„Von gestern lernen, am Heute spiegeln, auf morgen vorbereiten“

Autor: Frank Magnus ; Fotos: Frank Magnus

Hamburg, 19.05.2017

Zivile und militärische Teilnehmer am 1.  Besprechungspunkt

Historische Kartenausschnitte helfen beim Orientieren

Der Verlauf der Schlacht wurde im Gelände erschlossen

Die gesamte Woche war ein voller Erfolg

Wie dieser Dreiklang in die moderne Ausbildung von Streitkräften passt, konnten die Heeresuniformträger des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst National 2016 (LGAN 2016) sowie Studierende und Lehrpersonal der Universität Potsdam, Lehrstuhl Militärgeschichte und Kulturgeschichte der Gewalt vom 8. bis 12. Mai praxisnah erleben. Der Bereich Heer führte das Seminar Operationsgeschichte 2017 in enger Zusammenarbeit mit den Militärhistorikern OTL Dr. Loch, Major Kriemann und Major Helmecke vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialforschung der Bundeswehr (ZMSBw) durch. Professor Sönke Neitzel unterstützte den Ausbildungsabschnitt und trug zu anregenden Diskussionen bei. 

Nah dran am Geschehen

Nachdem am ersten Seminartag in den Räumen des Militärhistorischen Museums in Dresden durch den emeritierten Professor Stig Förster (bis Ende 2016 Professor für Neueste Allgemeine Geschichte an der Universität Bern) sowie OTL Dr. Loch die Grundlagen zu den Preußisch-Österreichischen Auseinandersetzungen des 18. Jahrhunderts gelegt wurden, ging es an den beiden folgenden Tagen in drei Lerngruppen durch die Tschechische Republik, in die Region um Jicin und Königgrätz. An ausgewählten Übersichtspunkten wiesen Militärhistoriker des Zentrums Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zunächst in das Gelände ein. Sie stellten den Schlachtverlauf von 1866 dar und erläuterten operative aber auch taktische Entscheidungen greifbar und nachvollziehbar.

Truppenführung im Fokus

Im Anschluss an die Erläuterungen zum Schlachtverlauf diskutierten die Seminarteilnehmer, ob und welche Lehren aus dem jeweiligen Gefechtsverlauf gezogen – und vor allem auf heutiges operativ-taktisches Denken übertragen werden können. Dabei lag der Schwerpunkt auf den Grundsätzen der Truppenführung, nicht auf den taktischen Details der Einzelgefechte. Besondere Beachtung fanden dabei die Grundsätze der Bildung von Schwerpunkten, des Einsatzes von Reserven sowie der Aufklärung und der Führung im Gefecht.

Führungsgrundsätze zur Disposition

Zusammengeführt und abschließend diskutiert wurden die im Felde besprochenen Abläufe dann am vierten und letzten Seminartag, der wieder im Auditorium des Militärhistorischen Museums in Dresden stattfand. Eine wissenschaftlich-historische Sicht auf die Dinge, besonders die Frage, welche Führungsgrundsätze denn in der Schlacht um Königgrätz 1866 entwickelt wurden und welchen Einfluss letztendlich auch die Politik auf Ausstattung, Ausbildung und vor allem die operativen Führer jener Zeit hatte, brachten Dr. Marco Sigg (Militärhistoriker und Direktor des Museums Burg Zug) und Major Kriemann ein. Eine Thematik, die gerade heute aktueller denn je erscheint.

Gemeinsames Verständnis

Insgesamt konnten in der Seminarwoche nicht nur die Grundzüge des deutschen (operativen) Führungsdenkens greifbar und aktiv erarbeitet, sondern speziell in den vielen Gesprächen zwischen den Seminarteilnehmern auch ein gemeinsames Verständnis von Truppenführung und Führungsdenken im Kontext heutiger militärischer Herausforderungen hergestellt werden. Zudem wurde vereinbart, die erstmalige Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Militärgeschichte und Kulturgeschichte der Gewalt der Universität Potsdam auch beim nächsten Seminar fortzusetzen.