Alumni

Die Führungsakademie der Bundeswehr ist traditionell international stark vernetzt. Weltweite Kooperationen sind die Basis unseres Beitrages zur Völkerverständigung.

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Lehrdeputat

An der Führungsakademie der Bundeswehr bringen Spitzenführungskräfte aus allen Bereichen der Streitkräfte ihre Expertise in unterschiedlichen Formaten in die Lehre ein.

Zur Veranstaltung

Master: MFIS

Die Führungsakademie der Bundeswehr bietet ihren Lehrgangsteilnehmern in Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität einen international anerkannten Masterabschluss:

„Militärische Führung und Internationale Sicherheit“

GIDS

Das German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS – untersucht geostrategische, sicherheitsrelevante Fragestellungen unserer Zeit. 

Mehr zum GIDS

Veränderung - (k)ein Schreckgespenst?

Autor: Kim Strunk; Fotos: FüAkBw

Hamburg, 18.10.2018

„Veränderungsmangement – Serious Gaming“, ein interaktives Planspiel

Modelle im Realitätscheck

Veränderungen sind allgegenwärtig und können auf den Einzelnen bedrohlich wirken. Wer Wandel erfolgreich gestalten will, muss Betroffene im Veränderungsprozess mitnehmen, überzeugen und einbinden. Veränderungsmanagement ist dabei keine „Blackbox“. Führungskräfte können lernen, Veränderungen zielgerichtet zu steuern, zu unterstützen und zum Erfolg zu führen. Das Seminar "Veränderungsmanagement in der Bundeswehr (VMBw)" an der Führungsakademie der Bundeswehr steht dazu zivilen und militärischen Managern offen.
Für Führungskräfte ist es eine Herausforderung, Mitarbeitende nach der ersten und manchmal impulsiven Schock-Reaktion aufzubauen, für die Veränderung zu sensibilisieren und in diese einzubinden. Mitte September stellten sich unterschiedliche zivile und militärische Führungskräfte dieser Herausforderung und bildeten sich mit dem Seminar VMBw weiter.

Ein Werkzeugkoffer für Veränderungen

Das Veränderungsmanagement in der Bundeswehr betrifft nahezu jede Dienststelle. Das Seminar bietet dabei einen Einstieg in die Thematik und praktische Hilfestellungen. Das Modul schafft zunächst eine gemeinsame Basis und „Abholpunkte“: Wie reagieren Menschen auf Veränderungen? Wie entwickeln sich Reaktionen auf der Zeitschiene? Was ist Veränderungsmanagement und wie ist das Vorgehen bei Veränderung?
Ein interaktives Planspiel in Gruppen von jeweils fünf bis sechs Teilnehmern begleitet die theoretischen Inhalte. Dabei gestaltet die Gruppe einen komplexen Veränderungsprozess durch Entscheidungen. Diese fallen nicht immer leicht. Unterschiedliche Standpunkte und Sichten auf die Situation sensibilisieren für individuelle Unterschiede. Der spielerische Ehrgeiz schweißt die Gruppen zusammen. Das Planspiel macht Veränderung erlebbar und bietet den Teilnehmenden eine ausgezeichnete Möglichkeit, das Gelernte unmittelbar anzuwenden.

Unterschiedliche Perspektiven

Gastdozenten ergänzen und bereichern die Seminarinhalte. Dieses Mal gab Marcus Tatulinski, Kapitänleutnant der Reserve und Experte für Psychologie, einen Einblick in neurologische Funktionsweisen des Gehirns und erklärte kurzweilig, wie Menschen Informationen aufnehmen, verarbeiten und mit Veränderung grundsätzlich umgehen. Kim Strunk, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Passau, bot Einblicke in ein aktuelles Forschungsprojekt der Universität. Dieses untersucht die Konflikte, Spannungen und unterschiedlichen Motivationen bei der Einführung von "Mindfulness"* in Unternehmen. Der Unternehmensberater Stefan Rausch zeigte am Beispiel eines DAX-Unternehmens, wie Veränderungsprojekte in der Wirtschaft verlaufen und wie dort Maßnahmen der Führungskräfte zum Erfolg führen können.

Theorie und Praxis

Der Erfahrungsaustausch steht gemeinsam mit den Unterrichtseinheiten zu theoretischen Hintergründen und Modellen im Mittelpunkt des Seminars. Die Teilnehmenden verfügen über umfangreiche persönliche und berufliche Erfahrungen mit Veränderungen und bringen diese in die Diskussion ein. „Ziel ist es, nicht nur Modelle zu vermitteln, sondern auch den Kontext zu hinterfragen und die Eignung der Modelle einschätzen zu können", sagen die Seminarleiter, Oberstleutnant Reinhard Beckmann und Hauptmann Thorsten Fischer. ,,Dazu bilden wir gezielt heterogene Arbeitsgruppen, um von unterschiedliche Meinungen, Sichten und Erfahrungen zu profitieren“, so die Seminarleiter weiter.

Es braucht Verständnis und Einsatz

Veränderungsmanagement ist keine unlösbare Aufgabe und kann erfolgreich gelernt werden. Hierfür braucht es insbesondere Empathie, Kommunikationsvermögen und ein entsprechendes Grundwissen in Methoden. Veränderungsmanagement ist immer mehr als eine zusätzliche Nebenaufgabe, um Veränderungen erfolgreich zu gestalten und die Menschen mitzunehmen.


* Eine erste Erläuterung zur Einführung von „Mindfulness“ in Unternehmen finden Sie zum Beispiel hier.

 

 

 

 

 

 

Aktuelles

NATO-Mitglied Großbritannien reagiert auf den Klimawandel

Autor: Wolf Achim Wiegand (The European - Das Debatten-Magazin); Fotos: Lene Bartel / Bundeswehr

Hamburg, 16.10.2018

Der Einfluss von Vulkanismus auf den Klimawandel ist umstritten

Internationale Tagung des German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw)  im September 2018

Globale Erwärmung: 12 der 14 wärmsten Jahre, die seit 1850 beobachtet wurden, traten seit dem Jahr 2000 auf

Die Teilnehmer der internationalen Tagung ,,Kritische Infrastrukturen und Klimawandel" an der FüAkBw


Das einst ewige Eis schmilzt, Gletscher schrumpfen

 

 

Die Veröffentlichung des folgenden Beitrags erfolgt mit Genehmigung von The European (WEIMER MEDIA GROUP GmbH, München).

Der Weltklimarat IPCC hat dieser Tage in einem politischen Weckruf an die Weltöffentlichkeit appelliert, schnell und umfassend gegen den Klimawandel vorzugehen. Die globale Erwärmung auf 1,5 Grad erfordere „rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft." Aber was bedeutet das?
Das Thema ist indessen auch beim Militär angekommen, das durch Dürre, Stürme oder Überschwemmungen vor neuen Herausforderungen steht.

Als der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson kürzlich den Befehl erteilte, Spezialtruppen Ihrer Majestät Elizabeth II. künftig gemeinsam mit Truppen aus Norwegen in regelmäßige „Kaltwettermanöver“ zu schicken, sah das zunächst wie ein normaler Einsatzbefehl aus. Der Westen dulde in arktischen Gebieten, “in unserem Hinterhof”, keine Bedrohungen aus Russland, sagte der konservative Politiker und gelernte Sozialwissenschaftler. Die verstärkte russische U-Bootpräsenz an und unter der Eisdecke müsse beantwortet werden, ebenso die Reaktivierung zahlreicher Stützpunkte aus der Sowjetzeit.

Schaut man genauer hin, dann wird klar, dass NATO-Mitglied Großbritannien auf einen ganz neuen Feind reagiert: den Klimawandel. Die Mobilisierung Londons wäre ohne Erderwärmung so nicht denkbar. Denn seit die Arktis zu schmelzen begonnen hat, ist in dem abgelegenen Gebiet ein Rattenschwanz von Folgewirkungen entstanden. So wurden neue Seewege frei gelegt, die bislang durch “ewiges” Eis unpassierbar waren.Moskau hat schon vor Jahren erkannt, dass nun der Zugang zu lukrativen Bodenschätzen erleichtert wird: Erdöl, Gas und Mineralien. Diesen schlummernden Reichtum will der Kreml sichern. Aber auch der Westen meldet Ansprüche an, will Einfluss auf die künftigen Abbaugebiete und Abtransportrouten haben.

