Autor: Michel Gallien; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 09.11.2017

Oberst i.G. Hennig Weeke begrüßt die Gäste

Die drei Säulen des BGMs

Deutsche und internationale Lehrgangsteilnehmer im Dialog

Rückenschule als eine der BGM-Maßnahmen

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

Training ist auch am Arbeitsplatz möglich

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

BGM – Für Soldaten und Zivile Angehörige

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

Vielfältige Übungen: Vom Pezziball bis zum TRX-Band

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

TRX-Schlingentraining zur Stärkung der Rückenmuskulatur

Der Rücken schmerzt, der Nacken ist verspannt, die Konzentration versinkt im Stress. Wer kennt die alltäglichen Leiden nicht? Was sich anfangs oft als vermeintlich harmlose Beschwerden darstellt, kann bei zu wenig Beachtung schnell zu ernst zu nehmenden körperlichen oder psychischen Krankheiten führen. Um diesen und vielen weiteren Herausforderungen im Alltag zu begegnen, ist das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) geschaffen worden. Im September hat an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) die Erprobungsphase für das BGM begonnen. 2018 soll das BGM in den Regelbetrieb übergehen.

Was ist das BGM?

Unter dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) wird die Gestaltung, Lenkung und Entwicklung betrieblicher Strukturen und Prozesse verstanden, die zum Ziel haben, die Arbeit, die Organisation und das Verhalten am Arbeitsplatz gesundheitsförderlich zu gestalten. Dies soll den Beschäftigten und dem Unternehmen gleichermaßen zugute kommen.

Drei Säulen der Gesundheit

Das BGM umfasst drei Säulen. Den Schwerpunkt bildet die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Die BGF hilft, z.B. mit Stressfaktoren umgehen zu können oder den eigenen Bewegungsapparat gezielt zu trainieren und zu stärken. Umfassende Angebote zur BGF werden nach und nach in allen Dienststellen eingeführt. Dazu gehören Bewegungskurse wie „Rückenschule“ oder „Aquajogging“, aber auch „Raucherentwöhnung“ oder „Suchtprävention“. Die Teilnahme an den Maßnahmen der BGF sind für alle Beschäftigten freiwillig. Einen besonderen Attraktivitätsgewinn stellt die BGF für Zivilbeschäftigte dar, für die zuvor kein Sport während der Dienst– oder Arbeitszeit vorgesehen war.

Arbeits- und Gesundheitsschutz als zweite Säule

Die zweite Säule bildet der Arbeits- und Gesundheitsschutz (AGS). Dieser ist gesetzlich vorgegeben und umfasst einerseits die Fürsorgepflicht des Vorgesetzten / Arbeitgebers. Andererseits werden durch den AGS situativ angepasste Arbeitsmittel bereitgestellt. Ein Beispiel hierfür ist der elektrisch höhenverstellbare Schreibtisch, der eine bessere und gesündere Körperhaltung ermöglicht. Weitere wichtige Bestandteile des AGS sind unter anderem Gefährdungsbeurteilungen durch psychische Belastungen oder auch externe Gefahrenquellen, wie Lärm oder Strahlung.

Motivation durch Information

Die Bereitschaft zur Teilnahme am BGM soll durch die dritte Säule „Führung und Organisation“ (FuO) gefördert und gewährleistet werden. Die Führungskräfte sind dazu angehalten, die Mitarbeiter zu sensibilieren, auf die eigene Gesundheit zu achten. Dabei handeln die Führungskräfte zugleich mit Vorbildfunktion. Damit eine Führungskraft vorbildlich führt, sind ein selbst eingehaltener, gesunder Führungsstil und das richtige Delegieren von Aufträgen wichtige Erfolgsfaktoren.

Konzeption und Verantwortlichkeit

Im Zuge der Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders.“ ist 2015 durch das BMVg damit begonnen worden,  das Betriebliche Gesundheitsmanagement an zunächst elf ausgewählten Standorten einzuführen. Unter dem Titel  „Gesundes Arbeiten“ wird es jetzt nach und nach bis 2019 bundeswehrweit etabliert. Die Federführung bei der Umsetzung lag im Schwerpunkt beim Sanitätsdienst. Das BGM gilt von der Truppe bis zum Ministerium, vom Bundeswehrkrankenhaus bis hin zur Militärseelsorge. Dabei unterstützen BGM-Koordinierende an den Standorten. Jede Dienststelle gründet dafür ein Gremium "Gesundheit", das die Einführung des BGM plant, steuert und später überwacht. Die Durchführung von Maßnahmen im Sinne der Betrieblichen Gesundheitsförderung obliegt den durchführenden Dienststellen.

Vielfältige Angebote an der FüAK

Der Angebotskatalog der BGM-Maßnahmen ist umfangreich. An der FüAkBw werden Maßnahmen wie beispielsweise „Funktionelles Training“ oder „Rückenschule“, systematisches Ganzkörpertraining mit dem eigenen Körpergewicht oder unter Zuhilfenahme von Pezziball oder Thera-Band, angeboten. Dies dient auf der einen Seite zur Kräftigung der Tiefenmuskulatur, hilft aber auch gleichzeitig dabei, Rückenbeschwerden vorzubeugen oder zu lindern, denn Rückenprobleme treten oftmals schon durch Fehlhaltungen am Arbeitsplatz auf. Beim „TRX-Schlingentraining“ und „AquaGym“ wird gezielt die Koordination und Beweglichkeit durch gelenkschonende Übungen gestärkt und verbessert. Die Stärkung der körperlichen Flexibilität und Sensibilisierung der eigenen Körperwahrnehmung steht hier im Fokus. Die Beseitigung innerer und äußerer Verspannungen abzubauen und den Köprer und Geist der Teilnehmenden zu fördern, zu mobilisieren und zu stabilisieren, ist das Ziel des gleichnamigen Kurses. Wer seine Zeit gern im Freien verbringt, kann sich bei der wenig verletzungsanfälligen Outdoor-Sportart „Nordic Walking“ durch die grüne Natur bewegen. Wer schließlich noch zukünftig mit einem gesünderen Führungsstil arbeiten möchte, lernt im Kurs „Gesundes Führen“, wie wichtig es ist, ein eigenes Zeit- und Belastungsmanagement aufzubauen. Für den nachhaltigen, gesundheitsfördernden Umgang zur Prävention, aber auch mit bereits eingetretenen Beeinträchtigungen sieht das BGM unter anderem psychosoziale Beratungen und sporttherapeutische Lehrgänge vor. Letztere werden an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf angeboten werden.

Ein Zwischenfazit

Die Ressourcen von Menschen sind endlich. Gehen die Ressourcen aus oder werden diese zu schnell verbraucht, führt dies zu Kopf- und Gliederschmerzen, Depressionen oder sogar letztlich zur Arbeitsunfähigkeit. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement soll dies verhindern helfen. Die Angebote sind vielfältig, die Mitgestaltung einfach, der Effekt enorm.