Autor: Inka v. Puttkamer; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 19.11.2017

Admiral Stawitzki bei der Ansprache zum Volkstrauertag

Admiral Stawitzki bei der Ansprache zum Volkstrauertag

3. v.l. Bezirksamtleiterin Dr. Liane Melzer, 4. v.l. Generalkkonsul Frankreich Laurent Toulouse

3. v.l. Bezirksamtleiterin Dr. Liane Melzer, 4. v.l. Generalkkonsul Frankreich Laurent Toulouse

Internationale Teilnehmer am Volkstrauertag

Internationale Teilnehmer am Volkstrauertag

Die britische Band

Die britische Band "Band of the Royal Armoured Corps"

Ansprache des französischen Generalkonsuls Laurent Toulouse

Ansprache des französischen Generalkonsuls Toulouse

Deutsche Offiziere legen Kranz nieder

Deutsche Offiziere legen Kranz nieder

Italienischer Generalkonsul Giorgio Taborri am Friedhof

Italienischer Generalkonsul Giorgio Taborri am Friedhof

Kranzniederlegung durch Honorarkonsul Nicholas Teller

Kranzniederlegung durch Honorarkonsul Nicholas Teller

Einen ganz besonderen Rahmen hatte der Volkstrauertag in diesem Jahr auf dem Blankeneser Friedhof: Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), Konteradmiral Carsten Stawitzki, hat Vertreter der ehemaligen deutschen Kriegsgegner zu einer gemeinsamen Kranzniederlegung und Feierstunde eingeladen. Amerikaner, Briten, Franzosen und Italiener standen Seite an Seite mit Deutschen, um ihrer Toten zu gedenken. Dieser internationale Ansatz mit knapp 100 geladenen Gästen ist bisher einmalig und einzigartig. Durch weitere Teilnehmer des internationalen General- und Admiralstabslehrgangs waren Soldaten von vier verschiedenen Kontinenten versammelt.


Mehrsprachiges Gebet

Bei stürmischem Novemberwetter beginnt der Festakt mit einer Andacht durch den evangelischen Militärdekan an der FüAkBw, Dr. Hartwig von Schubert. Er erinnert an die unmenschlichen Verbrechen der Kriege. Nach dem von allen anwesenden Nationen in ihrer Sprache gemeinsam gebeteten Vaterunser resümiert er, dass sich an diesem Tag alle zusammen sowohl als Täter als auch als Opfer verbeugen, ganz gleich welcher Nationalität. Anschließend versammeln sich die Gäste am Gedenkstein des Friedhofs.


„Gedenken gehört in die Mitte der Gesellschaft“

Eingerahmt von einer Ehrenformation aus französischen Offizieren, die allesamt Studierende der Helmut-Schmidt-Universität (Universität der Bundeswehr Hamburg) sind, begrüßt Stawitzki nun die zahlreichen Gäste. Er holt sie mit einem Zitat aus Erich Maria Remerques „Im Westen nichts Neues“ direkt in den Kriegsalltag des einfachen Soldaten vor knapp hundert Jahren. Er hebt hervor, dass dagegen an diesem Tag 2017 Nationen Schulter an Schulter stehen, die ehemals gegeneinander in den Krieg gezogen sind: „Wir stehen hier heute als Freunde, Verbündete und Partner – in dem Bewusstsein, dass wir die Probleme dieser Welt nur gemeinsam bewältigen können.“


Frieden in Europa

Stawitzki ruft seinen Zuhörern ins Gedächtnis, dass Europa sich in der längsten Friedensperiode seit Ende des Zweiten Weltkrieges befindet und wie großartig diese Tatsache ist. „Es kann nur der aus der Vergangenheit lernen, der sich ihr stellt.“ Die Vergangenheit nimmt uns in die Verantwortung, unser Handeln immer an die Normen der Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit zu binden, mit Offenheit und Toleranz zu agieren, so Stawitzki. „Verantwortung – uns entschieden und mutig und wenn es sein muss, lautstark und mit aller Kraft entgegenzustellen, wo immer die Würde des Menschen angetastet wird.“ Der Kommandeur der Führungsakademie verweist schließlich auf die vielen Soldaten, Polizisten, Entwicklungshelfer und freiwilligen Helfer aller Nationen, die sich in Auslandseinsätzen befinden.