Auch anderswo auf dem Erdball treibt Strategen die Frage um, ob geografische Veränderungen zur See und an Land sowie mehr extreme Wetterphänomene neue militärische Lageeinschätzungen erfordern. Ergeben sich bislang unbekannte Bedrohungen? Wird es eine Zunahme an Kriegen und Migrationsbewegungen geben? Wie wird die Welt aussehen, in der Soldaten kämpfen sollen?

NATO erwartet militärische Spannungen

Die NATO hat den Klimawandel erstmals 2009 als Sicherheitsbedrohung anerkannt. Der damalige Generalsekretär des westlichen Militärbündnisses, Anders Fogh Rasmussen, warnte vor zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Anforderungen an Streitkräfte. Vor dem Hintergrund von Putins Arktispolitik sagte er, auf der nördlichen Polkappe könne es „verstärkte Nervosität inklusive militärischer Spannungen" geben.

Bei der Bundeswehr steht das Thema Klimawandel seit 2012 auf dem Plan. In seiner Studie “Umweltdimensionen von Sicherheit” warnt das Planungsamt der deutschen Streitkräfte vor erheblichen sicherheitspolitischen Risiken, sollte sich der Klimawandel mit Dürren, Fluten und Stürmen ungebremst entfalten. Das könne „destabilisierend auf die sich transformierenden Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas wirken“, hieß es damals noch unbeeinflusst von der heutigen Krise um massenhaft flüchtende Menschen aus Afrika.

Für Europa liegen die klimagefährdeten Gebiete vor der Haustür. Unser südlicher Nachbar Afrika verzeichnet in den vergangenen 25 Jahren eine Verdoppelung der Anzahl wetterbedingter Katastrophen wie Überschwemmungen und Dürren. Millionen Menschen haben den Wunsch, ihr Leben anderswo neu zu gestalten. Verteilungskonflikte sind damit programmiert, inklusive Radikalisierung und Waffengewalt bis hin zum Militäreinsatz.

Südamerika trainiert Soldaten für Klimawandel

So drängend ist das Thema Klimawandel und Militär inzwischen, dass die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg kürzlich eine internationale Tagung zum Thema durchführte. Hauptreferenten waren Militärs aus Argentinien, Brasilien, Chile und Peru. Die Streitkräfte am Südzipfel des amerikanischen Doppelkontinents beschäftigen sich als Betroffene seit Längerem konkret mit der Erderwärmung. Sie sind eng in den Katastrophenschutz eingebunden und behandeln den Klimawandel in der Offiziersausbildung.

Aus Peru wurde berichtet, zwei Drittel aller Katastrophen in dem südamerikanischen Land seien Folge von Klimaereignissen. Im Anden-Gebirge peinigen Erdbeben die Menschen, aber auch Schlammlawinen, die nach heftigem Regen ungezählte Existenzen wegreißen und unter sich begraben. Vor der Küste wirkt El Niño, das Phänomen veränderter Strömungen im äquatorialen Pazifik, das regelmäßig Algen absterben lässt, die peruanische Anchovisfischerei zum Stillstand bringt und die Nahrungskette für Raubfische, Wasservögel und Meeressäuger unterbricht.

“Die peruanischen Streitkräfte sind eng involviert von der Katastrophenvorhersage bis hin zur Beseitigung der Schäden,” schilderte Oberst Victor Arturo Miranda Alfaro. Der argentinische Verteidigungsstaatssekretär Hugo Patricio Pierri forderte, das Thema Klima nicht nur in seinem Lande als „Bedrohung“ einzukalkulieren. Der Volkswirtschaftler Prof. Dr. Stefan Bayer, Ökologie-Dozent der Bundeswehr, forderte sogar “eine Anpassung” an die Folgen des Klimawandels, weil der bereits so weit fortgeschritten sei, dass präventive Schutzmaßnahmen an Bedeutung verlören. “Wir brauchen hier eine neue Herangehensweise, ein neues Denken in der Sicherheitspolitik.”

Dass der Klimawandel das Militär selbst bedrohen kann, ist auf der pazifischen US-Insel Guam zu besichtigen, der neben Diego Garcia wichtigsten amerikanischen Militärbasis im Pazifik. Das Eiland ist existenziell bedroht, weil abgestorbene Korallen den natürlichen Schutz gegen immer öfter auftretende Taifun-Sturmfluten beeinträchtigt, was wiederum zur Küstenerosion führt. Zusätzlich führt der ansteigende Meeresspiegel zur Versalzung von Frischwasser für die 160.000 Einwohner.

Rolle von Streitkräften muss neu gedacht werden

Die US Army stellt sich ganz praktisch die Frage, wie lange sie auf Guam Raketenabwehr, B-52-Bomber und atomare U-Boote als Abschreckung gegenüber China und Aktionsbasis für Nahost-Einsätze stationieren kann. Und nicht nur dort pfuscht der Klimawandel der größten Streitmacht der Welt ins Handwerk. Deshalb hat die US Navy eine Untersuchung über die zehn vom Wetter meistbedrohten US-Stützpunkte weltweit in Auftrag gegeben – während ihr Oberbefehlshaber, US-Präsident Donald Trump, die Erderwärmung herunterspielt. „Zur Absicherung ihrer Stützpunkte müssen Militärs sich um die Sicherung des Landes und des Wassers kümmern, mit dem sie leben," sagt der demokratische Politiker Robert A. Underwood, einst Guam-Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus.

Unterdessen sichert Russland schon mal seine territorialen Ansprüche an der nördlichen Polkappe ab. “In diesen Gebieten gibt es eine entwickelte Infrastruktur, darunter Öl- und Gasförderanlagen, Pipelines, das Bilibino-AKW und die mit ihm verbundenen Hochspannungsleitungen,” bilanzieren Wissenschaftler des Katastrophenzentrum “Antistihija”. Das Auftauen des Dauerfrostbodens (Permafrost) gefährde diese Anlagen.

Präsident Wladimir Putin hat nun den bislang kleinen Stützpunkt Nagurskoye auf Aleksandra Land, der westlichsten Insel im rauen Archipel Franz-Josef-Land, vergrößert. Und in Tiksi, 4.300 km östlich von Moskau, steht ein Raketensystem, das ungebetene Gäste in 300 Kilometern Entfernung mit Abwehrraketen vom Typ Panzir abfangen und zerstören kann. Auch MiG-31-Kampfjets lauern in diesem nördlichsten Gebiet Eurasiens.

Es scheint also, dass die Folgen des Klimawandels die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit immer mehr aufweichen. Die Folgen der Rolle für Streitkräfte muss daher neu diskutiert werden – sind sie die „gesellschaftliche Versicherung gegen den drohenden Klimawandel," wie Bayer es formulierte?

Am besten wäre es natürlich, Militärs bräuchten sich gar nicht mehr mit dem Klimawandel zu beschäftigen. Das gelänge wohl nur, wenn die Menschheit gemeinsam aktiv handelte, um Biodiversität, Bodenqualität und lokale Ernährungssicherheit nachhaltig zu sichern. Allzu lange warten sollte man damit nicht, warnt der jüngste Bericht des Weltklimarates IPCC und fordert „schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen.“ Das ist noch ein Thema der Politik, nicht des Militärs. Aber: wie lange noch?

Den Originalartikel finden Sie hier.

