Grad fiel am vergangenen Samstag, 31.August, um 10 Uhr der Startschuss. Über 30 Streckenabschnitte in unterschiedlicher Länge mussten die Teilnehmer absolvieren. Die Laufteams, die standardmäßig mit zehn Läufern oder zu fünft als Ultra-Team antraten, wurden gestaffelt ins Rennen geschickt - die langsameren Teams starteten zu Beginn und die schnelleren Teams zum Schluss.

 

Das Ultrateam des LGAN 2018 „Sportkameraden“ hat sich der Herausforderung gestellt (von links): Francois Strich, René Rieger, Norman Tauchnitz, Tobias Tiedau und Maik Seifert. (Foto: Bundeswehr/Major René Rieger)

 

LGAN räumt Teilnehmerfeld von hinten auf

Das Ultrateam des LGAN 2018 „Sportkameraden“ war 15 Uhr an der Reihe und somit in der letzten Startgruppe. Bereits nach den ersten Streckenabschnitten begannen die „Sportkameraden“ das Teilnehmerfeld von hinten aufzurollen, sodass das Ultra-Team gegen Mitternacht bereits die Hälfte der Teilnehmerteams eingeholt hatte. Dadurch beflügelt wurden weitere Reserven aktiviert und der Angriff auf die vorauslaufenden Teilnehmer weiter vorangetrieben. Mit Einsetzen des morgendlichen Tageslichtes kehrten bei allen auch das entspannte Lächeln zurück, als sie bemerkten, mit was für einer grandiosen Zeit sie bereits auf der Strecke sind. „Ich habe irgendwann den Überblick verloren, wie viele Teams wir bereits einkassiert haben, da wusste ich einfach, dass wir auf der Erfolgsspur sind“, äußerte sich der Team-Captain René Rieger im Anschluss des Wettkampfes. Der beeindruckenden Aufholjagt konnten sich am Ende nur zwei Teams entziehen, sodass die „Sportkameraden“ am Sonntag, 1.September, mit einer Laufzeit von 20:24:06 als drittes Team der Gesamtwertung und erstes Ultra-Team in St. Peter-Oerding über die Ziellinie liefen. Besonders die Witterungsverhältnisse während der Nacht forderten den Kampfeswillen der Läufer. Dunkelheit, Sturm und Regen sorgten für eine leichte Abwechslung.

Vier deutsche und ein französischer Teilnehmer

Das Ultra-Team der „Sportkameraden“, das nach jedem der 30 Streckenabschnitte den Läufer wechselte, setzte sich aus vier deutschen und einem französischen Teilnehmer des LGAN 2018 zusammen. Francois Strich eröffnete die Aufholjagt als Startläufer. Ihm folgten die Majore René Rieger, Norman Tauchnitz und Maik Seifert. Als Schlussläufer komplettierte Major Tobias Tiedau die Sportkameraden.

Im Zuge dieser öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung konnten die „Sportkameraden“ viele Fragen anderer Teilnehmer über die Bundeswehr beantworten und nebenbei den Respekt der anderen Teilnehmer genießen.

Autor: René Rieger

FüAkBw präsentiert Lehrgangsergebnisse erstmalig in Berlin

 

 

FüAkBw präsentiert Lehrgangsergebnisse erstmalig in Berlin (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

 

 

Die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) hat bei ihrer Ergebnispräsentation der Studienphase des Lehrgangs Generalstabs-/ Admiralstabsdienst National 2017 (LGAN 2017) die Führungsorganisation der Bundeswehr in Bezug auf Landes- und Bündnisverteidigung sowie die gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge zum Thema gemacht.

Link zum Artikel FüAkBw präsentiert Lehrgangsergebnisse erstmalig in Berlin

 

Experten diskutieren über gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge

 

 

Facettenreiche Panel-Debatten zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

 

 

Bei der Ergebnispräsentation des Lehrgangs Generalstabs- und Admiralstabsdienst National (LGAN) in Berlin entfaltete sich im Diskussionsteil der Veranstaltung eine facettenreiche Fachdebatte rund um das Oberthema gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge.

