Aufbruch zur Entdeckung Europas

Autor: Maximilian Voß; Fotograf: Bundeswehr/Internet

Hamburg, 20.03.2017

decoration / Dekoration

Auftakt der Europareise - das europäische NATO-Hauptquartier

decoration / Dekoration

Treffen mit Vertretern der NATO und EU

decoration / Dekoration

Erläuterungen zu militärischen Vorgehensweisen der afrikanischen Streitkräfte

decoration / Dekoration

Grenzübergang auf den Golanhöhen

decoration / Dekoration

Besuch bei der Presidential Guard in Jericho

decoration / Dekoration

Reisegruppe „Frankreich und United Kingdom"

decoration / Dekoration

Hauptsitz der Vereinten Nationen in Genf

decoration / Dekoration

NATO Communications and Information Agency

decoration / Dekoration

“Schwerter im Felsen” –  Stavanger

decoration / Dekoration

Besuch der Vereinten Nationen in Wien

decoration / Dekoration

Operatives Hauptquartier der NATO in Neapel

Europa und die Welt – die Teilnehmer der Generalsstabs- und Admiralstabsdienstausbildung an der Führungsakademie in Hamburg brachen zu einer Seminarreise auf, um relevante Sicherheitsorganisationen und Staaten kennenzulernen. Brüssel als europäische Metropole und Hauptstadt der Europäischen Union stand als erstes Ziel auf dem Reiseplan. Von hier aus besuchte die Seminargruppe das europäische NATO-Hauptquartier bei Mons sowie das unterstellte Oberkommando im niederländischen Brunssum. Die Zusammentreffen mit hochrangigen Vertretern dieser Einrichtungen sowie der Militärausschüsse der NATO und der EU ließen tiefe Einblicke in die Struktur und Arbeitsabläufe beider Organisationen zu. Im Anschluss gliederte sich die Seminargruppe in acht kleinere Teile auf. Diese setzten ihre Reise mit unterschiedlichen Zielen fort, von Norwegen bis Ghana.

Entlang der Ostseeküste

Der stellvertretende Kommandeur der Führungsakademie, Flottillenadmiral Karsten Schneider, und der Delegationsleiter Oberst i.G. Hansjörg Witt führten ihre Gruppe in die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Die hochrangige Wahrnehmung der Teilnehmer in den Botschaften, den Verteidigungs- sowie Außenministerien der bereisten Länder lieferte den Reisenden zentrale Erkenntnisse über deren Kultur. In diesen Ländern, die aktuell besonders im Fokus stehen, lernten sie Einiges über das nationale Selbstverständnis, die Bedrohungswahrnehmung und die innerpolitischen Dynamiken. „Komplettiert und abgerundet hat das Programm ein Besuch des NATO Centers of Excellence zum Thema ‚Cyber‘ sowie ‚Strategische Kommunikation‘ “, berichtete der Teilnehmer Martin Starkloff. „In Verbindung mit dem vorangegangen Reiseteil ist der Besuch der baltischen Staaten nicht nur in Bezug auf die politischen Aspekte als eine absolute Bereicherung anzusehen“, fasste der Oberstleutnant ergänzend zusammen.

Der „vergessene“ Kontinent

Das Kennenlernen der innerafrikanischen Sicherheitsarchitektur und der Besonderheiten von afrikanischen Staaten als mögliche Einsatzländer der Bundeswehr standen für die Teilnehmer der „Teilreise Afrika“ im Fokus. „Bei unserem Besuch der westafrikanischen Staaten Ghana und Nigeria nutzten wir die Gelegenheit, uns unter anderem über das aktuelle deutsche Engagement im Rahmen nationaler und internationaler Projekte auf diesem Kontinent zu informieren“, erklärt Major Daniel Spitzer. So erfuhr die Gruppe beispielweise in Ghana mehr über den langjährigen Einsatz der Pionierberatergruppe bei den Streitkräften oder die Abstellung deutscher Stabsoffiziere als Dozenten an das Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre der Vereinten Nationen. „In Nigeria stellte sich heraus, wie dieser Staat als starke lokale wirtschaftliche und militärische Größe in regionale und überregionale Bündnisse verankert und damit in der Lage ist, die eigenen Streitkräfte zur Lösung von innerafrikanischen Problemen im Sinne der Vereinten Nationen einzusetzen“, berichtete der Lehrgangsteilnehmer weiter.