 

 

 

 

 

„Manöveranpfiff und Leinen los“ zum FüAkEx 2018

Autor: Verena Hoffmann, Bernd Abshagen; Fotos: Thorsten Näther

Hamburg, 12.10.2018

Der LGAN 2017 auf der Freitreppe der Marineschule Mürwik

Dynamic Display auf hoher See

v.l.n.r. die Kapitäne zur See Schwarzhuber, Abry, Kesten und Bobzin sowie Korvettenkapitän Gräßel

Kapitän zur See Straus verabschiedet sich

 

 

 

"Diese Reise war ein absoluter Gewinn", sagte Oberstleutnant i.G. Bernd Przyswitt, Tutor des LGAN 2017, "die Marine live zu erleben, das kann durch keinen Vortrag im Hörsaal ersetzt werden." Im September 2018 lernte der Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN) 2017 die Deutsche Marine an unterschiedlichen Orten hautnah kennen. Auf Basis der Jährlichen Weisung Marine erhielten die Lehrgangsteilnehmenden einen Einblick in die maritimen Fähigkeiten der Bundeswehr und in die aktuellen Bestrebungen der Marine im Rahmen der Re-Fokussierung der Bundeswehr. Erster Anlaufpunkt der viertägigen Reise (FüAkEx 2018) war die Marineschule Mürwik. Der Kommandeur der Marineschule, Kapitän zur See Tobias Abry, begrüßte die Besucher herzlich in der "Alma Mater" der deutschen Marineoffiziere, "FükAkEx ist aus Sicht der Marine von zentraler Bedeutung, um ein streitkräftegemeinsames Verständnis für maritime Fragen und die Besonderheiten der Marine zu fördern. Das gilt insbesondere für das zukünftige Führungspersonal der Bundeswehr."

Deutsche Marine heute und Re-Fokussierung der Bundeswehr

In den anschließenden Impulsvorträgen und einer anregenden Panel Diskussion lernten die Lehrgangsteilnehmenden einerseits die Aufgaben und aktuellen Herausforderungen der Einsatzflottillen, des Marinefliegerkommandos und der Offizierausbildung der Marine näher kennen und konnten andererseits die Einsatzbereitschaft der fahrenden Flotte kritisch hinterfragen. Hierbei stellten die beiden Diskussionsleiter, Korvettenkapitän Michael Gräßel und Korvettenkapitän Martin Pauker, fest, dass der LGAN 2017 sich sehr kritisch mit der Re-Fokussierung der Bundeswehr insbesondere in Bezug auf Landes- und Bündnisverteidigung vor dem Hintergrund der aktuellen Personal- und Materiallage auseinandersetzt. Die Herausforderungen der Re-Fokussierung standen auch in den folgenden Tagen der Rundreise zu den Marinestützpunkten Eckernförde und Kiel immer wieder im Fokus der interessierten Fragen des Lehrgangs.

Dynamic Display auf hoher See

Den Höhepunkt der Reise war schließlich die Seefahrt an Bord der Fregatte „HESSEN“ und der Korvette „ERFURT“. Bei bestem Wetter präsentierte die Marine dem Lehrgang ihr mannigfaltiges Einsatzspektrum durch mehrere Übungen in der Kieler Bucht. Dabei erkannten die Kameraden und Kameradinnen von Heer und Luftwaffe, welche Bedeutung Teamwork an Bord eines Schiffes hat. "Hier sitzen alle wahrlich in einem Boot", sagte Oberstleutnant Przyswitt, "und können dieses auch wirklich nur gemeinsam zur Entfaltung bringen."

Ein guter Rahmen für eine Verabschiedung

Während die "blauen Jungs" den „Landratten“ des Heeres und der Luftwaffe mit Stolz die Fähigkeiten ihrer Marine praktisch vor Augen führten, kam bei mindestens einem Kameraden der Marine an diesem Tag auch ein gehöriges Maß an Wehmut auf. Für Kapitän zur See Henning Straus war dieser Tag  sein letzter Seetag als aktiver Marineoffizier, bevor er zum Ende September in den Ruhestand versetzt wurde. Der Lehrgang nutzte das Einlaufbier an Bord der Fregatte „HESSEN“ und den Abschluss der FüAkEx 2018, um Kapitän Straus zu verabschieden und ihm für seine Einsatzbereitschaft als Leiter der Fakultät Marine an der Führungsakademie zu danken.

Ein herzliches Dankeschön an die Deutsche Marine

Seit 1957 werden militärische Spitzenkräfte an der Führungsakademie der Bundeswehr auf ihre anspruchsvollen Aufgaben in der Bundeswehr, der NATO, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen vorbereitet. Nur mit der Unterstützung der Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine oder den Organisationsbereichen wie der Streitkräftebasis, dem Zentralen Sanitätsdienst oder dem Cyber- und Informationsraum kann die Aus-, Fort- und Weiterbildung dieser Akademie zeitgemäß und praxisorientiert sein und bleiben. Der neue Leiter der Fakultät Marine, Kapitän zur See Peter Görg, dankt herzlich "der Flotte, dass diese trotz ihrer vielfältigen Aufgaben und Belastungen einem solchen Programm Raum und Zeit gibt."

 

 

 

 

 

Starke Gemeinschaft Spezialkräfte

Autor: Frank Hölzner; Fotos: Bundeswehr / Bundespolizei

Hamburg, 10.10.2018

Fallschrimsprungtraining des KSK in Arizona (USA)

Spezialkräfte der Bundeswehr beim Tag der Bundeswehr 2018

Kampfschwimmer der GSG 9 der Bundespolizei

 

 

 

„Entscheidungsträger in den Spezialkräften persönlich kennenzulernen, das ist unbezahlbar“, so bewertete ein Teilnehmer die dreitägige Veranstaltung „Einsatzgrundsätze und Führung von Spezialkräften“ an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Mitte September tauschten sich zahlreiche Teilnehmer aus dem In- und Ausland über Stand und Entwicklung der Spezialkräfte aus. Die Führungsakademie  diente dabei als Plattform der Netzwerkpflege und des Wissenstransfers.

Nahezu alle Bereiche zu Gast an der Führungsakademie

„Ich freue mich, dass insbesondere die Führungskräfte der Spezialkräfte immer wieder teilnehmen und ihr Wissen teilen“, sagt Oberstleutnant i.G. Frank Hölzner. Er ist Dozent für Einsatzgrundsätze und Führung von Spezialkräften an der Führungsakademie und hat diese Veranstaltung vorbereitet. So standen unter anderem der Kommandeur der GSG 9 und Chef des Stabes der Abteilung Spezielle Operationen der Bundeswehr Rede und Antwort. Teilnehmer und Referenten stammten aus dem Auswärtigen Amt, dem Bundeskriminalamt, der Bundespolizei, dem Bundesministerium der Verteidigung und aus verschiedenen Bereichen der Bundeswehr wie zum Beispiel dem Einsatzführungskommando, dem Luftwaffentruppenkommando oder dem Kommando Spezialkräfte Marine und Heer sowie dem Heeresverbindungsstab 12 aus North Carolina beim United States Army Special Operations Command.  

Aktuell und informativ

Die Themenauswahl war vielfältig. Die Vorträge reichten von der operativen Ebene wie zum Beispiel „Die neue Führungseinrichtung der Spezialkräfte der Bundeswehr“ über die taktische Ebene wie beispielsweise „Ausrüstungsentwicklung für die Männer und Frauen im Einsatz“ bis hin zur strategischen Ebene wie zum Beispiel „NATO Special Operations Headquarters“. „Selbst als Dozent erhalte ich selten die Möglichkeit, mich so komprimiert, fundiert und aus erster Hand über aktuelle Trends und Themen in den Spezialkräften zu informieren“, sagt Oberstleutnant Hölzner.