Link zum Artikel Facettenreiche Panel-Debatten zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge

 

Besuch der CUAUHTEMOC in Hamburg

 

 

Großes Kino im Hamburger Hafen

 

Mexikanisches Segelschulschiff CUAUHTEMOC beim Festmachen (Foto: Bundeswehr/Schulze)

 

Informationsbesuch der mexikanischen Schiffsbesatzung an der Führungsakademie (Foto: Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

Siegreiche Mannschaft der CUAUHTEMOC (Foto: Bundeswehr/Marie Kellermann)

 

 

 

 

Das mexikanische Segelschulschiff CUAUHTEMOK hat alle, die zur Begrüßung des Schiffes und der Besatzung an die Überseebrücke gekommen waren, in seinen Bann gezogen.

Das Besondere: Der Kapitän des Schiffes ist für die Angehörigen der Führungsakademie der Bundeswehr kein Unbekannter. Denn sein letzter Aufenthalt in der Blankeneser Clausewitz-Kaserne ist noch gar nicht so lang her.

Beim Einlaufen und Festmachen des Windjammers wehte eine riesige Landesflagge am Heck, Beflaggung über die Topen war gesetzt und die Besucher erfreuten sich bei mexikanischen Klängen über den beeindruckenden Anblick des Schiffes. In südamerikanischen Ländern ist es Tradition, dass die Decksmannschaft die jeweiligen Begrüßungs-Abordnungen des Gasthafens ihre ganz besondere Aufwartung macht. Hierzu verteilen sich die Matrosen und Kadetten während des Anlaufes in den Wanden und treten auf den Rahen an, um die Anwesenden zu begrüßen.

Wiedersehen an der Führungsakademie der Bundeswehr

Für Kapitän Carlos Gorraez Meraz ist es eine große Freude wieder in Hamburg zu sein. „Ich bin sehr stolz darauf, dass ich meiner Besatzung diesen wunderbaren Ort zeigen kann und sie das Flair dieser Stadt erleben können.“ Kapitän Meraz nahm 2015 an der internationalen General-/ Admiralstabsdienstausbildung (LGAI) teil, und verbrachte an der Führungsakademie „… eine spannende und lehrreiche Zeit. Dieser Lehrgang ist eine hervorragende Plattform für die internationale Verständigung und ist ein Eckpfeiler in jeder militärischen Karriere,“ so sein Urteil.

Im Verlauf der herzlichen Begrüßung an der Führungsakademie durch Oberst i.G. Frank Wasgindt, konnte es sich der Lehrgangsleiter des LGAI nicht verkneifen, in eigener Sache etwas „Nachwuchswerbung“ zu betreiben: „Bitte nehmen Sie sich ihren Kapitän zum Vorbild, um selbst eines Tages Lehrgangsteilnehmer an der Führungsakademie zu werden.“ Bisher haben schon 32 mexikanische Offiziere diese Ausbildung an der Akademie durchlaufen.

Nachdem die Besatzung über die Führungsakademie, den LGAI und über Marinetaktik informiert war, ging es vom Hörsaal auf den Rasen. Im Verlaufe des Fußballturniers wurde immer klarer, dass die Mannschaften der Führungsakademie und des örtlichen Fußballvereins Lurup, gegen die eingespielte Schiffs-Crew aus Mexiko nicht gewinnen konnte. So ließ sich leider nicht verhindern, dass der Siegerpokal, vorerst eine längere Schiffsreise zu überstehen hat, bevor es irgendwann zu einer Revanche kommen kann.

Der Traditionssegler ist seit Anfang März dieses Jahres unterwegs und hat in Deutschland bereits die Marinestützpunkte in Rostock zur Hanse Sail und Kiel besucht. Von Hamburg geht es am 29. August, für Schiff und Besatzung über Häfen in Irland und Spanien zurück über den Atlantik nach Südamerika. Nach einer erlebnisreichen, achtmonatigen Reise, wird das Schulschiff Mitte November, von seinem Heimathafen Acapulco und den Familien und Freunden erwartet.

Wir wünschen der Crew und dem Schiff eine sichere Heimreise und stets eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Tschüss „CUAUTHEMOC“!

 

 

Die CUAUHTEMOK kann bis zu 270 Besatzungsmitglieder an Bord nehmen. Sie ist eine 90 Meter lange und 12 Meter breite Drei-Mast-Bark, mit einer Segelfläche von 2368 Quadratmeter. Das nach einem aztekischem Herrscher benannte Segelschulschiff ist das Flaggschiff der Mexikanischen Marine und als Botschafter seines Landes auf allen Weltmeeren unterwegs. Sie wurde 1982 in Dienst gestellt.

