Autor: Maximilian Voß; Fotograf:Katharina Junge

Hamburg, 24.11.2016

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Kommandeur während seiner Begrüßungsrede

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Französische Delegation begleitete den Botschafter

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Zuschauern erlebten eine spannende Diskussionsrunde

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In seinem Impulsreferat griff der Botschafter diverse Themen auf und sprach sehr offen

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Botschafter beantwortet zahlreiche Fragen des Publikums

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Angeregte Gespräche bis in den Abend hinein

„Um die Geschichte seines Landes zu beschreiben, muss man außer Landes sein.“ Mit diesem Zitat des französischen Philosophen und Schriftstellers Voltaire hat Flottillenadmiral Carsten Stawitzki, der Kommandeur der Führungsakademie, den 12. Hamburger Diskurs eröffnet. Er begrüßte mit diesen Worten Philippe Ètienne, den französischen Botschafter in Deutschland, der vor einem bis an den Rand gefüllten Manfred-Wörner-Zentrum ein spannendes Impulsreferat zum Thema „Die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen“ hielt und anschließend als erfahrener Diplomat zahlreichen Fragen Rede und Antwort stand. Der Kommandeur betonte die Relevanz des Themas, lobte den Gedankenaustausch beider Nationen und freute sich über die Gelegenheit, so einen beeindruckenden Gast begrüßen zu dürfen.

Großer Zusammenhalt

Frankreich und Deutschland pflegen eine enge zwischenstaatliche Partnerschaft, was sich in Abstimmungen auf politischer, wirtschaftlicher und militärischer Ebene widerspiegelt. Der Botschafter unterstrich in seiner Rede die besondere Bedeutung des gegenseitigen Beistands in einer von Unsicherheiten geprägten Welt. „Die Herausforderungen sind groß und zahlreich“, so Ètienne. Er deutete auf Themen wie den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU), die andauernde Flüchtlingskrise, die innereuropäischen Spannungen und die Wahl des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten. „Der Zusammenhalt innerhalb der EU muss weiterhin gestärkt werden“, erklärte der Botschafter, „um die Errungenschaften wie Freiheit, Wohlstand und Solidarität zu bewahren.“

Geheimnis der Stärke

Deutschland und Frankreich spielen in Europa eine herausragende Rolle. Ihr Zusammenhalt wirkt als Motor der Gemeinschaft. Die Suche und das Erlangen gemeinsamer pragmatischer Lösungsansätze sind nach Ansicht des Botschafters das, was die Besonderheit der deutsch-französischen Beziehung ausmacht. „Kompromissbereitschaft ist dabei der Schlüssel zum Erfolg“, fügt er hinzu. Wie erfolgreich dieses Konzept sein kann, erläuterte Ètienne am Beispiel des diesjährigen Klimagipfels in Marrakesch: „Bei Erzielung des Abkommens waren Frankreich und Deutschland führend beteiligt, beide Länder stellen gemeinsam die Hälfte des Kapitals für die Energiewende im Klimafonds.“ Dieser finanziert Projekte zur Minderung von Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern. Beiden Staaten käme auch in anderen Politikfeldern eine große Verantwortung zu. „Das wird viel Zeit in Anspruch nehmen, gleichzeitig aber auch eine Chance zur Stärkung unserer Verbundenheit bieten.“

Kritische Auseinandersetzung

Trotz seines leidenschaftlichen Bekenntnisses zur Europäischen Union versäumte es der französische Botschafter nicht, auf Defizite hinzuweisen. So nutzte er die Fragen des Publikums, wie „Sind wir noch eine Wertegemeinschaft?“, „Muss Europa nicht effizienter bei der Zielerreichung werden?“ und „Warum kommt die Idee Europa bei den Menschen nicht an?“, um aufzuzeigen, dass in Zukunft neue Inhalte geschaffen und erzielte Ergebnisse sichtbar gemacht werden müssen. Die hitzige Kritik an der EU müsse überwunden und die Populisten verdrängt werden. „Nur so gelingt es uns, die Menschen mitzunehmen und Europa wieder interessant für sie zu machen.“ Mit einer spannenden Diskussion, die aufgrund noch vieler weiterer Fragen hätte bis tief in den Abend geführt werden können, ging der 12. Hamburger Diskurs zu Ende. Ètienne schloss mit den Worten: „Ich danke der Führungsakademie von ganzem Herzen für die positive Zusammenarbeit und die Möglichkeit, dass französische Offiziere hier gemeinsam mit ihren deutschen Kameraden lernen dürfen. Das ist ein tolles Zeichen!“

Zufriedene Gäste

Der Abend fand seinen gebührenden Ausklang in Form eines Empfangs im Foyer des Manfred-Wörner-Zentrums. Hier bot sich den Gästen die Möglichkeit, sich tiefergehend auszutauschen. Zufrieden äußerte sich das Ehepaar Clausen: „Uns hat die Veranstaltung außerordentlich gut gefallen. Die Inhalte waren hoch aktuell, und der französischen Botschafter hat interessante Antworten auf die unterschiedlichsten Fragen gefunden.“ Auch Peter Hammer, der auf eine Vielzahl von Berufsjahren im Attaché-Dienst in Frankreich zurückblicken kann, kommt regelmäßig zu diesen Veranstaltungen. „Schon allein um Kontakt zu halten, komme ich her. Wenn das Thema mich darüber hinaus noch persönlich berührt wie dieses Mal, bin ich richtig begeistert.“

Einflussreiche Persönlichkeiten

Mit der zwölften Auflage des seit 2012 stattfindenden Ereignisses wurde eine erfolgreiche und beliebte Veranstaltungsreihe fortgesetzt. Sie verfolgt das Ziel, den Meinungsaustausch zu intensivieren, und sie fördert die Netzwerkbildung von Menschen in der Hansestadt, die sich mit aktuellen Themen aus verschiedenen Perspektiven auseinander setzen. Bedeutende Größen aus Wirtschaft, Politik und dem Hamburger Umfeld, wie zum Beispiel Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder, der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika oder der Vorsitzende des Aufsichtsrats der OTTO-GROUP, Dr. Michael Otto, trugen bereits an der höchsten Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr in Hamburg Blankenese vor. Mit dem französischen Botschafter wurde der Staffelstab der Protagonisten der Reihe erfolgreich weiter gegeben.