Autor: Jürgen Bredtmann ; Fotos: Jürgen Bredtmann

Bad Reichenhall, 10.07.2017

Gibt die Richtung vor: Konteradmiral Carsten Stawitzki, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr

Gibt die Richtung vor: Konteradmiral Carsten Stawitzki, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr

Zu den 142 menschlichen Dienstposten im Zentrum kommen 54 Tiere, meist diese genügsamen Maultiere, also Nachkommen von Eselhengst und Pferdestute

Zu den 142 menschlichen Dienstposten im Zentrum kommen 54 Tiere, meist diese genügsamen Maultiere, also Nachkommen von Eselhengst und Pferdestute

Grandiose Aussicht auf 1.750 Meter Höhe

Grandiose Aussicht auf 1.750 Meter Höhe

Geschafft: 600 Höhenmeter in etwa drei Stunden

Geschafft: 600 Höhenmeter in etwa drei Stunden

Gebirgsjäger stürmen unter Deckungsfeuer und dem Einsatz von Nebel von oben die feindliche Stellung

Gebirgsjäger stürmen unter Deckungsfeuer und dem Einsatz von Nebel von oben die feindliche Stellung

Der Marsch am Bach bot etwas Entspannung zwischen den beiden Bergmärschen

Der Marsch am Bach bot etwas Entspannung zwischen den beiden Bergmärschen

Auch eine mentale Herausforderung: Der einfache Seilsteg

Auch eine mentale Herausforderung: Der einfache Seilsteg

 

 

Zum Teambuilding, aber auch zur Ausbildung riefen die Berge. Nach etwa 90-minütigem Flug mit dem Airbus A400 M und kurzer Standrundfahrt durch Salzburg landete der Lehrgang General-/ Admiralstabsdienst National 2016 (LGAN 16) in der Kaserne der Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“. Der Kommandeur, Oberst Jared Sembritzki, erläuterte kurz den Auftrag der Brigade: Einsatz. Danach ging es für die Lehrgangsteilnehmer hoch hinaus. Eine Ausbildungsgruppe fuhr auf die Winklmoosalm, die andere auf die Reiteralpe. Beide Gruppen richteten sich zunächst in den Berghütten ein und bereiteten den kommenden Ausbildungstag vor. Intensive Gespräche, auch mit dem Kommandeur der Führungsakademie, sowie Gesellschaftsspiele prägten den ersten Abend.  


Tag des Tragtieres

Aus dem Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230 berichtete die Dienststellenleiterin, Oberfeldveterinär Heike Henseler. Maultiere und Haflinger werden hier für den Transport von Lasten oder zum Reiten genutzt und dafür trainiert. Die Maultiere sollen vor allem Waffen, Munition sowie Versorgungsgüter tragen und schaffen auch auf nur 40 Zentimeter breiten Wegen am Berg etwa vier Kilometer pro Stunde. Die Pferde können außerdem zur Erkundung oder Aufklärung eingesetzt werden. Alternative Tragtiere wie Kamele, Elefanten oder Yaks seien zwar grundsätzlich denkbar, aber derzeit wohl nicht realistisch, beantwortete die Frau Oberfeldveterinär schmunzelnd eine Nachfrage.


Auf den Berg

Der Marsch am Nachmittag über 600 Höhenmeter war als Bergwanderung angekündigt. Einige der Kameraden mussten sich allerdings mit der ungewohnten Belastung erst anfreunden. „Das ist aber schon mehr als eine Wanderung hier“, keuchte der ein oder andere während der zum Teil steilen Anstiege und auf dem Grat. Aber: aufgeben gibt es nicht, die Gruppe startet gemeinsam und kommt gemeinsam an - ein Team eben.

Oben

Am Gipfelkreuz begrüßte der jeweilige Bergführer jeden einzelnen der drei Marschgruppen traditionell per Handschlag und „Berg heil!“. Der Bergführer einer Gruppe wurde am Gipfel zum Oberstleutnant befördert. Diese Beförderung durch einen U-Boot Fahrer und Admiral am Gipfelkreuz bleibt sicher eine besondere Erinnerung. Am Abend stärkte die Band der Führungsakademie, „Cause of Action“, durch ein über zweistündiges Unplugged-Konzert die Kameradschaft. Alle durften mitsingen, auch einige spezielle Musikwünsche improvisierten die Musiker. „Das war ein toller Abend, das haben wir hier noch nicht gehabt“, meinten auch die betreuenden Kameraden der Gebirgsjägerbrigade.

Rundum fitte Soldaten

Am dritten Tag zeigte die Gebirgsjägerbrigade deren Kampfwert in „ihrem“ Gelände. In Bergen und Schluchten, da sind die Kameraden zu Hause. Abseilen, Seilgeländer sowie Seilrutsche, 40 Kilogramm schwere Rucksäcke mit Waffen und Munition hoch in die Stellung, unsichtbare Scharfschützen, Sturmtrupps rennen den Steilhang runter, Retten eines Verletzten aus dem Berg: „Realistische und beeindruckende Bilder, die uns das Gebirgsjägerbataillon 232 mit seinen fitten Soldaten da gezeigt hat“, bedankte sich Major Stefan Hille stellvertretend für den LGAN 16 beim Kommandeur der Gebirgsjäger, Oberstleutnant Michael Bender.

Mit der Seilbahn auf den Truppenübungsplatz

Nach einem zünftigen bayerischen Mittagessen ging es im Anschluss zu Fuß durch die Weißbachtal- Klamm, ein 90-minütiger Marsch entlang des teils reißenden Baches. Am Ende warteten die Busse, um die Soldaten zur Talstation zu bringen: mit der Seilbahn fuhren die Kameraden rauf auf die Reiteralpe, einen Truppenübungsplatz der Bundeswehr. Nach einem kurzen Abend warteten am nächsten Tag neue Anstrengungen auf die Lehrgangsteilnehmer. Klettern in der Felswand, einfacher Seilsteg und Abseilen sowie der Aufstieg zum großen Weitschartenkopf auf 1976 Meter.

Praktische Ausbildung, körperliche Forderungen

Am Seilsteg die Sicherung einhaken, das fiel den meisten noch leicht. Sich dann aber kopfüber auf das Seil zu legen, das natürlich dann nachgab, war für viele schwierig. Und dann das Gleichgewicht oben auf dem Seil zu halten - das gelang leider nicht allen. Aber alle kamen auf die andere Seite, das Team machte zusammen weiter. Auch beim Aufstieg auf den 1976 Meter hohen Berg, bei dem es in einer Tour 400 Höhenmeter zu überwinden galt. Die ein oder andere Pause wurde durchaus notwendig, aber alle schafften auch diese Herausforderung - sowie anschließend auch den Berg wieder runter. Insgesamt eine äußerst wertvolle Woche, befand Oberst i.G. Henning Weeke, der den Lehrgang LGAN 2016 leitet. „Unser Respekt und unsere Wertschätzung für die Gebirgstruppe haben sich verstetigt“, bedankte er sich bei den Kameraden der Brigade 23 für deren großen Mühen und Aufwand. „Und wir sind enger zusammen gewachsen. Das war eine prima Woche und ein tolles Erlebnis!“