 

Wie läuft ein Besuch von Marineschiffen befreundeter Nationen ab?

Für Besuche internationaler Marineschiffe in Hamburg ist das Landeskommando Hamburg die verantwortliche Stelle. Deren Protokollabteilung spricht bereits im Vorfeld mit der jeweiligen Botschaft und der Besatzung den Besuch und die Programmpunkte ab. Sie übernimmt mit den Verantwortlichen der Stadt Hamburg die Begrüßung und Verabschiedung des Schiffes, begleitet die Besatzung während ihres Aufenthaltes und ist erster Ansprechpartner für Kapitän und Crew vor Ort. Neben Empfängen, Stadtführungen und Besichtigungen verbringen die Besatzungen auch Zeit an den verschiedenen Hamburger Dienststellen der Bundeswehr, um sich über deren Aufgaben zu informieren und um sich mit den Bundeswehrangehörigen auszutauschen.

 

Link zu Artikel Begrüßung LGAI

 

Autor: Claus Rosenbusch

 

Begrüßung am 22. August 2019

 

 

Es wird wieder bunt an der Akademie!

 

Generalmajor Oliver Kohl begrüßt die Lehrgangsteilnehmer und ihre Familien des neuen LGAI. (Foto: Bundeswehr/Michael Gundelach)

 

 

Empfang der nationalen und internationalen Lehrgangsteilnehmer und ihren Familien an der Führungsakademie in Hamburg. (Foto: Bundeswehr/Michael Gundelach)

 

Beim Empfang lernten die internationalen Lehrgangsteilnehmer und ihre Familien ihre Paten kennen, die sie während ihres Aufenthaltes an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg begleiten. (Foto: Bundeswehr/Michael Gundelach)

 

78 neue Lehrgangsteilnehmer starten in diesem Jahr im Lehrgang LGAI an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. (Bilder: Bundeswehr / Michael Gundelach)

 

Der Lehrgang für Generalstabs-/Admiralstabsdienst International an der Führungsakademie der Bundeswehr beginnt jedes Jahr im August. Auch dieses Jahr. 35 Nationen sind 2019/2020 zu Gast an der Elbe. Mitte August begrüßte der Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl, 59 internationale und 19 deutsche Lehrgangsteilnehmer zum neuen LGAI in der Clausewitz-Kaserne.

Der Lehrgang für Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI) ist ein Instrument der militärischen Ausbildungshilfe und für Nicht-NATO- und Nicht-EU-Länder konzipiert. Der LGAI hat die Dauer von einem Jahr. In diesem Jahr bekommen die internationalen Offiziere aus nahezu allen Kontinenten der Welt einen Überblick über die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie die Struktur und die Aufgaben der Bundeswehr.

Neben den internationalen Lehrgangsteilnehmern besuchen auch immer deutsche Offiziere den LGAI. Sie sind zum einen selbst Teilnehmer des Lehrgangs, zum anderen sind sie Mentoren und Projektoffiziere unter anderem für die Lehrgangsreisen oder besondere länderbezogene Themenabenden. Einer dieser Mentoren ist Oberstleutnant Pasqual Barheier. „Wir haben bis zu drei internationale Lehrgangsteilnehmer, für die wir als Mentoren fungieren. Wir unterstützen sie in allen Fragen rund um den Lehrgang, also alle militärischen Fachfragen“, erklärt er.

Patenschaften der Hamburger Gesellschaft

Der Lehrgangsleiter, Oberst i.G. Frank Wasgindt, freut sich auf seinen Lehrgang: „Es ist immer neu und anders. Dieses Jahr haben wir wieder Offiziere aus China, Japan und Uruguay dabei. Die Kombination aus 35 unterschiedlichen Nationen, Kulturen, Erfahrungen macht die Arbeit hier unglaublich spannend.“ Erstmals sind auch sehr viele internationale Lehrgangsteilnehmer mit ihren Familien da. 16 Offizier haben ihre Familien mitgenommen, 42 Kinder bereichern für ein Jahr die Hansestadt. Daher fanden sich zwischen den zahlreichen Offizieren in ihren landestypischen Uniformen auch vielen Hanseatinnen und Hanseaten. Seit Jahren ist es Brauch, dass Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt eine Patenschaft für einen internationalen Offizier übernehmen. „Die Paten führen die internationalen Gäste in die Hamburger und auch deutschen Gepflogenheiten ein“, erklärt Oberst Wasgindt: Er zeigt sich beeindruckt von dem tatkräftigen Engagement vieler Blankeneser und Hamburger Familien.

