Autor: Inka von Puttkamer ; Fotos: Katharina Junge

Hamburg, 06.07.2017

General Wieker: „Sicherheit nicht zum Nulltarif"

Admiral Carsten Stawitzki bei der Begrüßung

Zwei Flagoffiziere schreiten zur Tat

Weiter auf dem gemeinsamen Weg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Offen und freimütig‘‘- zu einem intensiven Austausch hat der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, die Teilnehmer des Basislehrgangs Stabsoffizier (BLS) und „Grundlagen der operativen Führung und Operationsplanung‘‘ angeregt. Der ranghöchste Soldat der Bundeswehr in Deutschland ist für einen Vortrag sowie Gedankenaustausch extra an die Führungsakademie der Bundeswehr gereist, um die Offiziere, die sich für den Generals- und Admiralstabsdienst qualifizieren, im persönlichen Gespräch zu treffen. Traditionell nimmt er sich für den BLS sehr gerne Zeit, obwohl es eine „Herausforderung ist, jeden in der Bundeswehr mit den für uns wichtigen Botschaften zu erreichen‘‘, wie er erklärt.

Fragen im Klartext

In diesen bewegten Zeiten ist ihm der persönliche Austausch besonders wichtig. Die jungen Offiziere, die gerade am Beginn ihrer Karriere als Berufssoldaten stehen, nehmen ihn beim Wort. Sie stellen persönliche, kontroverse und provokante Fragen zu allem, was zurzeit in der Bundeswehr diskutiert wird: zur hohen Einsatzbelastung, zu aktuellen Diskussionen in den Medien über die Truppe, Fragen zu Personal, Material, Haushalt, aber auch zur Binnenkommunikation und zu Beschaffungsprojekten.

Ungeschminkte Antworten

Bereitwillig antwortet Wieker - und die Offenheit und Ehrlichkeit, die er unter anderem durch eine Kompaniechefin aus Donauwörth mit persönlichen Erlebnissen erfährt, sind sehr groß. Das braucht und zeigt Vertrauen - auf beiden Seiten. Er macht bei der Beantwortung aller Fragen deutlich, wie seine vermittelnde Rolle zwischen den Soldaten und der politischen Leitung des Bundesministeriums der Verteidigung aussieht. „Das gemeinsame Ziel steht jedoch im Vordergrund‘‘, sagt er.

Ansprechende Verbesserungen

Er betont, dass die letzte Legislaturperiode viele positive Entwicklungen gebracht hat, und erwähnt in diesem Zusammenhang die signifikante Budget- und Personalerhöhung, die effektiven Werbemaßnahmen und die Beteiligung an der Aufstellung der Very High Readiness Joint Task Force, der schnellen Eingreiftruppe der NATO. So schlägt er den Bogen zur sicherheitspolitischen Lage, in der sich Deutschland zurzeit befindet. „Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif‘‘, erklärt er und beschreibt nach einer Reihe von Beispielen von Krim-Krise bis Nato-Truppenstationierung in den baltischen Staaten, dass Deutschland als verlässlicher und verantwortungsvoller Partner in Europa im Blick ist. Es gebe eine Erwartungshaltung an die Mittelmacht Deutschland. Die Landes- und Bündnisverteidigung ist wieder in den Fokus gekommen, sagt Wieker auch mit einem Verweis auf die Ergebnispräsentation des nationalen Lehrgangs Generalstabs- und Admiralstabsdienst mit dem Thema „Landes- und Bündnisverteidigung neu denken‘‘.

Kameradschaftliche Worte

Was die Lehrgangsteilnehmer aus dem BLS mitnehmen sollten, wird Wieker zum Schluss gefragt. Mit Blick auf die neue, kompetenzorientierte Ausbildung ohne Prüfungen antwortet er, dass der Lehrgang nach der Umstellung das Augenmaß anlege, das dem Anliegen gebühre, die gesamte Persönlichkeit und die Talente der Lehrgangsteilnehmer zu erfassen (Informationen zur kompetenzorientierten Ausbildung). Zweifelsfrei gibt es derzeit viel Redebedarf in der Bundeswehr zwischen den Hierarchieebenen. Wieker sagt, „die neuen Entwicklungen brauchen jetzt Zeit, um ihre Wirkung zu zeigen, alle Beschäftigten der Bundeswehr müssen den Weg gemeinsam gehen, um erfolgreich zu sein.‘‘ Bei aller Fülle des Terminkalenders steht die Kommunikation auf seiner Prioritätenliste ganz oben, und er hält fest: „Ich bleibe lieber im Format, miteinander als übereinander zu sprechen.‘‘ Getreu diesem Motto darf sich der folgende BLS in den Spätsommermonaten sicherlich auf zahlreiche ehrliche und ungefilterte Worte seines höchsten Vorgesetzten freuen.