Erinnerung und Orientierung

Extra angereist ist die britische „Band of the Royal Armoured Corps“, um für eine würdige musikalische Untermalung zu sorgen. Beim „Lied vom guten Kameraden“ schwingt die Atmosphäre des Gedenkens unter den Gästen mit, die anschließend beim Verlesen des Totengedenkens verbalisiert wird. Wichtig ist an diesem Tag, dass grade nicht nur an die Toten aus den Weltkriegen, sondern auch an die gefallenen Soldaten der über 60-jährigen Bundeswehrgeschichte und an die jüngsten Opfer von Terror und Gewalt erinnert wird. Für die internationalen Ehrengäste spricht der französische Generalkonsul Laurent Toulouse. Mit bewegenden Worten bedankt er sich „aus tiefstem Herzen“, dass sich das erste Mal Vertreter der ehemaligen Kriegsgegner zu diesem Tag der Einkehr treffen. Toulouse verdeutlicht, dass ein gesunder Patriotismus und Menschenverstand dazu führen, dass die Vergangenheit nicht nur zum Gedenken, sondern vor allem auf die Zukunft verpflichtet – und gerade das gilt für alle Völker. Die „Zukunft“ wird unter den Gästen auch durch Schüler des „Lycée Français de Hambourg“ repräsentiert.

 

Kränze zum Gedenken

Die Ehrengäste legen anschließend Kränze nieder: Für Deutschland ist es Admiral Stawitzki. Den italienischen Kranz legt der Generalkonsul Giorgio Taborri nieder, für Großbritannien ist es der Honorarkonsul Nicholas Teller, für die USA der aus Berlin angereiste Militärattaché Colonel Terry Anderson. Den Schluss bildet Toulouse. Die anschließende Schweigeminute wird eingerahmt durch das französische Stück „Aux Morts“ und die hoffnungsfrohe Europahymne zum Schluss.

 

Der Verantwortung stellen

An der FüAkBw gibt es anschließend Erbsensuppe zusammen mit der Gelegenheit zur gemeinsamen Reflexion der Veranstaltung. Alle sind sich einig, dass der internationale Rahmen dem Tag besondere Würde verliehen hat. Die Bezirksamtsleiterin von Altona, Dr. Liane Melzer, spricht als zivile Vertreterin zu den Gästen. Sie fragt sich, ob der Volkstrauertag heute noch Bedeutung hat, er scheint „sehr weit vom Alltag entfernt zu sein“. Das ganz eindeutige Ja begründet sie mit der angemahnten Aussöhnung zwischen den Völkern. Aussöhnung, die im Angesicht der jüngsten europäischen Konflikte niemals an Aktualität verlieren wird. „Der Frieden ist ein Gut, das nicht als gegeben hingenommen werden kann.“ Melzer erinnert zum Schluss an Jean-Claude Juncker, der bereits vor neun Jahren zum Volkstrauertag die Europazweifler dazu aufrief, Soldatenfriedhöfe zu besuchen, um sich so das Leid zu vergegenwärtigen, das ohne Völkerverständigung passieren kann.

 

Beispielhafte Veranstaltung

So gelungen organisiert wurde die Gedenkfeier vor allem durch den älteren nationalen Lehrgang General- und Admiralstabsdienst. Die Resonanz der Gäste – international und im Altersband zwischen zwei und achtzig Jahren, in Uniform und ohne - zeigt, dass der Volkstrauertag tatsächlich nichts Vergangenes ist, sondern in Hamburg auf dem Blankeneser Friedhof und an der FüAkBw wirklich von allen Generationen erinnert und die angesprochene Verantwortung gelebt wird.

 

 

Kranzniederlegung durch Militärattaché Colonel Terry Anderson USA Kranzniederlegung durch den Generalkonsul von Frankreich Laurent Toulouse Ansprache der Bezirksamtsleiterin Dr. Liane Melzer