Eine der Paten ist Caroline Hopp mit ihrer Familie. Sie hat die Patenschaft von ihren Eltern übernommen. Insgesamt übernimmt die Familie schon seit mehr als 30 Jahren Patenschaften. „Ich bin in meiner Kindheit damit aufgewachsen, dass wir oft internationale Gäste bei uns hatten. Auch an Weihnachten. Mich hat das immer sehr beeindruckt“, erzählt sie. Irgendwann hat sie mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen selber eine Patenschaft übernommen. „Man erfährt dadurch sehr viel von der Kultur des anderen. Das ist sehr bereichernd“, erzählt die Blankeneserin.

Königsberger Klopse und Tuckerfahrten

„Wir versuchen, den Offizieren und ihren Familien Blankenese und Hamburg zu zeigen – ganz ungezwungen. Mindestens einmal koche ich Königsberger Klopse für unseren Gast. Das Rezept habe ich von meinen Eltern aus Ostpreußen“, sagt ihr Mann, Thimo Hopp, lächelnd „oder wir machen eine kleine Tour mit unserem Tuckerboot auf der Elbe.“ Ihr neuer Schützling, Oberstleutnant José Escamilla Novelo, hört gespannt zu.

Der Luftwaffenoffizier kommt aus Mexiko. Dass Frau Hopp fließend Spanisch spricht, ist für den Mexikaner trotz eines einjährigen Sprachaufenthalts am Bundessprachenamt in Hürth hilfreich. Für Escamilla ist es das erste Mal, dass er Deutschland besucht. Es ist aber bereits sein dritter Generalstabslehrgang –er hat bereits einen in Mexiko und einen in China absolviert. „Ich freue mich insbesondere auf die militärischen Übungen, die wir während des Lehrgangs absolvieren werden. Dort lerne ich am besten die deutschen Aspekte der militärischen Lehre.“ Gleichzeitig unterhält er sich angeregt mit seinen neuen „Paten“. Es wartet ein spannendes Jahr auf ihn.

 

 

 

 

 

 

 


Autorin: Victoria Eicker

 

Frei denken!

 

 

Frei denken!

Junge Köpfe, ein Think Tank und eine Reise nach Berlin

 

Der Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National 2017 an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Während des zweijährigen Lehrganges wird ein Überblick über das Gesamtsystem Bundeswehr vermittelt (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Die Lehrgangsteilnehmenden kommen mit ihrer Fachkenntnis an die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg und erweitern ihr Wissen (Foto: Bundeswehr/Michael Gundelach)

 

 

 

 

95 Offiziere des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst National reisen Ende August nach Berlin. Zwei Jahre intensive Zeit des Lernens liegt hinter ihnen. Eine gemeinsame, lehrgangsbegleitende Studienphase auch. Thema: Die Führungsorganisation der Bundeswehr im Kontext von Landes- und Bündnisverteidigung . Die Ergebnisse werden nun in Berlin vorgestellt und die Kernbotschaften dem Generalinspekteur der Bundeswehr übergeben.

 

Der Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN) ist der zweijährige Spitzenlehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Hier wird das angehende Führungspersonal der deutschen Streitkräfte aus- und weitergebildet. Der LGAN gehört zu den längsten und auch vor allem anspruchsvollsten Lehrgängen an der Führungsakademie – der höchsten militärischen Ausbildungsstätte in Deutschland. Zur Teilnahme am LGAN werden nur die Besten eines Jahrgangs ausgewählt, zudem werden durch das Bundesministerium der Verteidigung auch Offiziere aus anderen NATO- und ausgewählten Partnerstaaten eingeladen. Zwei Jahre wird ihre militärische Fachexpertise geschult, werden sie auf Reisen weitergebildet und in zahlreichen Übungen für künftige Posten im Ministerium, in der NATO oder in Europa vorbereitet.

