Frieden, Gewalt, Konflikt – Herausforderungen für eine zeitgemäße Politikgestaltung

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Bundeswehr / Online

Hamburg, 24.10.2017

"Non-Violence" Skulptur von Carl Fredrik Reuterswärd

 

Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig von Bruno Schmitz (1913)

Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig von Bruno Schmitz (1913)

 

Gemälde von Gerard ter Borch (1648)

Gemälde von Gerard ter Borch (1648)" Westfälischer Frieden"

 

Afghanistan - Auf der Suche nach einem Frieden

Afghanistan - Auf der Suche nach einem Frieden

 

 

Welt im Chaos – Frieden neu denken?  „Die Welt, wie wir sie gekannt haben, scheint aus den Fugen geraten. Muss unsere Vorstellung vom Frieden korrigiert oder gar neu erfunden werden?“ Diese und weitere Fragen stellten sich die 17 Teilnehmer des ausgebuchten Seminars „Frieden, Gewalt, Konflikt – Herausforderungen für eine zeitgemäße Politikgestaltung“, das an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) stattgefunden hat.

Das Spektrum der Seminarteilnehmer reichte von zehn militärischen über sechs Reservedienstleistende bis zu einer Teilnehmerin aus dem zivilen Bereich. Vier Tage haben sie sich mit den Herausforderungen rund um das Thema „Frieden“ beschäftigt und sind der Frage nachgegangen, mit welchen Konzeptionen eine den Frieden im Blick haltende Politik beachten muss.

Idee des Friedens

In einem ersten Abschnitt des von Dr. Sabine Jaberg, Dr. Cora Schenke und Dr. Alexander Mätzig angeleiteten Moduls haben sich die Teilnehmer zum einen mit der Idee des Friedens auseinandergesetzt und zum anderen mit dem Friedensbegriff. Die Gegenüberstellung des „Friedens“ zur „Sicherheitspolitik“ lässt anschaulich werden, welche Schwierigkeiten zum Verständnis bestehen, wenn sich zunächst Klarheit über den Begriff des Friedens verschafft werden muss. „Frieden“, so Jaberg, „beinhaltet zunächst eine soziale Komponente, die keine Gewalt beinhaltet. Demgegenüber lässt der Begriff ,,Sicherheit" durchaus eine Gewaltkomponente zu. Er trägt ein asoziales Element in sich.“  

Bewährte Friedensordnungen

Am zweiten Tag stand die Frage im Mittelpunkt, inwieweit die nach großen Kriegen gefundenen Arrangements als Friedensordnungen gesehen werden können. Dieses zeigen der Westfälische Frieden (1648) nach dem Dreißigjährigen Krieg und der Wiener Kongress (1815) im Anschluss an die Napoleonischen Kriege. Erwähnt werden müssen zudem die Friedensverträge von Versailles (1919/20) zur Beendigung des Ersten Weltkriegs und die Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg, die durch das Potsdamer Abkommen (1945) und die UNO-Charta (1945) entstand. Die Bedeutung von Verhandlungen oder kongressähnlichen Institutionen erörterten die Experten als wiederkehrende Konstanten.

Frieden bedeutet immer Arbeit

,,Frieden bedeutet Arbeit". Dieser Aspekt stand im dritten Abschnitt des Seminars im Mittelpunkt. Verdeutlicht werden konnte dieses unter anderem anhand des Dialogs zwischen den Weltreligionen. Im Hier und Jetzt sollen dabei Gemeinsamkeiten gefunden werden, ohne Unterschiede zu leugnen. Eine gute Basis für einen Dialog in wechselseitiger Anerkennung sei die goldene Regel, die jeder Weltreligion innewohne. Ihre wohl prominenteste Fassung lautet: „Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg‘ auch keinem andern zu“. Ob eine Arbeit am Frieden erfolgreich ist, ist nicht vorhersagbar, doch ermuntern gute Beispiele, wie Ruanda oder die Peacekeeping-Maßnahmen im Rahmen von UN-Missionen zeigen.

Kritik an wissenschaftlicher Perspektive

An drei Tagen wurden wissenschaftliche Betrachtungen des Friedens diskutiert. Am letzten Tag des Seminars wurde „Frieden“ als wissenschaftliches Thema und politische Herausforderung kritisch betrachtet. Auf diese Weise rundete ein starker Kontrapunkt das Seminar ab. Das Fazit lautet: Frieden muss nicht ganz neu erfunden werden. Jedoch sollten Diskurse zueinander neu geschüttelt, bestehende Ansätze kritisch gewogen und alternative Wege erkundet und gegebenenfalls beschritten werden. Den ausführlichen Bericht von Dr. Sabine Jaberg zum Seminar finden Sie hier: Link