Autor: Silke Brand-Schoder; Fotos: Silke Brand-Schoder / Bundeswehr

Hamburg, 26.10.2017

Die Seminarteilnehmer nach getaner Arbeit

Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig von Bruno Schmitz (1913)

Visualisierungen in jeglicher Form

Gemälde von Gerard ter Borch (1648)

Beim bundeswehrgemeinsamen Führungskräftetraining

Gemälde von Gerard ter Borch (1648)

Mit bekanntem Spielzeug zum Erkenntnisgewinn

 

 

 

Wer möchte es nicht: Zeit haben und reflektieren können, ob das eigene Führungsverhalten zielführend gewesen ist. Momente dieser Art sind „Geschenke“ in einem sehr kurzlebigen und hektischen Umfeld. Sich als Führungskraft zu reflektieren, den eigenen Horizont erweitern, erfahren, wie „die Anderen“ ticken und sich gegebenenfalls neu kalibrieren: Darum geht es im bundeswehrgemeinsamen Führungskräftetraining für die Besoldungsebenen im Dienstrang Oberstleutnant. 
In diesem Modul bearbeitet das zukünftige militärische und zivile Spitzenpersonal aus allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen der Bundeswehr führungsrelevante Themen mit teils bekannten, teils ungewöhnlichen Methoden. Das in vielen Durchgängen erprobte Konzept brachten Oberstleutnant Reinhard Beckmann von der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) und die Wissenschaftliche Direktorin Silke Brand-Schoder vom Bildungszentrum der Bundeswehr im März in Hamburg mit vielen eigenen Akzenten zum Einsatz.

Die Führungskraft im Mittelpunkt

Angenehm anders – so zeigte sich das Seminar gleich zu Beginn, denn mit einem Situations-Check läuft bereits die Vorstellungsrunde nicht wie sonst in der Bundeswehr üblich starr und stereotyp ab, sondern aufgelockert. Die Aufgabe, sich selbst als Führungskraft mit LEGO-Steinen zu bauen und den anderen Teilnehmenden vorzustellen, „ist ungewöhnlich, aber sehr aufschlussreich“, wie einer der Teilnehmer in der Reflexionsrunde formulierte. Er stellte zur Sicherheit klar: „Positiv Anders“. Selbst Pausen sind Teil des Konzeptes und dienen der Fortsetzung des Austausches in anderer Form und lockerer Runde. „Bei aller Themen- und Methodenvielfalt steht immer die Reflexion über die eigene Rolle als Führungskraft im Mittelpunkt“, zeigte Oberstleutnant Beckmann den roten Faden des Seminares auf.

Team- und Entscheidungsfindung mit Serious Play

Die preisgekrönte Führungskraft des Jahres 2030, die alte Zöpfe abgeschnitten und Lehmschichten durchdrungen hat, war die Vision, die mit der Methode LEGO Serious Play entwickelt wurde. „Ein gemeinsames LEGO-Modell hilft, einen gemeinsamen Zeichensatz zu schaffen. Auch Abstraktes wie ein Prozess kann damit begreifbar und beschreibbar gemacht werden“, fasste ein Teilnehmer seine Erkenntnisse zusammen. „Wir reden anhand des Modelles am Ende tatsächlich alle über das Gleiche“, meinte ein anderer erstaunt. Am Ende der lebhaften Debatten in den drei zivil-militärisch gemischten Teams folgte die banal klingende, den entstandenen Teamgeist gleichwohl verdeutlichende Feststellung: „So verschieden sind wir gar nicht, es geht uns um die gleichen Werte und Kernthemen.“

Breites Themenspektrum

Eingerahmt wurden die Gruppenarbeiten zu „Führung“ in wechselnder Zusammensetzung von Fachvorträgen aus den Bereichen Personalgewinnung und –management. „Jede Menge Erkenntnisgewinne über die jeweils andere Statusgruppe“, umschrieben die Teilnehmenden diesen Block in der abschließenden Feedback-Runde. Mit Themen wie „Unconscious Bias“, (unbewusste Verzerrungen/ Denkmuster), einem Kommunikationstraining oder Gesundheitsmanagement wurde das Portfolio um wichtige Bausteine ergänzt. Das Team-Teaching-Duo Beckmann / Brand-Schoder bespielte mit seinen unterschiedlichen Biografien, Geschlechtern und Sichtweisen selbst die Klaviatur der Vielfalt in der Bundeswehr. Das kam bei den Teilnehmenden sehr gut an. „Ein Lehrgang, den ich unbedingt weiterempfehle“, lautete am Ende der Woche das einhellige Fazit.