Während dieser Zeit sind die Lehrgangsteilnehmenden mit ihrer Expertise und ihrem Wissen seit neuestem zugleich auch Teil der Denkfabrik, deren Kern das „German Institute for Defence and Strategic Studies“ (GIDS) bildet. Das GIDS ist eine Kooperation zwischen der Führungsakademie und der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Seit mehr als vier Jahren betreiben Führungsakademie und Helmut-Schmidt-Universität den gemeinsam verantworteten Studiengang „Militärische Führung und Internationale Sicherheit“ (MFIS) – Herzstück und Motor des GIDS. Beide Institutionen schöpfen so auf vielfältige Weise Expertise, Wissen und Forschung für das GIDS: zum wechselseitigen Nutzen und mit zunehmend sichtbaren Ergebnissen.

Neu: Lehrgangsbegleitende Studienphase

Der LGAN 2017, der Ende August in Berlin seine Ergebnisse vorstellt, betritt, was die Studienphase angeht, Neuland. Bisher war es üblich, dass jeder LGAN am Ende seiner Ausbildung eine Studienphase zu einem bestimmten Thema durchführt und im Anschluss die Ergebnisse der Bundeswehrführung vorstellt. „Durch die Vorgaben der ehemaligen Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen, die Lehre an der Führungsakademie weiterzuentwickeln und die Akademie durch das GIDS als Denkfabrik zu etablieren, wurde auch die Studienphase weiterentwickelt“, erklärt der Lehrgangsleiter Oberst i.G. Lars Gehlhaar.

Das bedeutet: Erstmalig fand die Studienphase lehrgangsbegleitend statt. Ziel ist es, mit den gebündelten Ergebnissen eines Themas zur strategischen Beratung des Verteidigungsministeriums und der Bundesregierung beizutragen. „Das Thema wurde dem Lehrgang durch den Generalinspekteur der Bundeswehr vorgegeben. Er sagte ausdrücklich: Denken Sie frei, ohne Grenzen! Mut zum Diskurs! Das hat der Lehrgang getan“, sagt Gehlhaar.

Neue Bedrohungen

Der Projektoffizier im Lehrgang, Major Eckner, erinnert sich: „Wir wurden im März 2018 mit der Bearbeitung des Themas beauftragt. Welchen Herausforderungen sieht sich die Führungsorganisation gegenüber? Wir sollten uns dabei auf die veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen, nämlich die Gleichrangigkeit und die Gleichzeitigkeit von internationalem Krisenmanagement und Landes- und Bündnisverteidigung, konzentrieren.“

Was bedeuten neue Bedrohungsszenarien wie Terrorismus, Cyberangriffe, hybride Bedrohungen und die Schutzbedürftigkeit kritischer Infrastruktur für die Bundeswehr und die Bundesregierung? Was passiert, wenn ein NATO-Partner angegriffen und der Bündnisfall ausgerufen wird? Was ist, wenn es einen Angriff auf unsere kritische Infrastruktur gibt und beispielsweise das Bankennetz zusammenbricht? Sind wir vorbereitet auf derartige Szenarien?

Komplexes Thema

Das Thema ist komplex. Die sicherheitspolitische Lage erfordert internationales Krisenmanagement und Landes- und Bündnisverteidigung gleichzeitig und gleichrangig zu gewährleisten. Das ist eine enorme Herausforderung – nicht nur, aber eben auch für die Bundeswehr. Das Projektteam des LGAN hat bei einer Vielzahl von Gesprächen mit zentralen Akteuren auf Bundes- und Landesebene ein umfassendes Bild über deren Überlegungen gewonnen, um Ableitungen für eine Führungsorganisation zu folgern.

Nun, Ende August, werden die Ergebnisse vorgestellt – erstmalig in Berlin. Erstmalig werden sie auch an zwei Tagen vorgestellt. Während der erste Tag die militärischen Führungsebenen und Verantwortlichkeiten betrachtet und somit den Fokus auf die Führungsorganisation der Bundeswehr legt, holt der zweite Tag weiter aus. Hier geht es auch um gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge bei hybriden Bedrohungen und den Schutz kritischer Infrastruktur in einem länder- und ressortübergreifenden Ansatz. Daher sind erstmals auch andere Bundesressorts, -länder, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben geladen. Die Teilnehmerliste ist lang. Unter einer Vielzahl von hochrangigen Gästen haben sich unter anderem der deutsche Botschafter bei den Vereinten Nationen und der Innenminister aus Mecklenburg-Vorpommern angekündigt.

