Autor: Jörg Barandat; Fotograf: Jörg Barandat / AIRBUS

Hamburg, 13.04.2017

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OTL i.G. a.D. Uwe Krempf: Gehirn macht Strategie - ich denke - also bin ich - also irre ich.

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OTL i.G. Dr. Dr. Kai Busch, Referat Zukunftsanalyse, Planungsamt der Bundeswehr: Hybride Kriege sind keine neue Form der Konfliktaustragung.

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Werksbesichtigung im Anschluss an die Gewährung tieferer Einblicke in „Strategy & Development“ im Konferenzraum

stellte bereits 1955 der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss fest. Was bedeutet dies angesichts des rasanten Wandels, der Multiplexität und Vielschichtigkeit im heutigen Cyber- und Informationsraum und dem damit verbundenen akuten Risiko, dass wir als „Informationsgiganten“ zu „Wissenszwergen“ werden? Und welche Folgerungen sollten wir daraus für unser politisches und strategisches Denken, Planen und Handeln ziehen?

Nachdem in den beiden Seminaren in 2016 Chinas Seidenstraßen-Strategie („One Belt, one Road - Initiative“) thematisiert wurde, rückt im diesjährigen Seminar das Thema „Hybride Machtprojektion“ in den Fokus. Mit Beginn des Seminars richteten sich alle Lerneinheiten -Globalisierung, Strategiegeschichte, Fähigkeiten strategischen Denkens und Kommunikation - in der politischen Machtprojektion bereits an dieser Schwerpunktsetzung aus.

Insbesondere der Beitrag des Planungsamts der Bundeswehr zur Zukunftsanalyse „als Fernlicht der Bundeswehr“ stellte dabei nachfolgend sehr deutlich den Charakter hybrider Kriege/Konflikte heraus:
- Räumlich und zeitlich entgrenzte, dabei meist nur schwer zum Verursacher zurück verfolgbare Machtprojektionen, vorrangig in zivile Gesellschaftsbereiche mit dem Ziel der Unterbrechung, Störung und Lähmung politischer, gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Systeme.
- Nutzung auch verdeckter militärischer Operationen, allerdings möglichst unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges.

Der halbtägige Block „Hybride Machtprojektion am Beispiel der russischen „Gerasimov Doktrin““ vertiefte und konkretisierte dann diese Grundlagen weiter durch die Analyse historischer, politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in Osteuropa, klärte politische Interessenlagen sowie konzeptionelle Grundlagen russischer hybrider Machtprojektion und machte am konkreten Beispiel Balkan Methoden russischer Einflussnahme transparent.

Mit dem abschließenden Besuch bei AIRBUS wurde uns die Möglichkeit eröffnet, vergleichend strategisches Denken in einem sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Kontext zu betrachten und dabei Gemeinsames wie Unterschiedliches zu entdecken.


Mit diesem Seminar haben wir uns bewusst als Suchende in ein Themenfeld begeben, in der viele politisch-strategische Fragen noch offen sind, sofern überhaupt schon erkannt („unknown unknowns“). Das, was wir bisher an Fake-News-Attacken und -Aktivitäten von „Troll-Fabriken“ erlebt haben, scheinen noch „Testballons“ zu sein, mit denen Akteure Erfahrungen sammeln und ihre Instrumente weiter entwickeln. Möglicherweise werden wir allerdings schon in naher Zukunft komplexen und koordinierten hybriden Angriffen ausgesetzt sein.

Wie sind wir darauf vorbereitet und welche erfolgversprechenden Abwehrstrategien haben wir? Militärisch sind wir wohl operativ-taktisch bei der Bundeswehr und NATO (NATO Handbook of Russian Information Warfare) schon gut aufgestellt. Aber wie sieht es mit unseren Fähigkeiten zur ressortübergreifenden „Gesamtverteidigung“ aus, wenn das Angriffsziel der Zusammenhalt der zivilen Gesellschaft ist?
Wissen, (politische und historische) Bildung, Persönlichkeit und Kultur sind in solchen Formen Hybrider Machtprojektion sehr bedeutsame Ressourcen im Kampf um Resilienz / Widerstandsfähigkeit gegen Desinformations- und Desintegrationskampagnen.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie fest in unserer Gesellschaft die Wertevorstellungen der europäischen Aufklärung verankert sind. Welche Rolle spielt z.B. die Forderung Immanuel Kants: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“?
Und wie halten wir Soldaten es mit der, schon vom preußischen Heeresreformer Generalleutnant Gerhard von Scharnhorst gestellten Forderung „Bildung ist Berufspflicht!“ mit dem Ziel der Herausbildung von Selbstdenken und eigener Urteilskraft?

Aus dem Kreis der Teilnehmer waren durchweg positive Bewertungen zu hören. „Das Seminar macht mehr Lust auf mehr Strategie“, kommentierte ein Seminarteilnehmer. Ein anderer zeigte sich ob der „vielen, vielen bunten Bauklötze mit einem sehr offenen Bauleitplan“ begeistert.

Das nächste Seminar Strategisches Denken ist für das erste Quartal 2018 geplant. Auch dann wird es wieder um ein aktuelles politisches Thema gehen, das einen angeregten und vor allem strategischen Diskurs befördern wird.

Weitere Informationen zum Modul 1007 finden Sie über diesen LINK.