Autor: Maximilian Voss; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 31.01.2017

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Generalmajor Huhn über den Cyberinformationsraum

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Lehrgangsteilnehmer folgen interessiert den Ausführungen

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,,Cyber" als aktuelles Thema des Verteidigungsbündnisses

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Herzlicher Empfang durch stellv. Kommandeur, Flottillenadmiral Karsten Schneider

Anlässlich eines Lehrdeputats an der Führungsakademie der Bundeswehr besuchte Generalmajor Walter Huhn, Kommandeur der NATO Communication and Information Systems Group (NATO CIS Group), die Lehrgangsteilnehmer der Generalstabs- und Admiralstabausbildung, um über die aktuellen Herausforderungen des Verteidigungsbündnisses im Bereich Cyber zu berichten. Gleichzeitig war es der Auftakt einer Veranstaltungsreihe, durch welche die Lehre an der Führungsakademie vom Wissen der Spitzenkräfte profitieren soll.

Bedrohung durch Cyberangriffe steigt

"Nach unseren neuesten Erhebungen gab es im vergangenen Jahr pro Monat durchschnittlich 500 bedrohliche Cyberangriffe auf Einrichtungen der Nato, die ein intensives Eingreifen von Seiten unserer Experten erforderlich machten", äußerte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor kurzem gegenüber den Medien. Damit sei die Anzahl der Angriffe um knapp 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die meisten dieser Attacken würden "von staatlichen Institutionen anderer Länder gesponsert", berichtete Stoltenberg weiter. "Ich bin äußerst besorgt über diese Entwicklung.“

Strategie der NATO

„Angesichts der Zunahme von Angriffen auf unsere Netzwerke und der großen Bandbreite an gegnerischen Potenzialen sind wir gezwungen Strategien zu entwickeln, um auf diese Bedrohungen angemessen reagieren zu können“, erläuterte Generalmajor Huhn seinen Zuhörern. „Wir betrachten Cyber als eigene "Domäne", parallel zu den Operationsebenen Land, See, Luft“, erklärte er weiter und unterstrich damit die Relevanz des Informationsraumes für die erfolgreiche Durchführung militärischer Missionen.

Technologischer Fortschritt heizt Entwicklung an

Laut Huhn gehe die Organisation davon aus, dass die Attacken zukünftig komplexer und herausfordernder werden. „Immer mehr Endgeräte kommunizieren über das Internet miteinander, Stichwort ‚Internet der Dinge‘. Diese Geräte können unmerklich für den Benutzer gehackt, zu einem schlagkräftigen Netzwerk verbunden und für Angriffe missbraucht werden“, begründet der General den Bedeutungszuwachs der Dimension Cyber. „Die dahinterstehenden Ziele können ganz unterschiedlich sein. Von der Einschleusung von Viren bis zum Datenklau ist alles vorstellbar“, führt Huhn aus. „Im Resultat kann festgehalten werden, dass es das Bündnis schädigen oder zumindest unsere Kampfkraft mindern soll.“

Schwere Folgen

Auch im militärischen Bereich basiert heute vieles auf der Übertragung von Daten. „Kommt es zu einer Beeinträchtigung unser Kommunikations- und Informationsmittel, kann das schwerwiegende Folgen für die Verteidigungsbereitschaft der NATO haben“, weiß Huhn. Er erläuterte an zahlreichen Beispielen die möglichen Folgen von Cyberattacken. Bei einem mehrwöchigen Angriff auf Estland im Jahr 2007 gelang es den Angreifer wichtige Elemente der Infrastruktur lahmzulegten und ganze Einrichtungen des Staates und der Politik einfach auszuschalten. „Übertragen auf die Streitkräfte der Bündnisstaaten hieße das“, so der Generalmajor, „sie wären schlichtweg kampfunfähig“.

Schwachstellen erkannt

„Unsere Systeme sind gut geschützt“, berichtet Huhn. Jedoch wies er auf eine ständig latente Gefahr hin. „Das schwächste Glied in einer Kette von Sicherheitsmaßnahmen“, hob er hervor, „ist und bleibt der Mensch“. So sei die Nutzung eines ungeprüften USB-Sticks meist die einzige Möglichkeit ein entkoppeltes, autarkes Netzwerk zu infiltrieren. Um die Sensibilität der Mitarbeiter zu erhöhen, setzt die NATO weiterhin auf sogenannte Awareness-Maßnahmen, „Das Personal zu schulen und über den sicheren Umgang mit neuen Technologien zu unterrichten, hat höchste Priorität“, erklärt der General. „Nur so lässt sich ein Kulturwechsel im Umgang mit IT einleiten und die Prozesse verbessern.“

Ein gutes Stück Arbeit

Das Herausheben des Cyber- und Informationsraumes als gesonderte Operationsebene ist nur der erste Schritt für die NATO. Damit das Bündnis zukünftig im internationalen Rahmen auf Bedrohungen adäquat reagieren und im Cyberraum operieren kann, muss das eigene Personal qualifiziert und infrastrukturelle Kapazitäten geschaffen werden. Ebenso sind die Mitgliedstaaten gefordert operative Fähigkeiten im Cyberraum zu entwickeln und diese später ins das Militärbündnis einzubringen. „Wir haben bisher viel erreicht, jedoch auch noch ein gutes Stück Arbeit zu leisten“, fasste Generalmajor Huhn schließend zusammen.