Gelebter Think Tank

Oberst i.G. Prof. Dr. Matthias Rogg, Vorstand des GIDS, sieht die Neustrukturierung der Studienphase im LGAN auch als große Chance für das GIDS: „Wir entwickeln uns schrittweise zu einem lebendigen Think Tank. Früher sind die Ergebnisse der Studienphase in Schubladen verschwunden. Jetzt wollen wir sie sichtbar und nutzbar machen und dazu unter anderem unsere Formate im GIDS nutzen.“ So werden die Ergebnisse im Anschluss durch das GIDS veröffentlicht. Aus den Untersuchungen haben sich Empfehlungen für die Bundeswehrführung herauskristallisiert. „Wir haben einige Kernbotschaften, die wir dem Generalinspekteur der Bundeswehr übergeben werden. Die betreffen nicht nur das Ministerium, sondern auch die ressort- und länderübergreifende Zusammenarbeit“, erklärt Eckner. Ganz im Sinne einer Denkfabrik: Mut zum Diskurs auf der Basis von Forschung und kritischer Beratung.

"Das ist natürlich alles noch im Prozess der Entwicklung. Aber Ziel ist es, dass sich die Führungsakademie mit ihrer militärfachlichen Expertise eng mit dem GIDS verzahnt. Denn letztlich sind all die Lehrgangsteilnehmenden an der Führungsakademie zusammen mit den Studierenden der Helmut-Schmidt-Universität, die den gemeinsamen Studiengang MFIS besuchen, Teil der Denkfabrik. Auf diesem kreativen Miteinander fußt alles“, erklärt GIDS-Vorstand Rogg. Der Lehrgangsleiter Gehlhaar ergänzt hier: „Wir sind der erste Lehrgang, der mit dem GIDS zusammengearbeitet hat. Wir haben viel gelernt, was es nun in folgenden Lehrgängen zu implementieren gilt.“ Der erste Schritt sei getan. Und es sei ein guter Schritt, auf dem man weiter aufbauen kann.

 

 


Autorin: Victoria Eicker

Ehemaliger LGAI-Teilnehmer im Interview

 

 

Ehemaliger LGAI-Teilnehmer im Interview

 

Flottillenadmiral Abbas Lafta Aoda war 2006 an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg und besuchte den Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI). Heute ist der Marineoffizier Militärattaché der Botschaft der Republik Irak in Berlin. Seine Deutschkenntnisse und sein umfangreiches Netzwerk sind ihm bei dieser herausfordernden Aufgabe eine große Hilfe.

 

Militärattaché Aoda nahm sich in der irakischen Botschaft in Berlin Zeit für die Fragen der Führungsakademie. (Foto: Bundeswehr/Dr. Victoria Eicker)

 

 

Sehr geehrter Herr Flottillenadmiral Aoda. Sie sind derzeit irakischer Militärattaché in Berlin. Seit wann und wie lange?

Ich bin seit Anfang August 2018 in Berlin. Theoretisch bleibe ich drei Jahre. Aber das ist schwer zu sagen. Das wird alles im Verteidigungsministerium entschieden. In Berlin hatten wir seit zwei Jahren keinen Militärattaché. Ich habe sehr viel Arbeit. Es gibt im Irak nicht sehr viele Offiziere mit Deutschkenntnissen. Das hat mir natürlich sehr geholfen, diesen Posten zu bekommen. Bevor ich nach Deutschland kam, war ich Kommandeur der irakischen Marineakademie – sie ist in Basra. Irak hat nur eine kleine Küste, aber die Marine ist sehr aktiv.

 

Wann waren Sie an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg?

Ich habe im Jahr 2006 den Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International besucht. Zuvor war ich ein Jahr lang am Bundessprachenamt in Hürth und habe zunächst die deutsche Sprache gelernt. Das war wirklich ein neues Erlebnis für mich. Ich kam damals ohne Familie und hatte vorher keine Ahnung von Deutsch. Die Sprache war sehr schwer für mich – es ist ein ganz anderes Buchstabensystem.

 

Kamen Sie allein aus dem Irak?

Wir waren fünf Offiziere aus dem Irak, die zunächst an dem Sprachlehrgang teilnahmen. Ich war Angehöriger der Marine, drei Kameraden kamen vom Heer und einer von der Luftwaffe. Ich habe meinen Sprachlehrgang bestanden. Dann ging es gemeinsam mit zwei weiteren Kameraden an die Führungsakademie der Bundeswehr.

 

Sie haben im Sommer 2006 Ihren Lehrgang in Hamburg begonnen. Wie war das?

