Autor: Maximilian Voß; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 01.03.2016

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Generalleutnant Zimmer zu dem Ausrüstungsprozess der Bundeswehr

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Zuhörern werden die Besonderheiten militärischer Rüstungsprojekte aufgezeigt

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Zusammenarbeit mit anderen Nationen als Chance zur Kostenminimierung 

Jüngste Medienberichte zu Großprojekten der Industrie offenbaren, was Generalleutnant Benedikt Zimmer schon lange weiß: „Die zivile Industrie kämpft bei der Einführung neuer Systeme mit ähnlichen Problemen wie die Bundeswehr.“ Er erklärte im Rahmen eines Lehrdeputats an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, dass es viele Parallelen im Flugzeug-, Fahrzeug- oder Schiffbau hinsichtlich der Umsetzung neuer technischer Lösungen gäbe. Als Abteilungsleiter Ausrüstung im Bundesverteidigungsministerium und nationaler Rüstungsdirektor ist er für die konkrete Ausgestaltung der Rüstungspolitik im Rahmen der strategischen Leitlinien des Ministeriums verantwortlich und hat somit einen umfassenden Überblick über den Status der Rüstungsprojekte.

An der Grenze des Machbaren

Am Beispiel des leichten Unterstützungshubschraubers für die Luftwaffe zeichnete er ein Bild, „wie schwierig die Vorgänge in der Rüstung sein können“. Seiner Meinung nach gibt es im militärischen Bereich trotz der oben erwähnten Gemeinsamkeiten einige Unterschiede zur zivilen Industrie. Im Vergleich zu den zivilen Projekten liege dies hauptsächlich an der hohen Komplexität großer, militärischer Systeme. So lassen beispielsweise besondere Sicherheitsvorkehrungen sowie die Nachrüstung von elektrischem Equipment, einhergehend mit der damit verbundenen Verträglichkeitsprüfung, sogar die Einführung eines Hubschraubers „von der Stange“ bis zu zwei Jahre verzögern. „Hinzu kommt, dass wir uns bei der Planung und Einführung von Rüstungsgütern stets am Rande des technologisch Machbaren bewegen“, erklärte er weiter.

Für die Zukunft wappnen

Änderungen von Regelwerken und gesetzlichen Vorgaben machen zwischen der Planungs- und der Umsetzungsphase technische Abwandlungen notwendig. „Dies allein kann zu einer immensen Verzögerung unserer langfristigen Rüstungsprojekte führen“, sagte der General. „Um dem vorzubeugen, müssen wir frühzeitig Ausnahmeregelungen beantragen und durchsetzen.“ Ähnlich wie in anderen Bereichen der Bundeswehr spielt zunehmend die Europäisierung auch in der Rüstung eine Rolle. So könnten europaweite Ausschreibungen dazu führen, dass die Ausgaben für künftige Projekte sinken. Ein anderer Ansatz ist die konsequente Zusammenarbeit mit anderen Nationen bei künftigen Rüstungsprojekten. Auch hier könnten sowohl bei der Forschung und Entwicklung, als auch durch die Ausbringung höher Stückzahlen die Kosten minimiert werden.