Autor: Marcel Bohnert; Fotograf: Marcel Bohnert

Hamburg, 18.04.2017

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Umfassendes Verständnis für Clausewitz

 

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Reales Kriesenszenario

„Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ – Wer hat dieses Carl von Clausewitz-Zitat in seiner Dienstzeit nicht schon häufiger gehört oder sogar selbst benutzt? Die richtige Einordnung dieser Aussage fällt angesichts der Komplexität der von Clausewitz entwickelten Strategietheorie allerdings nicht allzu leicht. Zudem ist das Zitat in der obigen Form nur eine sinngemäße Wiedergabe der Formulierung in seinem Hauptwerk „Vom Kriege“.


Das Clausewitz-Netzwerk für Strategische Studien (CNSS) führte an der Führungsakademie der Bundeswehr ein Strategieseminar durch, um den Clausewitz´schen „Nebel des Krieges“ für ausgewählte nationale und internationale Teilnehmer des Lehrganges Generalstabs-/Admiralstabsdienst 2015 (LGAN 2015) ein wenig zu lüften. In der ersten Woche wurden den Teilnehmern grundlegende Gedankengänge des Militärwissenschaftlers näher gebracht. Prof. Dr. Lennart Souchon vermittelte dabei in Vorträgen die Kernelemente der Militärtheorie. Diese wurden in gemeinschaftlichen Diskussionen vertieft. Im Verlaufe der Woche wurde auf diese Weise unter anderem ein Verständnis für Wahrscheinlichkeiten und Zufälle im Krieg sowie Moralische Größen erworben. Zwei Paneldiskussionen rundeten die erste Seminarwoche ab. Dort wurden die Kernelemente der Theorie in einen Zusammenhang gebracht, um daraus eine Methode zu entwickeln, mit der strategische Lagen tiefgreifend um umfassend erfasst werden können.


Die Seminarleitung der Praxiswoche übernahm Fregattenkapitän Oliver Heinicke. Er wurde dabei zeitweise von Dr. Martin Wolff (Expertise: Philosophie mit Schwerpunkt Konfliktforschung) sowie von Stefan Licht (Expertise: Wirtschaft und Unternehmensberatung) unterstützt. Das Praxisszenario war in die reale und tagesaktuelle Situation eines Konfliktgebietes eingebettet. Die Seminarteilnehmer nahmen die Rolle von Referenten im BMVg ein und wurden damit beauftragt, militärische Handlungsoptionen im Rahmen des gesamtpolitischen Handelns Deutschlands zu entwickeln. Auch wenn der Auftrag die Erstellung einer Tischvorlage vorsah, lag der Schwerpunkt darauf, die Denkprozesse zu erkennen und zu verstehen, die bei der Auftragsanalyse und eigenen Standortbestimmung, der Konfliktanalyse sowie zur Entwicklung zielgerichteter Handlungsoptionen ablaufen. Die Ergebnisse der Praxiswoche wurden dem Direktor Lehre an der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Thomas Hambach, in Form eines Tischgespräches vorgetragen.


In der abschließenden Feedbackrunde wurde deutlich, dass das zweiwöchige Seminar begeistern konnte und von allen Teilnehmern als äußerst gewinnbringend empfunden wurde. Das Verständnis davon, wie sehr das Denken von Clausewitz´ die militärischen Führungsprozesse beeinflusst und wie aktuell seine Ideen auch heute noch sind, konnte vermittelt und die Vorstellungen einer verstaubten Theorie aufpoliert werden.