Autor: Christiane Rodenbücher; Fotograf: Ulrike Schröder

Hamburg, 23.09.2016

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General Bohrer freut sich mit erfolgreicher Studentin

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Universität trug erheblich zum Gelingen bei

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Admiral Stawitzki lobt die Absolventen

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Admiral Stawitzki mit weiteren Ehrengästen

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Engagierte Initiatoren der Führungsakademie

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Begeisterte Gesichter nach der Verleihung

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Anerkennung für die Absolventen

„Kampf, Beharrlichkeit, Erfindungsreichtum“: Mit diesen Worten haben die Festredner die engagierten Bestrebungen der Führungsakademie und der Helmut-Schmidt-Universität in den vergangenen Jahren beschrieben, einen gemeinsamen Studiengang zu etablieren. Die ersten 30 Absolventen haben jetzt ihr Zeugnis erhalten. Die Verleihung der Urkunden des Studiengangs „Militärische Führung und Internationale Sicherheit“, kurz MFIS, ist Zeichen einer fruchtbaren Kooperation beider Einrichtungen in Hamburg. Es ist die erste institutionalisierte und weit sichtbare Kooperation, in der sich die zwei Häuser komplementär ergänzen.

Hohe Qualitätsstandards

Im Jahr 2011 begannen die ersten Überlegungen zur Realisierung dieses Studiengangs. Heute sind die umfangreichen Ideen und Planungen zur Realität geworden. „Die Lehre an der Führungsakademie im LGAN wird durch den MFIS aufgewertet: Das Absolvieren des LGAN erbringt fast die Hälfte aller Credit Points, die zum Absolvieren des Studienganges erforderlich sind. Das ehrt unsere Akademie und unterstreicht auch aus akademischer Sicht die hohe Qualität unserer Ausbildung“, sagt Flottillenadmiral Carsten Stawitzki, Kommandeur der Führungsakademie, bei einem Festakt an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) in Hamburg.

Mut, Kritik zu üben

Generalleutnant Peter Bohrer, Stellvertreter des Inspekteurs der Streitkräftebasis, geht auf anfängliche Bedenken und Widerstände ein. Die waren jedoch schnell ausgeräumt. „Mit dieser Kooperation positionieren wir die Führungsakademie im Zusammenspiel mit anderen Ausbildungseinrichtungen besser, außerdem qualifizieren wir die Lehrgangsteilnehmer noch besser in der Vorbereitung auf ihre künftigen Tätigkeiten.“ General Bohrer spricht darüber hinaus über den „Mut zu kritischem Einwand, das gefällt mir an den jungen Offizieren besonders gut“. Vizeadmiral Joachim Rühle geht in seiner Ansprache ebenfalls auf die neuen Errungenschaften ein. „Führungsakademie und Universität haben zu gleichen Teilen Inhalte eingebracht“, erläutert der Abteilungsleiter Personal im BMVg, Vizeadmiral Joachim Rühle, „das bereichert das Portfolio von FüAkBw und HSU durch einen international wettbewerbsfähigen Mastergrad – ein Paradebeispiel für Bildung und Qualifikation in der Bundeswehr.“

Zusammen in die Zukunft

Oberstleutnant Konrad Panzer, Projektoffizier und „Spiritus rector“ des neuen Studiengangs, erklärt: „MFIS knüpft an den Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN) der Führungsakademie der Bundeswehr an und ergänzt die berufspraktischen und theoretischen Inhalte dieses Lehrganges um wissenschaftliche Inhalte der Universität. Der MFIS ist parallel zum LGAN studierbar, bereits erworbene Qualifikationen aus dem LGAN können zum Teil als Studienleistung anerkannt werden.“ Bisher fehlte den Lehrgangsteilnehmern nach ihrer zweijährigen Ausbildung an der Führungsakademie ein rechtlich anerkannter akademischer Abschluss. Wie er an vielen vergleichbaren Einrichtungen schon lange Standard ist. „Nur mit diesem ist es gewöhnlich möglich, im internationalen Umfeld Verwendungen auf höchster Ebene wahrzunehmen“, so Panzer. Der “Master of Arts“ bereichert die Teilnehmer des LGAN um den entscheidenden international anerkannten akademischen Abschluss.

