Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 11.09.2017

Konteradmiral Carsten Stawitzki bei seiner Dankesrede

Konteradmiral Carsten Stawitzki bei seiner Dankesrede

Oberst Harald Hellwig bei seiner Abschiedsansprache

Oberst Harald Hellwig bei seiner Abschiedsansprache

Entbindung von den Aufgaben

Entbindung von den Aufgaben

Mitglieder der Autorenriege des Buches ,,Der Golfkrieg"; Oberst Hellwig letzte Reihe, 1.v.li

Ansprache des neuen Leiters der

Ansprache des neuen Leiters der Gruppe "Strategie und Entwicklung", Oberstleutnant Erik Alexander Voigt

Abschied von der Führungsakademie

Abschied von der Führungsakademie

Beeindruckende Worte zum Abschied

Es waren herausfordernde Themen, die die letzten Monate seiner Dienstzeit geprägt haben: Der Leiter der Gruppe "Strategie und Entwicklung" durfte im vergangenen Jahr am großen Rad der Führungsakademie mitdrehen, die Neuausrichtung mit zu gestalten. Die Gruppe von Oberst i.G. Harald Hellwig zeichnete verantwortlich für die „Orchestrierung“ der Weiterentwicklung der Führungsakademie. Nach diesen sehr intensiven Zeiten verlässt er nun die Streitkräfte. Der Empfang im Beck-Saal anlässlich der Kommandoübergabe der Gruppe "Strategie und Entwicklung" an Oberstleutnant i.G. Alexander Erik Voigt machte deutlich: Mit dieser Übergabe enden für den ausscheidenden Stabsoffizier 42 Jahre spannender und vielseitiger Dienst in der Bundeswehr. Der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, verabschiedete ihn mit herzlichen Worten – ein berührender Abschied. Am 30.September 2017 wird Oberst Hellwig seinen letzten Tag in den Streitkräften erleben. Wie hat alles angefangen?

„Was keiner wagt, das sollt ihr wagen“

In einer sehr persönlichen Ansprache nimmt Oberst Hellwig die Zuhörer noch einmal mit an den Anfang seiner Bundeswehr-Laufbahn. Er zitiert aus seiner Rekrutenrede, die er als junger Panzerkanonier 1975 bei seinem feierlichen Gelöbnis in Homberg / Efze halten durfte. Sichtlich bewegt erzählt er von einem ihn prägenden Ereignis. Anlässlich seiner Beförderung zum Leutnant bekam er damals ein Buch von Lothar Zenetti geschenkt, in dem am Ende des Bandes das Gedicht „Was keiner wagt“ abgedruckt war. Die Verse des Gedichtes haben ihn während seines Berufslebens begleitet. Die Gedanken des Gedichtes seien ihm wichtig, „weil sie in ihrer Gesamtheit dazu auffordern, immer kritisch zu bleiben und in Wort und Tat sich selbst immer treu zu bleiben“, erklärt Oberst Hellwig. „Diese Worte haben mir immer Orientierung gegeben wie auch die meines damaligen Lehrers, der von seinen Schülern immer verlangt hatte, die Mitmenschen so zu behandeln, wie sie selber gerne behandelt werden wollen.“

Die Rolle als Bergführer

Admiral Stawitzki dankte Oberst Hellwig, der für ihn bei seinem Dienstantritt an der Führungsakademie wie ein „Bergführer“ gewesen sei. Er habe ihm den Einstieg als Kommandeur deutlich erleichtert und ihn symbolisch in die Seilschaft „Führungsakademie“ aufgenommen, die Orientierung gab. Die Worte eines alten Holzmeisters, den Ernst Wiechert in einer Erzählung aus dem alten Ostpreußen zu Wort kommen ließ, zitiert Konteradmiral Stawitzki. Für den Kommandeur sind sie ein Bild dafür, wie Oberst Hellwig in der Akademie wirkte: „Präsentiert sich die Welt in ihren beiden Polen, der Stille und dem Lärmenden, so war Oberst Hellwig derjenige, der stille innehalten konnte, um zu beurteilen und um dann seinen Entschluss und seinen Rat zu geben.“ Oberstleutnant Voigt als neuer Leiter der Gruppe "Strategie und Entwicklung" dankt seinem Vorgänger für die Kameradschaft, sein An-die-Hand-Nehmen, das es ihm leicht gemacht habe, in die Aufgabe als neuer Leiter hineinzufinden. Oberst Hellwig habe darüber hinaus immer Zeit für ein persönliches Wort gehabt. Das habe ihm sehr imponiert.

