Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Katharina Junge

Hamburg, 04.10.2017

Generalleutnant Perry Lim, Chief of Defense von Singapur

Generalleutnant Perry Lim, Chief of Defense von Singapur

Generalinspekeur Volker Wieker beim Eintrag ins Gästebuch

Generalinspekeur Volker Wieker beim Eintrag ins Gästebuch


v.li.: Konteradmiral Carsten Stawitzki, Generalleutnant Perry Lim, General Volker Wieker

v.li.: Konteradmiral Carsten Stawitzki, Generalleutnant Perry Lim, General Volker Wieker

 

Eintauchen in die Lage Südostasiens - Besuch des Chief of Defense von Singapur

Mit dem Besuch von Generalleutnant Perry Lim Cheng Yeow, Chief of Defense von Singapur, an der Führungsakademie der Bundeswehr, hat die Führungsakademie den Blick nach Südostasien gerichtet. Der in Begleitung von General Volker Wieker, Generalinspekteur der Bundeswehr, nach Hamburg gereiste Chef der Verteidigungskräfte Singapurs hielt vor den Lehrgangsteilnehmenden der Lehrgänge des Generalstabs- und Admiralstabsdienstes international (LGAI 2017) und national (LGAN 2016) einen Vortrag über die Verteidigungsstrategie Singapurs. Seit August 2015 steht Perry Lim den Streitkräften seines kleinen Commonwealth-Mitgliedsstaates vor.  

Sicherheitspolitische Lage eines kleinen Landes

General Lim nimmt seine Zuhörer mit in die sicherheitspolitischen Herausforderungen des Stadtstaates an der Spitze der Malaiischen Halbinsel. Wenngleich die Bevölkerung nur 5,6 Millionen Menschen beträgt, so stellt Singapur doch eine militärische Macht in der süsdostasiatischen  Region dar. Die Wirtschaftsleistung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, beträgt mit etwa 300 Milliarden USD etwa ein Zehntel der von Deutschland. Doch gibt Singapur jährlich 3,4 % seines BIP für die Singapur Arme Forces aus. Die Streitkräfte der Republik umfassen drei Teilstreitkräfte. Neben dem Heer, das über etwa 50.000 aktive Soldaten und eine Reserve von 170.000 Mann verfügt, besteht die Marine, in der etwa 4.500 Soldaten dienen. Die Luftwaffe Singapurs ist die jüngste der drei
Teilstreitkräfte und wurde erst nach dem Rückzug der Royal Air Force im Jahre 1968 aufgestellt. In Ihr leisten 6.000 Soldaten ihren Dienst.

Total Defense-Strategie - jeder Bürger muss ran

Singapurs Verteidigung orientiert sich mit der „Total Defense“-Strategie an der von Österreich, Schweden und Dänemark. Die 1984 etablierte Strategie bedeutet die Vernetzung sämtlicher Lebensbereiche zur Abwehrbereitschaft des Staates und beruht auf fünf Säulen. "Military Defence" wird durch die Singapore Armed Forces (SAF) sichergestellt, deren Auftrag darin besteht, Singapurs Sicherheit und Frieden durch Abschreckung und Diplomatie zu gewährleisten. Umgesetzt wird derzeit die Militärdoktrin der sogenannten dritten Generation für die SAF. "Civil Defence" umfasst die Vernetzung sämtlicher ziviler Bereiche. Durch diese Säule der Strategie werden die Einwohner Singapurs zu jeder Zeit darauf vorbereitet, was sie im Falle einer Verteidigungssituation zu tun haben. Unterstützt wird dieser generelle Ansatz durch die Singapore Civil Defence Force (SCDF). Die SCDF bildet Zivilpersonal in Erster-Hilfe aus oder trainiert Rettungs- und Evakuierungsmaßnahmen mit den Einwohnern. "Economic Defence" umfasst die Erhaltung der wirtschaftlichen Strukturen und der Wirtschaftsleistung des Staates. Darunter wird in Singapur, so General Lim, auch verstanden, die Konkurrenzfähigkeit des Staates ebenso sicherzustellen wie die Sicherung von Zielen des Umweltschutzes. Lim führte aus, dass es im Kern darum geht, dass Singapurs Wirtschaft in Zeiten einer Krise nicht zusammenbricht.

Harmonisches Zusammenleben und Loyalität zum Staat sind Strategie

„Der "Social Defence" komme", so Lim weiter, „die größte Bedeutung zu, denn sein Land lebt unter der Herausforderung, eine multi-ethnische, multi-kulturelle und multi-religiöse Gesellschaft zu sein“. So ist die Sicherung eines harmonischen Zusammenlebens wichtig, da diese erst die vollumfängliche Verteidigungsbereitschaft zulässt.  "Psychological Defence" ist die letzte der fünf Säulen. Hierunter wird in Singapur das klare Committment der Bevölkerung zum Staat Singapur verstanden. Diese Loyalität ist die Basis, um einem Angreifer Widerstand leisten zu können und für den kleinen Staat einstehen zu wollen.

Singapurs Einflussstärke in der Region

In der abschließenden Diskussion mit den Lehrgangsteilnehmenden bewertete der Besucher aus Fernost noch einmal die Bedeutung seines Landes für die Region. „Gewiss“, so der Generalleutnant, „Singapur ist ein kleines Land“. Doch nähme es Einfluss in der Region durch das Fünf-Mächte-Verteidigungsbündnis, dass neben Singapur auch Großbritannien, Australien, Neuseeland und Malaysia umfasse. Singapur unterstützt die Asien-Pazifik-Politik der Vereinigten Staaten. General Lim betonte, dass Singapur seit langem Teilhabe an den humanitären Hilfsmaßnahmen wie auch an den Friedensmissionen der Vereinten Nationen hat. Die Bindungen zwischen der FüAkBw und Singapur sind eng. Dieses zeigte nicht nur der Besuch des Chief of Defense der Republik Singapur, sondern auch daran, dass die FüAkBw regelmäßig auch Offiziere der Singapur Armed Forces ausbildet. Diese lebendige Beziehung nach Singapur wurde durch den Besuch von Generalleutnant Lim noch einmal gefestigt.