1500 Arbeitsstunden harte Arbeit

Der Studiengang der „Militärischen Führung und Internationale Sicherheit“ ist in sechs Themenmodule unterteilt. Die Module beinhalten unter anderem Führungsreflexion, Sicherheits- und Planungsprozess. Für jedes Modul werden international anerkannte Credit Points verliehen. Zum Absolvieren des MFIS werden davon insgesamt 60 Stück benötigt, was einem Aufwand von mindestens 1500 Arbeitsstunden entspricht. Das Absolvieren des LGAN bereichert die Lehrgangsteilnehmer um nahezu die Hälfte der geforderten Lernpunkte, was die Attraktivität der Kombination beider Lehrgänge bekräftigt.

Keine gewöhnlichen Studenten

Der Großteil der MFIS-Studierenden besitzt bereits einen akademischen Abschluss, welcher im Rahmen der regulären Offizierausbildung erworben wurde. Doch dieser ist in der Regel mehrere Jahre her. In der Zwischenzeit bewiesen sich die Soldatinnen und Soldaten als Truppenoffiziere im In- und Ausland. Die besten von ihnen besuchen den Generalstabslehrgang, den exklusivsten Laufbahnlehrgang dieser Streitkräfte. So verwundert es nicht, dass die meisten Ergebnisse des MFIS hervorragend sind. Allein sechs Studenten schlossen den Studiengang (und damit ihren zumeist zweiten Master) mit der Gesamtnote 1.0 ab, sprich: Jede erbrachte Leistung innerhalb der zwei Jahre war makellos.

„Klüger als zuvor!?“

„Hier stehe ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.“ Dieses berühmte Zitat aus Goethes „Faust“ erwähnt Admiral Stawitzki in seiner Ansprache an Dozenten und Lehrgangsteilnehmer. Denn der MFIS-Studiengang ist kein reines Studium um des Studiums Willens. Die Absolventen werden in wenigen Wochen wieder die Führung und Verantwortung über unzählige Menschen und Material innehaben. Die akademische Auseinandersetzung mit militärischen Themen soll dabei helfen, in der Praxis Entscheidungen auf komplexe Herausforderungen zu finden.

Mehrbelastung für die Offiziere

Einige später eingereichte Masterarbeiten aus dem ersten MFIS-Jahrgang stehen noch zur Korrektur aus, denn es handelt sich bei den Studierenden nicht um Vollzeitstudenten. Die MFIS-Studenten der Akademie absolvieren einen der intellektuell anspruchsvollsten Lehrgänge der Bundeswehr und nutzen die Wochenenden, um Seminare an der Universität zu verfolgen. „Die Pendler leiden am meisten unter der Mehrbelastung“, sagen viele Seminarteilnehmer. Denn nur wenige Offiziere des Generalstabslehrgangs leben mit ihren Familien in Hamburg und Umgebung. Zeit ist oft der entscheidende Faktor.

Überzeugt vom Konzept

Die Lehrgangsteilnehmer sind jedoch trotz aller Anstrengungen überzeugt. Major Rayk Hähnlein erwarb bereits vor zehn Jahren ein Diplom in Internationaler Sicherheit an der Helmut Schmidt Universität. Die Frage, ob er nach dem neuen MFIS-Masterabschluss „klüger als zuvor“ sei, beantwortet er wie folgt: „Definitiv! Es war sehr hilfreich und interessant, die Seminarinhalte des Generalstabslehrgangs mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ergänzen. Ich bin seit zehn Jahren aus dem Studium, der MFIS half auf jeden Fall, mich wieder auf den aktuellen Stand der Forschung zu bringen.“ Mit den Vorteilen für alle Beteiligten könnte sich noch etwas Weiteres herauskristallisieren: Der MFIS als gemeinsames Projekt der beiden Häuser könnte der Auftakt eines „Bildungsclusters“ rund um die Bundeswehr im nationalen und internationalen Kontext am Standort Hamburg sein.