Zwischen Frieden und Krieg

Zu einem besseren Verständnis des Nahostkonflikts gelangte eine andere Delegation der Führungsakademie. „Die ganztägige Exkursion zu den Golanhöhen entlang der israelisch-syrischen und der israelisch-libanesischen Grenze ließ zurückliegende Auseinandersetzungen zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten spürbar werden“, berichtete der Teilnehmer Steve Wilhelm. Ebenso sehe es mit dem syrischen Bürgerkrieg aus, dessen Gefechte bis in diese Region wahrzunehmen seien. Der Besuch des israelischen Command and Staff College, einem Pendant der Führungsakademie, trug zur besseren Kenntnis der Rolle Israels bei und erwies sich als willkommener Anlass für einen Erfahrungsaustausch unter den Stabsoffizieren beider Nationen.

Zwei Seiten des Konflikts

Nach der Besichtigung Grenzübergangs Kerem Shalom am südlichsten Zipfel des Konfliktgebietes Gazastreifen reflektierte Major Wilhelm: „Die Spannungen zwischen den Israelis und den Palästinensern sind allgegenwärtig und ständig präsent.“ Ganz andere Impressionen hinterließ die Stadt Jerusalem bei ihm. Aufgrund ihrer Geschichte und der religiösen Gegensätze sei sie mit keiner anderen Stadt der Welt vergleichbar. „Ich war überwältigt von den Eindrücken dieses Ortes“, erklärte Wilhelm. Den Nahostkonflikt aus der palästinensischen Perspektive verdeutlichte eine Führung durch eine Ausbildungseinrichtung der palästinensischen Presidential Guard in Jericho – eine Einheit, deren Kernauftrag der Schutz von Präsident Mahmud Abbas ist. Eine offizielle Kranzniederlegung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem rundete die Teilreise würdig ab.

Von der Seine an die Themse

Major Daniel Jarzynka nahm an der Reise „Frankreich und United Kingdom" teil, die an der französischen Militärakademie École Militaire in Paris startete. „Wir konnten uns dort einen tiefen Einblick in die aktuellen Einsätze der französischen Streitkräfte, die deutsch-französischen Kooperationsvorhaben und französische Verteidigungs- sowie Sicherheitspolitik verschaffen“, blickte Jarzynka zurück. Ein Austausch zu weiteren, nicht rein militärischen Themen gelang durch den Besuch der Deutschen Botschaft, wo die Teilnehmer mit dem Botschafter und Militärattaché zusammentrafen. „Ähnlich setzte sich unsere Tour in England fort. In London wurden wir ebenfalls prominent in der deutschen Botschaft und im britischen Verteidigungsministerium wahrgenommen“, berichtete der Major. Die Gespräche beinhalteten gegenwärtige Themen britischer Innen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.

Lissabon und Genf

Auch die Delegation in Portugal führte in Lissabon offene Gespräche mit dem deutschen Botschafter zur politischen Rahmenlage des Landes. „Noch heute ist das Land durch seine Geschichte als Seefahrernation und seine geografische Lage am Rande Europas stark geprägt“, ließ Major Oliver Nill wissen. Auf dem Reiseprogramm stand neben dem Besuch der Militärakademie des Landes auch die NATO-Einrichtung des Joint Analysis and Lessons Learned Centres. Weitere internationale Organisationen sowie Nichtregierungsorganisationen lernten die Teilnehmer am nächsten Reiseziel Genf kennen. Unter anderem wurden hier die Vereinten Nationen und die Think Tanks „Geneva Centre for Security Policy“ und „Democratic Control of Armed Forces“ aufgesucht. „Die nachhaltigsten Eindrücke über das, was die Welt zusammenhält, hinterließ bei mir jedoch die Großforschungseinrichtung der Europäischen Kernforschungsorganisation CERN“, sagte Nill.