„Netzwerken“ gewünscht

Die Spezialkräfte in der Bundeswehr und der Bundespolizei  entwickeln sich mit ihren unterstützenden Bereichen laufend weiter. Umso wichtiger wird im Rahmen einer „Vernetzten Sicherheit“ der regelmäßige Erfahrungsaustausch. Dieses stellten die Teilnehmer während der einzelnen Vorträge, den sich daran anschließenden Diskussionen und in den Pausengesprächen fest. Gleichzeitig vertieften und erweiterten sie ihre beruflichen Netzwerke. Die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg  fördert auch mit dieser Veranstaltung den Gedankenaustausch auf strategischer Ebene und trägt so dazu bei, alle Experten und Akteure im Bereich Sicherheit noch besser zu vernetzen. Die Qualität des Moduls „Einsatzgrundsätze und Führung von Spezialkräften“ fasste ein Teilnehmer am Ende der drei Tage zusammen: „Eine Hochwertausbildung, die keine Wünsche offen lässt.“

 

 

 

 

 

 

,,Wer die Höhen beherrscht, beherrscht die Täler!“

Autor: Philipp v. Rechenberg; Fotos: LGAN 2017

Hamburg, 08.10.2018

Die Tragtiere des EAZ 230 bei der Vorführung der GebJgBrig 23

Trittsicherheit ist im Gebirge von besonderer Bedeutung

Durchhaltewille und Kameradschaft zeigten sich beim Bergmarsch auf die Reiteralpe

Sattelfest im Gebirge: Offiziere des LGAN beim Marsch mit den Tragtieren auf das Dürrnbachhorn

 

 

 

„Das Wesen der Gebirgsjägertruppe kann nicht auf Folien vermittelt werden. Man muss es erleben und anfassen, um das besondere Anforderungsprofil zu verstehen“, begrüßt der stellvertretende Brigadekommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall, Oberst Stefan Leonhard, die Offiziere des Lehrgangs Generalstabsdienst-/ Admiralstabsdienst National(LGAN) 2017 zur Gebirgsreise in den bayrischen Alpen. Stärkung der Kameradschaft, das Kennenlernen der Fähigkeiten der Gebirgstruppen sowie das Erfahren der besonderen körperlichen Herausforderungen stehen im Vordergrund der Ausbildungswoche. Nachdem die nationalen und internationalen Soldatinnen und Soldaten am Morgen mit dem Airbus A400M angereist sind, startet der Lehrgang mit zwei Gruppen in die Ausbildung.

Soldatische Fitness ist gefragt

Mit einem körperlich fordernden Marsch steigen die Offiziere am Montag Nachmittag knapp 1.000 Höhenmeter von der Talstation der Seilbahn der Wehrtechnischen Dienststelle 52 Oberjettenberg auf die Reiteralpe auf. Oben angekommen heißt es Nachbereiten und Unterkunft beziehen, bevor es am nächsten Tag weitergeht. Das Wetter regnerisch und nasskalt – so starten die Teilnehmenden am nächsten Tag und erahnen gleich, dass der Gebirgsjäger besonders bei solchen Bedingungen „funktionieren“ muss. Über rutschige Äste und durch Nebelfelder gelangen in morgendlicher Frühe alle am Kreuz des Weitschartenkopfes an und sind stolz auf die überstandene Anstrengung – um anschließend festzustellen, dass der Abstieg eine weitere körperliche Herausforderung ist. Danach bleibt das Programm anspruchsvoll: es geht „an den Fels“. Der Hochgebirgsjägerzug hat ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt, bei dem die Soldatinnen und Soldaten ihr Geschick im Klettern, Abseilen und am einfachen Seilsteg unter Beweis stellen können. Das Bier in der Hütte haben sich abends alle redlich verdient.

Spezialisten beim alpinen Kampf

Nach den „Höhen“ am Vortag lernt der LGAN am Mittwoch die „Tiefen“ kennen: ein bei strahlendem Sonnenschein sehr idyllischer Marsch durch die Weißbachschlucht macht den Tagesauftakt. Danach ist Zugucken angesagt: Im Rahmen einer statischen und dynamischen Vorführung zeigen die Gebirgsjäger den Lehrgangsteilnehmenden auf beeindruckende Art und Weise ihr Material und ihre besonderen Fähigkeiten im alpinen Gelände. Aufklärung, Kampf im, am und auf dem Felsen sowie die logistische Unterstützung sind nur einige der breiten und komplexen Anforderungen für die Soldatinnen und Soldaten der Gebirgstruppe - eine wichtige und zugleich lehrreiche Erkenntnis für die nationalen und internationalen Offiziere aus Hamburg. Anschließend wird es wieder dynamisch, und die Lehrgangsteilnehmenden marschieren zur Winklmoosalm, wo sie eine herzliche Begrüßung durch das Hüttenpersonal und vorbeilaufende Kühe erwartet.

Maultiere als tragende Stütze

Das Tragen von Lasten von knapp 100 kg stellt für die Maultiere des Einsatzausbildungszentrums für Tragtierwesen aus Bad Reichenhall keine große Herausforderung dar. Eine intensive Ausbildung, regelmäßige Übungen und bis zu fünf Bergmärsche in der Woche sind für Mensch und Tier unabdingbar, um den anspruchsvollen Auftrag erfüllen zu können. Zunächst erfahren die LGAN-Teilnehmer etwas über die Gliederung der Einheit, ihre Aufgaben sowie die Leistungsfähigkeit und die Arbeit mit den Tieren. Frieda, Bazi, Kastor und ihre anderen felligen Kameraden durften selbstverständlich auch angefasst, geführt und Probe gesessen werden. Die Maultiere dienen zum Transport von Lasten und damit der unmittelbaren Unterstützung der Einheiten, die Haflinger Pferde werden zum Überwachen von Räumen und zum Prüfen der Gangbarkeit für Tragtiere genutzt. Beide sind die wesentlichen Säulen des Einsatzausbildungszentrums.

Ein weiterer Bergmarsch von der Winklmoosalm auf das fast 2.000 Meter hohe Dürrnbachhorn ist im wahrsten Sinne des Wortes der zweite Höhepunkt der Woche. Ein kleines Stück werden die Offiziere dabei auch von den zuvor vorgestellten Tieren begleitet und können sich live von deren Fähigkeiten überzeugen. Ein durch das Hüttenteam liebevoll vorbereitetes und opulentes Grillbuffet bietet zusammen mit lauen Spätsommertemperaturen das perfekte Setting für einen letzten Abend in den Bergen.

Erfolgreiches Teambuilding

Bevor es am Freitag wieder mit dem A400M von Salzburg zurück nach Hamburg geht, lassen die Soldatinnen und Soldaten des LGAN die Woche bei einem bayrischen Frühstück Revue passieren. Jeder ist durch die körperliche Herausforderung ein Stück gewachsen, ohne die Kameraden wäre aber so manches davon nicht  zu schaffen gewesen. Kohäsion des Lehrgangs durch die erlebnisorientierte Ausbildung sowie interessante und zugleich lehrreiche Einblicke in das Fähigkeitsprofil der Gebirgstruppe des Deutschen Heeres sind deshalb die Erkenntnisse am Ende der Woche, die als buntes Erlebnis noch lange in den Köpfen Aller bleiben werden.

 

 

 

 

 

 

DWT e.V. verleiht Zukunftspreis 2018 an der Führungsakademie

Autor: Wilhelm Brendecke (DWT); Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 05.10.2018

Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms zeichnet Major Sven Kümmeth mit dem Zukunftspreis der DWT 2018 aus

Generalinspekteur Eberhard Zorn bei der Festansprache

 

 

 

Major Sven Kümmeth erhält den Zukunftspreis der DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR WEHRTECHNIK e.V. (DWT). Major Kümmeth ist Absolvent des Lehrgangs Generalstabsdienst-/ Admiralstabsdienst National (LGAN) 2016. Im Rahmen der feierlichen Verabschiedung des LGAN 2016 im September 2018 zeichnete der Geschäftsführer der DWT, Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms, ihn für seine Lehrgangsarbeit „Big Data in der Bundeswehr“ aus. 

Big Data in der Bundeswehr

In der Lehrgangsarbeit geht es darum, „Big Data“ und das darin liegende Potenzial auch für die Bundeswehr zu erklären. Major Kümmeth, Diplom-Informatiker, bezeichnet „Big Data“ als eine Entwicklung, die weit über die reine Informationstechnologie hinausgeht und von der auch die Bundeswehr in vielen Bereichen durch den Einsatz geeigneter Methoden und Verfahren profitieren kann. Um dies jedoch zweckmäßig und zielgerichtet anzugehen, sind ein grundsätzliches Verständnis von Big Data an sich sowie die Kenntnis von Chancen, Herausforderungen und Anwendungsmöglichkeiten notwendig. 

