Autor: Maximilian Voß; Fotografin: Laura Clayborn

Hamburg, 14.02.2017

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Mit eigenen Werten und kulturellen Hintergründen auseinandersetzen

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Kulturbegriff deuten und einordnen

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Interkulturelle Kompetenz als Schlüssel-qualifikation gefragt – nicht nur beim Militär

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Tomforde will Impulse zur eigenen Reflexion über den Umgang mit anderen Kulturen geben

Die Welt wächst zusammen, Globalisierung und erhöhte Mobilität der Menschen sorgen dafür, dass Landesgrenzen keine Barrieren mehr darstellen. Beschleunigt durch die Liberalisierung der Arbeitsmärkte, sehen sich viele Länder mit Multi- und Interkulturalität auseinandergesetzt. So kennzeichnet heute die Vielzahl an religiösen, ethnischen und kulturellen Hintergründen der Bevölkerung die moderne Gesellschaft. Für ein gegenseitiges Verständnis ist deshalb die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten sowie der Rolle und Funktionen von Stereotypen und Vorurteilen von großer Bedeutung.

Verständnis erlangen

„Die interkulturelle Kompetenz spielt eine immer wichtigere Rolle bei der Förderung einer gesellschaftlichen Identität, des inneren Friedens und wirtschaftlichen Erfolgs“, erklärt Ethnologin Dr. Maren Tomforde. Sie leitet gemeinsam mit Psychologin Heike Bühring das Modul „Interkulturelle Kompetenz“ an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Die Teilnehmer des Seminars gehen deshalb nicht nur auf die Konzeptionen für Kultur, interkulturelle Kompetenz und des Fremden ein, sondern setzen sich vor allem auch mit sich selbst auseinander.

Schlüsselqualifikation

Aufgrund der zunehmend kulturellen Vielfalt in den deutschen Streitkräften, der Verwendung in multinationalen Stäben oder der Entsendung in Auslandseinsätze sind auch die Soldaten der Bundeswehr in zunehmendem Maße mit kulturellen Unterschieden und interkulturellen Erfahrungen konfrontiert. „Interkulturelle Kompetenz wird deshalb seit einigen Jahren als eine der Schlüsselqualifikationen für Soldaten einer Einsatzarmee betrachtet“, weiß Tomforde

Fähigkeiten stärken

Das Modul „Interkulturelle Kompetenz“ an der Führungsakademie verfolgt das Ziel, kulturallgemeine Grundlagen zu vermitteln und interkulturelle Fähigkeiten, wie beispielsweise ein grundlegendes Verständnis der eigenen Kultur, Ambiguitätstoleranz, Empathie, Rollendistanz sowie Kommunikationsflexibilität zu stärken. „Wir betrachten das Seminar als Bestandteil eines langfristigen Lernprozesses, mittels dessen die Teilnehmer professionell in einer zunehmend kulturell komplexen Umgebung auftreten zu können“, erklärt die Seminarleiterin.

Expertise von außen

Mehrere Vorträge von auswärtigen Referenten bereicherten das diesjährige Seminar. So trug beispielsweise eine Referentin vor, die in verschiedenen internationalen Unternehmen als Beraterin in diesem Themenfeld tätig war. Unter anderem zeigte sie auf, wie sie ihrer Firma auf kultursensible Art und Weise in Japan dazu verhalf, die lokalen Mitarbeiter für ein fast gescheitertes Projekt zu motivieren und für bis dahin unbekannte Arbeits- und Denkweisen zu begeistern. Zwei weitere Referenten eröffneten durch ihre authentischen Erfahrungsberichte aus der aktiven Flüchtlingshilfe neue Perspektiven auf die Themen Flucht, Integrationsmodelle und Umgang mit fremden Kulturen.

Historische Sicht auf Flucht und Migration

Ein Besuch des Auswanderermuseums in der Ballinstadt in Hamburg rundete dieses Mal das Seminar ab. Das Museum setzt sich anhand der mehr als fünf Millionen Flüchtlinge, die im 19. und 20. Jahrhundert von Hamburg aus per Schiff vorwiegend nach Nord- und Südamerika migrierten, mit der Entwicklung von Ein- und Auswanderung auseinander und erlaubt einen persönlichen Einblick in das damalige Leben der Menschen zu Zeiten ihrer Migration. „Der Besuch des Auswanderermuseums war sicherlich ein kultureller Höhepunkt für uns, der uns die vielfältigen Aspekte eines Aufeinandertreffens fremder Kulturen in plastischer Weise vor Augen führte“, fasste der Seminarteilnehmer Christoph Mey im Anschluss des Besuchs zusammen.

Impulse setzen

In Ergänzung zu den historischen Perspektiven erlaubten aktuelle Entwicklungen der Bevölkerungszunahme, Städteentwicklung und Migration einen anderen Blick auf die heutige Flüchtlingssituation in Deutschland und Europa. „Wir möchten damit einen weiteren Impuls zur Reflexion über den Umgang mit anderen Kulturen anregen“, erklärte Dr. Tomforde die Intention des Museumsbesuchs. Wie ein Teilnehmer am Ende des Seminars wissen ließ, ist der Funke übergesprungen: „Das Modul ist eine Inspiration als auch Bereicherung unserer Gedankenwelt. Mein künftiges Handeln wird dies sehr beeinflussen. Ich empfehle die Teilnahme an diesem Seminar jedem, der in Führungsverantwortung im internationalen Rahmen als auch in unserer von Kulturen durchmischten Gesellschaft steht.“