Niederländisches Königreich

Ein Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters in den Niederlanden stellte den Auftakt für die Teilreise „Niederlande und Norwegen" dar, die durch den Direktor Lehre der Führungsakademie, Brigadegeneral Thomas Hambach, begleitet wurde. „Bei angenehmer Atmosphäre in den unglaublich schönen Räumlichkeiten konnten wir uns mit den Alumni der deutschen und niederländischen Generalstabslehrgänge sowie mit zahlreichen Militärattachés austauschen“, berichtete Major Stefan Bremkens. Anschließend standen unter anderem der Besuch der NATO Communications and Information Agency und des internationalen Gerichtshofes in Den Haag auf der Tagesordnung. „Eine Führung durch das Anne-Frank-Haus in Amsterdam hat das kulturelle Programm gebührend abgerundet“, machte Bremkens klar.

Im hohen Norden

Die Reisegruppe führte es folgend in den hohen Norden. Am Joint-Warfare-Center der NATO in Stavanger, wo das Personal in der Durchführung von Operationen im strategisch-operationellen Kontext trainiert wird, erhielten die Teilnehmer Einblicke in die Lehre und Methodik dieser Ausbildungsstätte. Ein Mittagessen mit dem deutschen Botschafter in Oslo vervollständigte den Norwegenanteil der Reise. „Durch ein intensives und interessantes Rahmenprogramm wurden uns die norwegischen Streitkräfte von einer politisch-strategischen Vorstellung bis hin zur gesellschaftlichen Integration der Streitkräfte nahegebrach“, erklärte Major Bremkens. „Beide Nationen betonten die große Bedeutung einer strategisch engen Partnerschaft und Zusammenarbeit - sowohl jetzt als auch zukünftig.“ Insgesamt sei die Reise eine echte Bereicherung für die Teilnehmer gewesen, die ihren Blick erheblich erweitert habe.

Der Donau folgend

Aktuelle und landesspezifische Aspekte der Sicherheits- und Verteidigungspolitik gleich dreier Staaten standen auf dem Programm der Teilreise „Mittel-Ost-Europa“, die Institutionen in Wien, Bratislava und Budapest zum Ziel hatte. Den Auftakt der Besuche in den unterschiedlichen Hauptstädten bildete jeweils eine Einweisung in der Botschaft. „Wir lernten zudem die Landesverteidigungsakademie, die vergleichbar mit der Führungsakademie ist, und Einrichtungen der Vereinten Nationen in Wien kennen“, sagte Oberstabsarzt Dr. Johannes Retka. Der Donau folgend waren in Bratislava und Budapest Vorträge und Diskussionen mit Vertretern aus den Verteidigungsministerien Bestandteil der Reise. Einen Einblick der besonderen Art ermöglichte das Centre of Excellence for Military Medicine im Militärkrankenhaus in Budapest, als Ort des Austausches im Bereich der Militärmedizin. „Nicht nur hier wurde die Bedeutung der Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik plastisch erfahrbar“, fasste Retka zusammen.

La Dolce Vita

„Es war unvermeidbar, das süße Leben (La Dolce Vita) Italiens kennenzulernen“, berichtete Major Björn Ebersoll. Er war Mitglied der 15-köpfigen Teilreise „Italien", bei der insbesondere zwei Städte im Mittelpunkt standen. Nach dem anfänglichen Besuch des NATO-Oberkommandos in Brunssum informierten sich die Reisenden nun auch über das zweite operative Hauptquartier der NATO in Neapel. Anschließend ging es nach Rom. „Wir besuchten nicht nur die Hauptstadt eines wichtigen europäischen Partners, sondern auch eines der Epizentren der europäischen Kultur und Geschichte“, erklärte Ebersoll rückblickend. „Die Informationen über die Arbeitsprozesse und Beziehungen internationaler Entscheidungsträger ließen tiefe Einblicke in die bestimmenden Faktoren eines wichtigen Bündnispartners zu."