Mit Daten gewinnen

In seiner Quintessenz am Schluss der Arbeit stellt Major Kümmeth einen Bezug seiner Untersuchungen und Schlussfolgerungen zu einem alten, noch immer gültigem Grundsatz aus der Zentralen Dienstvorschrift 3/11, heute Zentralrichtlinie A2-226/0-0-4710 - Gefechtsdienst aller Truppen (zu Lande) her: „Den Feuerkampf gewinnt, wer schneller schießt und besser trifft.“  Im Hinblick auf die Datenflut im angebrochenen Big Data-Zeitalter lässt sich nach seiner Auffassung das Zitat wie folgt anpassen: „Wer schneller auswertet und besser analysiert, gewinnt den Kampf im Informationsumfeld.“ Big Data sieht er als eine, wenn nicht die große Chance, dass „die Bundeswehr in allen Dimensionen sowohl im Betrieb Inland als auch im Einsatz, unter wirtschaftlichen sowie (sicherheits-) politischen Gesichtspunkten, für sich alleine und mit Verbündeten, in der Verwaltung wie auch im Gefecht lernen kann, mit Daten zu siegen.“

Innovation und Perspektive auszeichnen

Die gemeinnützige DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR WEHRTECHNIK e. V. (DWT) stiftet Studien- und Zukunftspreise, mit denen Offiziere und Referendare der Universitäten der Bundeswehr in München und Hamburg, der Führungsakademie der Bundeswehr und des Bildungszentrums der Bundeswehr (BiZBw) in Mannheim ausgezeichnet werden. Ihre Master-, Lehrgangs- oder Prüfungsarbeiten sollen mit innovativen und perspektivischen Inhalten dazu geeignet sein, im Sinne der Ziele der DWT den Dialog über Sicherheitspolitik, Bündnisfähigkeit, Forschung und Verteidigungswirtschaft zu fördern, die Transparenz der Zusammenhänge und Wechselwirkungen herzustellen und zur Bildung, Urteilsfähigkeit, Entscheidungsfindung und Gestaltung in diesen Bereichen beizutragen.
Die Lehrgangsarbeit von Major Sven Kümmeth erfüllt in besonderem Maße die Vergabekriterien für den Zukunftspreis der DWT. Der Studien- bzw. Zukunftspreis ist mit einem Geldbetrag dotiert. Die Preise werden jeweils jährlich vergeben.

Weiterführende Information zur DWT e.V. finden Sie unter www.dwt-sgw.de

 

 

 

 

 

Fundamentale Einsichten in eine Übungsplanung – oder „Exercises are fun”

Autor: FüAkBw; Fotos: Torben Steinweller

Hamburg, 04.10.2018

Oberst i.G. Jac-Peter Tölkes begrüßt die Lehrgangs- teilnehmenden

Ein Rollenspiel als Einstieg in den Planungsprozess

Oberstleutnant van den Berg der Royal Netherlands Army stellt ihr Arbeitsergebnis vor

Interessierte Lehrgangsteilnehmende

 

 

 

„Ladies and Gentleman, Exercises are fun“ begrüßte Oberst i.G. Jac-Peter Tölkes aus dem Multinational JOINT Headquarters ULM (MN JHQ Ulm)die Anwesenden aus vier Nationen (USA, Niederlande, Italien, Deutschland) zum Modul „Grundlagen für das Erstellen und Durchführen von streitkräftegemeinsamen Übungen“ oder - kürzer - „Fundamentals of JOINT Exercise Planning“.
Nach einem erfolgreichen Probelauf im September 2017 fand dieses Modul nun zum zweiten Mal an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) statt. „Den Lehrgangsteilnehmenden das Fachwissen für Verwendungen im Bereich der streitkräftegemeinsamen Übungsplanung komprimiert und praxisbezogen zu vermitteln“, war nach Ansicht von Oberst Tölkes das Ziel dieses Lehrgangs.

Experten aus dem Multinationalen Joint Headquarters Ulm

Hierzu war Oberst Tölkes, Abteilungsleiter im MN JHQ Ulm, mit zwei seiner Dezernenten nach Hamburg gereist, um die Fakultät mit Fachexpertise in der Durchführung zu unterstützen. So vermittelten sie Wissen aus der Praxis für die Praxis. Das eingespielte Team aus Ulm nahm die Lehrgangsteilnehmenden vom ersten Moment an auf eine launige Reise in die Tiefen des NATO Exercise Planning Process mit. Die streitkräftegemeinsame „Reception Staging and Onward Movement“ (RSOM) Übung JODY 2016 war hierfür das „Vehikel“. Am praktischen Beispiel füllten die Referenten die NATO Vorschrift BI-SC 75-003 Collective Training and Exercise Directive mit Leben.

Rollenspiel - Oskar verdächtig

Mit einem Rollenspiel gelang ein spannender Auftakt. Die Protagonisten aus Ulm stellten dabei auch ihr rollenspielerisches Talent unter Beweis. Damit brachten sie „Ball“ ins Spiel. Anschließten erlebten die Lehrgangsteilnehmenden ein Wechselspiel aus Hörsaalunterrichten und Gruppenarbeiten, das sie durch den Planungsprozess mit seinen „Stages“ und „Phasen“ geleitete. „JODY 2016 ist nicht die Musterlösung; vielleicht sind Ihre Ergebnisse sogar besser als unsere Ideen damals“, animierte Tölkes jeden, seinem Denken freien Lauf zu lassen.

Externe Referenten runden das Bild ab

Neben dem Exercise Planning Process bildeten die externen Referenten den zweiten wichtigen Pfeiler dieses Moduls. Vorträge des Bundesministeriums der Verteidigung aus den Abteilungen „Führung, Streitkräfte und Recht“ skizzierten die Vorgaben und den Rahmen für zukünftige Übungsplanungen. Impulse aus allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen, wie zum Beispiel dem Kommando Territoriale Aufgaben oder dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr ergänzten diese mit wichtigen Aspekten aus ihrem Blickwinkel. „Ein wirkliches rundes Bild mit allen Facetten der streitkräftegemeinsamen Übungsplanung wurde für die Lehrgangsteilnehmenden gezeichnet“, resümierte der Seminarleiter, Fregattenkapitän Torben Steinweller, zufrieden.
Das Petitum der Lehrgangsteilnehmenden war am Ende dieser kurzen und intensiven Woche äußerst positiv. Die Führungsakademie der Bundeswehr wird dieses Lehrangebot auch im Jahr 2019 wieder anbieten – ganz unter dem Motto „Exercises are fun!“

 

 

 

 

 

 

Erster Commander’s Intent mit Generalinspekteur Zorn

Autor: Barbara Gantenbein; Fotos: Uwe Grauwinkel, Niko Schneider

Hamburg, 28.09.2018

General Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr

Richard Kühnel (Leitung der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland), Vizeadmiral Carsten Stawitzki (Abteilungsleiter Ausrüstung im Bundesministerium der Verteidigung), Prof. Dr. Klaus Schweinsberg (Chairman des Centrums für Strategie und Höhere Führung), Matthias Zachert (Vorstandsvorsitzender der LANXESS AG) v.l.n.r.

Generalmajor Oliver Kohl, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr

Gruppenfoto der Teilnehmenden

 

 

 

„Dieses Treffen hat eine hohe Akzeptanz auf beiden Seiten. Wir entdecken uns gegenseitig, jeder lernt vom Anderen, das macht mir Freude“, sagt Generalinspekteur (GI), General Eberhard Zorn, beim Commander’s Intent. Die Veranstaltung bringt zivile und militärische Führungskräfte aus der Bundeswehr und aus der Wirtschaft zusammen. Schirmherr ist traditionell der Generalinspekteur der Bundeswehr. Dieses Jahr ging es um das Thema „Führen in ungewissen Zeiten. Wie umgehen mit dem schwindenden Vertrauen in Fakten, politische Institutionen und globale Ordnungssysteme?“ Im Kern ging es um „Fake News“ – also bewusst gestreute Fehlinformationen – und sich verändernde Aspekte von Verlässlichkeit in Allianzen und Partnerschaften.

