Autor: Maximilian Voss; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 29.01.2017

decoration / Dekoration

Konteradmiral Stawitzki fordert: ,,Bleiben Sie wachsam!"

decoration / Dekoration

Direktor des Militärhistorischen Museum zum Vortrag an der Führungsakademie der Bundeswehr

decoration / Dekoration

Prof. Dr. Rogg: „Juden waren patriotische Kämpfer auf deutscher Seite im Ersten Weltkrieg.“

decoration / Dekoration

Personal der Führungsakademie folgt den Ausführungen

decoration / Dekoration

Kampf um Anerkennung der Glaubensrichtung und der militärischen Verdienste

„Heute sind die Flaggen auf Halbmast gesetzt, denn wir wollen uns erinnern“, sind die Worte, die der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, zur Eröffnung der Veranstaltung zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts fand. Umgangssprachlich wird dieser Tag auch als "Holocaust-Gedenktag" bezeichnet. Er wurde 2005 von den Vereinten Nationen eingeführt, um des Holocausts sowie des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau zu gedenken.

Mahnung für uns alle

Dieser Tag hält die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten wach. „Was haben Menschen anderen Menschen bloß angetan?“, stellt Stawitzki fragend in den Raum. Der Gedenktag sei als stete Mahnung anzusehen. „Uns selbst zu ermahnen“, so der Kommandeur weiter, „ist die Forderung an jeden einzelnen von uns.“ Man müsse auch künftig wachsam bleiben und die Erinnerung nicht enden lassen, forderte er weiter, denn nur „aktives Nachdenken über die Vergangenheit gibt Orientierung für die Zukunft“.

Wachsam bleiben

„Wir alle müssen hinsehen und uns Gedanken über die Umwelt und uns selbst machen“, sagte Stawitzki. Nur so gelange man zu den Erkenntnissen, um die schnelllebige und komplexe Welt noch verstehen zu können. „Die Verfolgung der Juden begann nicht schon im Mittelalter. Sie begann auch nicht erst mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten“, klärte er auf und fügte hinzu: „Jedoch beginnt sie auch heute – darum bleiben Sie wachsam!“ Anschließend unterstrich der Konteradmiral seinen Anspruch an das Publikum. „Als Soldaten sind wir bereit, für die Freiheit und Demokratie unser Leben einzusetzen, und als Staatsbürger in Uniform sind wir zur Zivilcourage angehalten.“

Soldaten unterm Davidstern

Das Leben jüdischer Soldaten in den deutschen Streitkräften im Zeitalter der Weltkriege stellte der Direktor des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr, Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg, anschließend in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Dabei veranschaulichte er die wechselvolle Geschichte jüdischer Soldaten symbolisch anhand eines Eisenbahnwagons. Im Ersten Weltkrieg wurde dieser als Transportmittel für die Soldaten des Deutschen Kaiserreiches an die Front genutzt. Unter ihnen waren auch zahlreiche Soldaten jüdischen Glaubens. Im Zweiten Weltkrieg fanden diese Wagons häufig bei der Deportation jüdischer Gefangener in die Vernichtungslager ihre Verwendung. Das Militärhistorischen Museum in Dresden stellt einen solchen Wagen in seiner Sammlung aus.

Zeit nehmen zu erinnern

„Juden kämpften im Ersten Weltkrieg patriotisch für Deutschland, aber gleichzeitig auch für die Anerkennung ihrer Glaubensrichtung“, berichtete Rogg. Doch der später staatlich legitimierte Antisemitismus führte zu einer weit verbreiteten Diskriminierung und Ausgrenzung der jüdischen Soldaten in den deutschen Streitkräften. Viele ließen ihre Leben in den Konzentrationslagern. „Wir haben die Verantwortung, ein Zeichen für Toleranz zu setzen. Ebenso haben wir die Verantwortung zu entscheiden, den Menschen, die anders denken entgegenzutreten. Es ist möglich, wenn wir uns die Zeit nehmen zu erinnern“, sagte Rogg schließend.

Zum Nachdenken animiert

Musikalisch wurde die Veranstaltung von einem Holzbläser-Trio des Luftwaffenmusikkorps Münster begleitet. Mit Stücken von Ignaz Josef Pleyel (Romance aus Trio Nr. II) und Wolfgang Amadeus Mozart (Diventimento Nr. 5 – 3. Satz Adagio) gelang es der Kammermusikbesetzung, die Stimmung aufzugreifen und die im Raum befindliche Nachdenklichkeit zu stützen.