Ich war im Hörsaal Marine. Dort waren wir insgesamt zwölf Offiziere. Drei Deutsche und neun Internationale aus Aserbaidschan, Bangladesch, China, Südkorea, Südafrika, Serbien, Albanien und der Ukraine. Das waren sehr viele verschiedene Kulturen. Für mich war das neu. Aber es war unheimlich bereichernd, wir haben viel voneinander gelernt.

 

Wie war der Lehrgang denn insgesamt für Sie?

Der Lehrgang war sehr gut organisiert. Wir haben Seminare besucht, Übungen und Reisen gemacht – das war eine tolle Zeit. Wir haben zum Beispiel sehr viel über deutsche Außen- und Sicherheitspolitik gelernt, aber auch wie die deutschen Streitkräfte aufgebaut sind und welche Struktur und Aufgaben sie haben. Auf der militärischen Seite haben wie gelernt, wie man eine Operation plant. Das war eine gute Verflechtung zwischen Theorie und Praxis.

 

Hat Ihnen der LGAI etwas für Ihre weitere Laufbahn im Irak gebracht?

Nach meinem Aufenthalt in Deutschland habe ich als Dozent am irakischen Joint Staff College in Bagdad gearbeitet. Somit war alles, was ich in Deutschland gelernt hatte, sehr nützlich für mich. Ich habe damals ein Buch über die Planung von Seeoperationen ins Arabische übersetzt. Das Buch wird bis heute am Joint Staff College genutzt. Kurzum: Das, was ich in Deutschland gelernt habe, habe ich meinen Schülern beigebracht.

 

Haben Sie auch außerhalb der Akademie Menschen kennenlernen können?

Ja, in der Tat. An einem Tag im Dezember lief ich mit einem Kameraden aus China an der Elbe entlang. Wir trafen einen Bekannten des Chinesen. Mein chinesischer Kamerad stellte mich vor. Der Mann fragte mich, wo ich Weihnachten feiern werde. Da sagte ich ihm, auf dem Zimmer. Allein. Der Mann aber sagte, das dürfe in Deutschland nicht sein und lud mich ein. So feierte ich Weihnachten mit seiner Familie, das war die Familie Thümer. Das war für mich unglaublich schön. Der Kontakt ist bis heute geblieben. Dieses Weihnachten 2018 habe ich mit meinem Sohn und meiner Frau bei eben dieser Familie verbracht. Zudem haben wir über den Freundeskreis ausländischer Offiziere an der Führungsakademie auch viel in Hamburg kennengelernt: zum Beispiel einen Ausflug an der Elbe oder der Besuch des Musicals Mamma Mia. Zudem war ich zu meiner Zeit in der Akademie das „Patenkind“ von Herrn Hob, der mir in vielerlei Hinsicht geholfen hat und mich betreut hat.

 

Was war für Sie das Wichtigste beim LGAI?

Die multinationalen Kontakte, die ich dort geknüpft habe, nutze ich bis heute. Also neben all dem Wissen, das man dort erwerben konnte, und der Erfahrung, in einem anderen Land zu leben, sind die Kontakte, die man schließen konnte, sehr viel wert.

 

Was haben Sie von den Deutschen gelernt?

Pünktlichkeit! Das ist definitiv ein Wert, den ich schätzen gelernt habe. Außerdem machen die Deutschen nichts ohne Plan. Auch das habe ich schätzen gelernt. Witzigerweise hat mein Dozent in seiner Beurteilung über mich geschrieben: Er ist immer geradeaus und ernst. Meine Kameraden aus Deutschland haben scherzhaft gesagt, dass ich schon ein halber Deutscher sei.

 

Sie waren zwei Jahre in Deutschland. Wie haben Sie das mit Ihrer Familie gemacht? War sie mit?

Nein. Ich konnte nach meiner Sprachausbildung leider nicht nach Hause fliegen. Ich habe damals zwei Jahre lang meine Familie nicht gesehen. Das war eine sehr schwere Zeit für uns. Der Größte war etwa zehn Jahre alt, der Kleinste kaum drei Jahre alt. Jetzt ist der Kleine mit uns hier in Deutschland und besucht das Gymnasium.

 

 

Autorin: Dr. Victoria Eicker

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Die Führungsakademie der Bundeswehr bietet ihren Lehrgangsteilnehmern in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität einen international anerkannten Masterabschluss:

„Militärische Führung und Internationale Sicherheit“