Wahrhaftigkeit und Authentizität

„Meine Beobachtung ist, dass Vertrauen immer von den handelnden Personen abhängt“, betonte General Zorn in seiner Keynote zum Thema „Gedanken zur Führungskultur“. Führungskräfte müssten Präsenz zeigen und sich Zeit nehmen für Gespräche mit Untergebenen und Mitarbeitern. „Wahrhaftigkeit und Authentizität sind gerade für Führungskräfte wichtig“, sagte der General weiter. Für die Führungskultur der Bundeswehr sei die „Innere Führung“ der Kompass.

Netzwerken auf höchster Ebene

Organisiert hatte die Veranstaltung der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, Brigadegeneral Oliver Kohl, im Auftrag des Generalinspekteurs. Kooperationspartner des Commander’s Intent ist seit 2009 der Journalist und Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schweinsberg, Gründer des Centrums für Strategie und Höhere Führung in Ludwigshafen. Bereits zum achten Mal tauschten sich Vorstände, Geschäftsführer und Offiziere miteinander aus. Zum Auftakt des Commander’s Intent in der Zentrale von Microsoft Deutschland trafen sich der ehemalige Generalinspekteur, General a.D. Volker Wieker, und Klaus Schweinsberg zum Panelgespräch. „So viel GI-Dichte war noch nie“, scherzte der amtierende Generalinspekteur im Hinblick auf seinen Amtsvorgänger, „das beweist, wie wichtig uns als Schirmherren diese Veranstaltung ist.“

Information überall verfügbar

Im Hauptstadtstudio des ZDF – der nächste Programmpunkt beim Commander’s Intent – diskutierten die Teilnehmenden mit dem stellvertretenden Chefredakteur Elmar Theveßen über „Fake News“. Unter anderem ging es um die Erfahrungen der Bundeswehr mit der „Fake-News-Kampagne“ gegen deutsche Soldaten aus dem 1. Kontingent der Enhanced Forward Presence (eFP) der NATO in Litauen. „Information ist überall verfügbar, Gerüchte aber auch“, sagte General Zorn. Eine sinnvolle Möglichkeit gegenzusteuern sei die Nutzung der Socialmedia-Kanäle, um Fakten zu kommunizieren.

Entscheidungsprozesse schneller machen

Große Organisationen wie NATO, EU oder Vereinte Nationen hätten häufig lange Entscheidungswege. Deshalb sei es sinnvoll, wenn einzelne europäische Staaten näher zusammenrücken würden, folgerte General Zorn. Entscheidungsprozesse müssten schneller werden, gemeinsame Strategieanalysen seien dafür die Basis. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion im Stauffenbergsaal zum Thema „Wie weltpolitikfähig muss Europa sein? Was ist für Deutschland zu tun?“. Auf dem Podium diskutierten Matthias Zachert, Vorstandmitglied des Chemiekonzerns LANXESS AG, Richard Kühnel, Vertreter der Europäischen Kommission, sowie Vizeadmiral Carsten Stawitzki, Abteilungsleiter Ausrüstung im Bundesministerium der Verteidigung. Auch hier zeigte sich, wie sehr beide Seiten – Bundeswehr und Wirtschaft – voneinander lernen können.

 

 

 

 

 

Strategische Herausforderungen für die Sicherheitspolitik

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 28.09.2018

Coronel (Oberst) Pedro Raúl Varela  Sabando, Chile

Das Panel

Brigadegeneral Boris Nannt, FüAkBw

 Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg, GIDS

Dr. Bernd Benser, GridLAB GmbH

Das Auditorium

Unterstaatssekretär Hugo Patricio Pierr, Argentinien

Fregattenkapitän Prof. Dipl-Ing. Frank Reininghaus, IFSH

Jelena Kaifenheim, Malteser International

 

Klimawandel und der Schutz kritischer Infrastrukturen gehören zu den großen strategischen Herausforderungen für die Sicherheit von Staaten. Das wurde bei der internationalen Tagung des German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg deutlich. Beide Themen hängen zusammen, nicht zuletzt, weil der Klimawandel zunehmende Risiken für kritische Infrastruktur mit sich bringt. Die Sicherheitspolitik muss diese Themen viel stärker in den Blick nehmen. Viele südamerikanische Staaten tun dies bereits, wie die international besetzten Panels eindrucksvoll unter Beweis stellten. „„Wir diskutieren hier auch mit dem Ziel: Wie können wir voneinander profitieren und voneinander lernen?“, betonte Brigadegeneral Boris Nannt, Stellvertretender Kommandeur der Führungsakademie, in seiner Begrüßung.

Der Klimawandel und seine tiefgreifenden Folgen werde mittlerweile kaum mehr in Frage gestellt, betonte Oberst Prof. Matthias Rogg in seiner Einführung in die Tagung. Anders verhält es sich bei dem großen Feld der kritischen Infrastruktur, also jenen Anlagen und Einrichtungen, die , für das Funktionieren der Staaten und ihrer Gesellschaften unverzichtbar sind. „Noch mehr als in der Klima- und Umweltpolitik hat man den Eindruck, als würden die gravierenden Konsequenzen nicht nur politisch, sondern gesamtgesellschaftlich ignoriert.“

„Wir müssen uns vorbereiten“

In den südamerikanischen Staaten stehen die beiden Themen sehr weit oben auf der politischen Agenda. Deshalb waren für die Konferenz auch Vertreter aus Argentinien, Brasilien, Chile und Peru als Experten angereist, um ihre Entwicklungen und Erfahrungen vorzustellen. In all diesen Ländern sind sowohl der Klimawandel als auch der Schutz kritischer Infrastrukturen strategisch wichtige politische Bereiche. „Wir müssen uns vorbereiten auf die Auswirkungen. Wir müssen das Thema Klima als weitere Bedrohung sehen und den Sicherheitsbegriff hier weiter fassen“, betonte etwa der argentinische Unterstaatssekretär Hugo Patricio Pierri.

Neue Rolle der Streitkräfte

In unterschiedlicher Ausprägung sind die Streitkräfte in den südamerikanischen Staaten in den Katastrophenschutz und in den Schutz der kritischen Infrastrukturen involviert. „Es ist ein großer Schritt, die Streitkräfte im Innern des Landes einsetzen zu können“, bewertete Staatssekretär Pierri die derzeitige Entwicklung in seinem Land. „Das erfordert einen genau definierten rechtlichen Rahmen. Die Menschen brauchen das Vertrauen, dass die Streitkräfte ausschließlich im gesetzlichen Rahmen eingesetzt werden und ausschließlich an dieser Schnittstelle zwischen nationaler Verteidigung und innerer Sicherheit.“ „Man kann das Thema nationale Verteidigung nicht vom Thema nationale Entwicklung trennen“, betonte Tenente-Colonel Fernando Valentini aus Brasilien. Er stellte die strategischen Programme des brasilianischen Heeres vor, die aufgestellt wurden um ein Monitoring der kritischen Infrastruktur sicher zu stellen, die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit dieser Anlagen zu stärken und den Schutz zu gewährleisten. „Spezielle Großereignisse wie die Olympischen Spiele haben diese Entwicklung vorangetrieben“, so Valentini.