Artillerie und Ballistik bestimmte sein Leben

Hellwig trat am 1. Juli 1975 in das Panzerartilleriebataillon 55 in die Bundeswehr ein. Dieser Truppengattung sollte fortan sein Herz gehören. Wenngleich seine späteren Verwendungen ihn immer weniger mit den Fragen der taktischen Feuerunterstützung, des Joint Fire Supports oder der Ballistik konfrontieren sollten, blieb er doch immer seiner Herkunft treu. In dem von ihm als Autor mitgestalteten Buch „Der Golfkrieg“, das 1992 als eines der ersten Bewertungen zu diesem Konflikt herausgekommen ist, beschäftigte sich Oberst Hellwig ausführlich mit der Rolle und Bedeutung ballistischer Flugkörpersysteme. Doch offenbarte sich in demselben Buch auch der „Stratege“ Hellwig. Mit klarem Urteil nimmt er darin zum Nord-Süd-Konflikt und zu der sich daraus ergebenden sicherheitspolitischen Bedeutung Stellung. Die weiteren Karriereschritte führten Oberst Hellwig in vielfältige Verwendungen, so unter anderem als G4 im Stab der nunmehr aufgelösten ehemaligen Panzergrenadierbrigade 7, als Kommandeur des Panzerartilleriebataillons 325, als Referent im Führungsstab des Heeres oder als Tutor an der Führungsakademie. Es schließt sich der Kreis an der Führungsakademie, wo er seit Januar 2015 die Gruppe "Strategie und Entwicklung" führte.

Strategie an der Führungsakademie

Als Leiter war Oberst Hellwig wesentlich mitverantwortlich für die strategische Ausrichtung der Führungsakademie. An diesem Prozess war Hellwig mit seiner Gruppe maßgeblich mit beteiligt. In einem Interview mit der Zeitschrift IF (Innere Führung) betont er jedoch zugleich, dass „ja nicht alles anders werden muss an der Führungsakademie - zu unserem Auftrag hat es schon immer gehört, die Lehre aktuell zu halten“. Dennoch: „Die letzten 10 Monate seit der Rede von Bundesverteidigungsministerin von der Leyen waren arbeitsreich gewesen, doch auch erfüllend“, wie Hellwig darlegt, „weil es viel zu bewegen galt.“ Er habe die Zeit an der Führungsakademie, „einer herausragenden Ausbildungsstätte“, immer als ein Privileg empfunden.

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt

Wenn am 1. Oktober ein neuer Lebensabschnitt beginnt, dann kann der Vater von zwei erwachsenen Kindern auch auf zwei Auslandseinsätze als Chief Force Issue Policy im KFOR-Hauptquartier und als Chief of Staff im Regional Command North in Masar-e Scharif zurückblicken. Gerade seine Verwendung in Masar-e Scharif stellte für ihn „den persönlichen Höhepunkt seiner Bundeswehrzeit dar“, wie Hellwig erklärt. „Dort wusste er, wozu er ausgebildet worden ist.“ Für Oberst Hellwig geht ein erfülltes Bundeswehr-Berufsleben seinem Ende entgegen. Er wäre jedoch nicht er selbst, wenn er „seiner“ Bundeswehr nicht verbunden bliebe. Ob er, wenn er könnte, noch einmal etwas anders machen würde? „Nein“, sagt er, „ich bin mit mir selbst im Reinen.“ Und um alles noch einmal in Ruhe aus verschiedenen Perspektiven Revue passieren zu lassen, beginnt er seinen neuen Lebensabschnitt mit einem Konzertbesuch von Reinhard Mey in Hamburg.