Nationales Programm für Cyber-Sicherheit

Chile habe sich aufgrund seiner besonderen geographischen Lage lange sehr sicher gefühlt, schilderte Coronel Pedro Varela Sabando die Situation in seinem Land. Durch die digitale Entwicklung habe sich das geändert. „Wir müssen unsere Internetfähigkeit schützen vor allem in Momenten von Naturkatastrophen.“ Daher habe das Land ein eigenes nationales Programm für Cyber-Sicherheit aufgelegt. In seinem Impulsvortrag zu diesem Thema setzte sich Dr. Bernd Benser, Geschäftsführer der GridLAB GmbH, mit der „kritischsten aller kritischen Infrastrukturen“ auseinander – der Energie. Denn vom Strom ist auch die Funktionsfähigkeit der anderen kritischen Infrastrukturen wie Verkehr, Telekommunikation, oder das Gesundheitssystem abhängig. Zwar habe Deutschland die sicherste Elektroenergieversorgung der Welt. „Aber das macht sie zugleich auch angreifbar.“ Er warnte vor der Gefahr eines Blackouts, eines Totalausfalls in einem großen Gebiet mit den entsprechenden dramatischen Auswirkungen auf die gesamte Infrastruktur. „Wir müssen unser System widerstandsfähiger machen. Krisenvorsorgeszenarien müssten entwickelt werden. Die Betreiber von kritischen Infrastrukturen müssten besser vernetzt werden. Zusammenarbeit und enge Vernetzung sei auch für die Behörden und Organisationen für Sicherheitsaufgaben und die Landesverteidigung unverzichtbar für den Fall der Fälle.

„Wir brauchen ein neues Denken“

Prof. Dr. Stefan Bayer von der Führungsakademie der Bundeswehr konstatierte einen ungebremsten Trend zum Klimawandel und zeigte die drohenden Folgen auf. Der Klimaschutz verliere angesichts der fortgeschrittenen Entwicklung an Bedeutung – eine Anpassung an die drohenden Folgen werde zunehmend wichtiger. „Wir brauchen hier eine neue Herangehensweise, ein neues Denken in der Sicherheitspolitik“, mahnte Bayer an und ergänzte, mit Blick auf die Komplexität: „Deshalb gibt es das GIDS – um sich mit der Frage zu beschäftigen: Was machen wir denn, wenn es richtig schwierig wird?“ Die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit weichten immer mehr auf, konstatierte er. Auch die Rolle der Streitkräfte müsse vor diesem Hintergrund neu diskutiert werden – etwa als mögliche „gesellschaftliche Versicherung gegen den drohenden Klimawandel“.

Rechtlicher Rahmen ist entscheidend

„Übersäuerung, Bedrohung der Antarktis, vermehrte extreme Wetterereignisse – all das passiert heute“, sagte Capitano de Mar-e-guerra Rogerio de Oliveira Goncalves aus Brasilien. „Da verlangt die Gesellschaft vor allem auch vom Militär eine Antwort.“ Der Staat habe für das Engagement einen rechtlichen Rahmen geschaffen, der aber noch weiterentwickelt werden müsste. Die Streitkräfte müssten den Klimawandel in ihre Planung mit aufnehmen. Die chilenische Marine engagiert sich massiv in der Erforschung der Folgen des Klimawandels. Es gebe einen nationalen Aktionsplan, schilderte Capitàn de Fragata Hermàn Zamorano Portilla die dortige Lage. „Das Phänomen Klimawandel ist eminent wichtig in unserem Land.“ Die Maßnahmen reichen vom Einsatz erneuerbarer Energien und Energieeffizienz, über intensives Monitoring und Forschung bis hin zur Einbindung des Themas in die Ausbildung von Streitkräften. Zwei Drittel aller Katastrophen in seinem Land sind Folge von Klimaereignissen, führte Coronel Victor Arturo Miranda Alfaro aus Peru vor Augen. Peru ist Erdbebengebiet und zudem den Auswirkungen von El Nino ausgesetzt. Die Streitkräfte leisteten einen wesentlichen Beitrag im Umgang mit den Folgen des Klimawandels. „Sie sind involviert von der Vorhersage bis hin zur Beseitigung der Schäden.“ Dies geschehe immer in enger Zusammenarbeit mit den zivilen Kräften. Kleine marginalisierte Gemeinden seien von den Auswirkungen schwerer Klimaereignisse immer am stärksten betroffen, berichtete Jelena Kaifenheim, die sich für den Malteser Hilfsdienst in Haiti und Kolumbien engagierte. Lösungen müssten „umfassend, multisektoral, grenzübergreifend und global sein“, so ihre Forderung.

Ministerium muss Antworten finden

Ministerialdirigent Prof. Dr. Roland Börger aus dem Verteidigungsministerium – als Unterabteilungsleiter verantwortlich für alle Immobilien der Bundeswehr – sieht seine Behörde vor einer großen Herausforderung für einen möglichen Krisenfall: „Welche Kritische Infrastruktur muss ich vorhalten? Wie mache ich die Kritischen Infrastrukturen durchhaltefähig und wie sichere ich das nötige Personal?“ Auf diese und weitere Fragen müsse das Ministerium eine Antwort geben. Prof. Burkhard Meißner unterstrich in seiner Zusammenfassung noch einmal die Brisanz des Themas: „Wir sind immer mehr von kritischer Infrastruktur abhängig. Wir sind immer mehr vernetzt und dadurch immer verletzlicher.“

 

 



 

 

 

 

 

Staffelübergabe in der Ausbildung

Autor: Eggo Rettmer; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 27.09.2018

Generalmajor Oliver Kohl übergibt das Direktorat

Flottillenadmiral Karsten Schneider blickt zurück auf seine sechs Jahre an der Führungsakademie

Brigadegeneral Boris Nannt begrüßt Oberst Holger Neumann

Oberst Holger Neumann mit Familie beim Empfang

 

 

 

 

 

„Ihnen vertraue ich unseren Führungsnachwuchs sehr gerne an“, begrüßt Generalmajor Oliver Kohl, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, den neuen Direktor Ausbildung, Oberst i.G. Holger Neumann, in seinem neuen Amt. Im Rahmen einer feierlichen Übergabe hat General Kohl den bisherigen Direktor Ausbildung, Flottillenadmiral Karsten Schneider, verabschiedet und Oberst Neumann diese Aufgabe übertragen.

„In Hamburg sagt man Tschüss“

Admiral Schneider meldet sich bei steifer Brise vor rund 250 angetretenen Soldaten und 100 Gästen aus dem Kreis der Führungsakademie ab. Seit 2012 hat er die Ausbildung an der Führungsakademie maßgeblich mitgestaltet. „Ein Drittel der heute aktiven Stabsoffiziere der Bundeswehr wurden unter Admiral Schneider aus-, fort- und weiterentwickelt“, stellt General Kohl fest.

„Das heißt Auf Wiederseh´n“

Seit 60 Jahren bereitet die Akademie in Hamburg ihre militärischen Spitzenkräfte auf anspruchsvolle Aufgaben in den Streitkräften, der NATO, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen vor. Kernaufgabe ist die Aus- und Weiterbildung bereits berufserfahrener Offiziere aus dem In- und Ausland.

Ausbildung im Wandel

„Der Generalstabsdienstoffizier drängt zur Tat. Das bedeutet jedoch auch, dass es gilt, zunächst bei sich selber den Fehler zu suchen, wenn etwas nicht gelingt.“ Nach General Kohl solle der Generalstabsdienstoffizier immer das Gesamtbild im Blick haben: „Sie müssen Ruhe ausstrahlen, um Vertrauen zu gewinnen und um führen zu können“, war die Botschaft zum zweiten Bild.

Die Führungsakademie hat seit 2016 einen neuen, erweiterten Auftrag. „Die Entwicklung von Führungspersönlichkeiten tritt gegenüber der reinen Wissensvermittlung in den Vordergrund“, fasst Admiral Schneider diesen zusammen und ergänzt: „Wir haben den Sachverstand von Lehrenden und Lernenden in einer Denkfabrik (dem German Institute for Defence and Strategic Studies, GIDS) für die Bundeswehr und ihre politische Führung organisiert.“

Veränderungen gemeinsam gestalten

Dieser neue Auftrag verändert die Führungsakademie tiefgreifend. In Zukunft gestaltet Oberst i.G. Neumann als neuer Direktor Ausbildung diese Entwicklung im Zusammenspiel mit dem Direktor Strategie und Fakultäten, Brigadegeneral Boris Nannt. „Mit unserer Ausbildung tragen wir gemeinsam die Verantwortung, dass unsere Soldaten am scharfen Ende unseres Berufs bestehen können“, unterstreicht Generalmajor Kohl.

Brigadegeneral Boris Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten, kennt Oberst Neumann schon lange und heißt ihn herzlich willkommen. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagt General Nannt, „wichtig ist, dass die Direktorate im Gleichschritt marschieren, um die Ausbildung weiterzubringen und weiterzuentwickeln.“

In einer Stadt voll schöner Erinnerungen

Oberst Neumann lernte die Führungsakademie und Hamburg vor fast 20 Jahren kennen – und lieben! Von 2001 bis 2003 absolvierte er den 46. Generalstabsdienst-/Admiralstabsdienst-Lehrgang (LGAN). „Während des LGAN habe ich hier meine Frau kennengelernt“, sagt er. Mit ihr und den beiden Kindern lebt er seit ein paar Jahren in Berlin.

Nach unterschiedlichen Verwendungen unter anderem in Bonn und Berlin führte er als Kommodore das Taktische Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau. Zuletzt war er stellvertretender Sprecher des Bundesministeriums der Verteidigung in Berlin. „Auf meine vielfältigen Erfahrungen in der Truppe und in der politischen, ministeriellen Arbeit kann ich aufbauen“, sagt Oberst Neumann, „und diesen Erfahrungsschatz möchte ich gerne an die angehenden Generalstabsdienstoffiziere weitergeben.“

 

 

 

Ein Admiral geht von Bord

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 24.09.2018

Flottillenadmiral Karsten Schneider

Flottillenadmiral Schneider während einer Besprechung

Admiral Schneider bei einer Verhandlungsführung

Mit einer feierlichen Übergabe verabschiedet sich Flottillenadmiral Karsten Schneider am 26. September aus der weltoffenen Stadt Hamburg. Sechs Jahre lang war er als stellvertretender Kommandeur und Direktor Ausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) eingesetzt. Admiral Schneider übernimmt in Rostock die Aufgabe des Chefs des Stabes im dort ansässigen Marinekommando. Den Kommandowechsel wird der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Oliver Kohl, vollziehen. Der Nachfolger von Flottillenadmiral Schneider wird Oberst i.G. Holger Neumann.


Aus diesem Anlass ist es unser Anliegen, noch einmal den Admiral zu Wort kommen zu lassen. Das Interview mit ihm erfolgte im September, kurz vor seinem Wechsel ins Marinekommando nach Rostock:

Frage: Herr Admiral, seit 2012 sind Sie stellvertretender Kommandeur der Führungsakademie und zugleich Direktor Ausbildung. Wenn Sie auf die zurückliegenden sechs Jahre zurückschauen: Was sind die Höhepunkte Ihrer Zeit an der FüAk?

Admiral Schneider: Das einschneidendste Ereignis der vergangenen sechs Jahre war der Besuch der Frau Ministerin von der Leyen am 6. November 2016, bei dem sie der Akademie einen neuen Auftrag und damit eine neue Grundlage gegeben hat. Seit diesem Tag haben wir die Ausbildung neu gestaltet und den Sachverstand von Lehrenden und Lernenden in einer Denkfabrik für die Bundeswehr und ihre politische Führung organisiert.

Frage: Gab es auch schwierige Zeiten?

Admiral Schneider: Vor diesem neuen Auftrag war die Akademie in ihren Entfaltungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Vieles, was wir als erforderlich erachteten, konnte nicht in Angriff genommen werden. Das erforderte Geduld und die Bereitschaft, sich auf einen Tag X vorzubereiten, ohne zu wissen, wann und ob er kommt.

Zur Führungsakademie und den Veränderungen an der FüAk

Frage: Die Führungsakademie hat in den sechs Jahren eine große Veränderung erfahren: Was bedeutet dieser Prozess für Sie?

Admiral Schneider: Ich sehe in diesen Veränderungen zwei Chancen. Erstens können wir den an der Akademie versammelten Sachverstand für die Bundeswehr und unser Land nunmehr richtig zur Wirkung bringen. Zweitens, und für mich als Direktor Ausbildung wichtiger, gibt es einen völlig neuen Ansatz der Ausbildung. Wir waren schon vorher nicht schlecht und mussten uns nicht verstecken. Jetzt aber besteht die Chance, sich von einer ziemlich guten zu einer herausragenden Ausbildungseinrichtung zu entwickeln. Dabei tritt die Entwicklung von Führungspersönlichkeiten in den Vordergrund gegenüber der reinen Wissensvermittlung. Uns eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, das Potential der bei uns Ausgebildeten im Sinne einer professionellen Prognostik abzuschätzen. Wir bekommen zudem erstmals die Kapazität, „Ausbildung‘‘ selbständig nach den Methoden moderner Erwachsenenbildung zu gestalten. Dieser Prozess ist bei Weitem noch nicht abgeschlossen.

Menschen an der Führungsakademie

Frage: Welche Begegnungen bleiben Ihnen in Erinnerung?

Admiral Schneider: Die Führungsakademie ist ein Ort der Begegnung. Ich habe herausragende Dozentinnen und Dozenten kennengelernt, denen lernbegierige Teilnehmende der vielen verschiedenen Lehrgänge gegenübersaßen, darunter viele Reservistinnen und Reservisten auf beiden Seiten. Die intensivsten Begegnungen hatte ich während der Lehrgangsreisen, wenn Gelegenheit bestand, ganze Tage und Wochen miteinander zu verbringen. Dafür bin ich sehr dankbar. Beeindruckt haben mich außerdem die vielen Menschen an der Akademie und in ihrem Umfeld, die zu allen Zeiten, ob ruhig oder bewegt, ohne viel Aufhebens ihre Aufgaben erfüllt haben. Das sind die vielen dienstbaren Geister im Stab der FüAk, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundeswehrdienstleistungszentrums und unseres Sanitätsbereichs ebenso wie die Freunde der Akademie, die sich um unsere ausländischen Lehrgangsteilnehmer kümmern. Das Zusammentreffen mit diesen Menschen war für mich eine enorme Bereicherung.

Innere Führung und Führung mit Auftrag

Frage: Für beide Themen, „Innere Führung‘‘ und „Führung mit Auftrag‘‘, steht die FüAk, denn die Auseinandersetzung wie auch die Weiterentwicklung dieser Bereiche sind Akademieauftrag. Was bedeuten Ihnen "Innere Führung" und "Führen mit Auftrag"?

Admiral Schneider: "Innere Führung" und "Führen mit Auftrag" sind eng miteinander verbundene Themen, zu denen viele jüngere Soldaten Diskussionsbedarf haben. Ich habe das eine oder andere Mal vermitteln müssen, dass ,,Führen mit Auftrag" verbunden mit einem kooperativen Führungsstil nicht dem netten Umgang miteinander dienen, sondern eine überlegene Führungsform sind, darauf angelegt, die gesamte Leistungsfähigkeit der Auftragsempfänger zu aktivieren. Das entspricht dem Menschenbild, das der ,,Inneren Führung" zugrunde liegt. Wir dürfen nicht müde werden das zu vermitteln, weil diese Erkenntnisse nicht so selbstverständlich sind, wie ich mir das manchmal vorgestellt habe.

Und noch eine letzte Frage: Was würden Sie der FüAk gerne mit auf den Weg geben?

Admiral Schneider: Die FüAk hat in ihren beiden Aufgabenfeldern als Denkfabrik und als Stätte moderner militärischer Ausbildung großes Potential. Als Ergebnis ihrer Tätigkeit erwartet man pragmatische Ergebnisse auf der Grundlage tiefer akademischer Durchdringung. Und man erwartet, dass Ihre Absolventen gleichermaßen als militärische Führer und als Stabsarbeiter zu den besten der Welt gehören. Ich bin zuversichtlich, dass die Akademie diese Herausforderung mit großem Erfolg meistern wird.

Herr Admiral, vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen ihnen für Ihre neue Aufgabe alles Gute. 

 



 

 

 

 

 

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