Autor: Jens Landau; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 20.12.2016

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„Determined Effort“ - Vielschichtige Stabsübung

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Übungsteilnehmer besetzen Schlüsselfunktionen im simulierten Korpsstab

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NATO-Führungsprozess praktisch angewandt

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Künftige Einsätze vor Augen – Training in international durchmischten Übungsgruppen

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Generalleutnant a.D. Ton van Loon bereichert als Senior Mentor die Übung durch seine umfangreichen Kenntnisse

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Offiziere verschiedener Nationen weiterhin im Austausch

Mit dem sich zu Ende neigenden Ausbildungsjahr 2016 an der Führungsakademie der Bundeswehr ging auch für die knapp 45 Heeresuniformträger des nationalen Generalstabs- und Admiralstabslehrgangs die sogenannte Heeresphase zu Ende. Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss dieses prägenden Ausbildungsabschnittes stellte nunmehr die zweiwöchige Stabsübung „Determined Effort“ dar, in der der ohnehin internationale Lehrgang durch Delegationen aus vier weiteren Ländern unterstützt wurde.

Komplexes Szenario

Auf dem Gebiet der Iberischen Halbinsel kam es zu einem bewaffneten Konflikt zweier fiktiver Staaten, die sich im Streit um Ressourcenvorkommen als auch durch einen ethnischen Konflikt befeuert gegenseitig angegriffen und jeweils Staatsterritorium des Anderen erobert hatten. Die NATO hat in der Folge einen Korpsstab damit beauftragt, als sogenanntes Land Component Command eine landgestützte Operation zur Trennung der Konfliktparteien zu planen und diese mit den anderen Teilstreitkräften abzustimmen. Die Kernfunktionen des Korpsstabes wurden im Rahmen der Übung durch Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmer besetzt.

Neue Führungsebene – Neuer Führungsprozess

So manch einem Lehrgangsteilnehmer war im Vorfeld der Übung zu Beginn der Ausbildung auf der Ebene Korps die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, als die liebgewonnene und intensiv studierte ehemalige Heeresdienstvorschrift 100/100 „Truppenführung“ durch den Führungsprozess der NATO, beschrieben in der Comprehensive Operations Planning Directive, ausgetauscht werden musste. In knapp vier Wochen wurde der neue Prozess sowohl theoretisch vorgestellt und erarbeitet, als auch in einer kurzen Planübung praktisch angewandt. Die Voraussetzungen waren damit gelegt, um in der Abschlussübung zu bestehen und den neuen Prozess zu vertiefen.

Multinationalität zum Anfassen

Das internationale Gesicht des Lehrgangs hat sich während der Übung noch weiter ausgepägt. Zu den zwölf internationalen Lehrgangsteilnehmern aus zehn NATO-Staaten kamen weitere Kameraden aus den USA, Großbritannien, Polen und Frankreich hinzu. Mit der Übungssprache Englisch hatten sich alle Übungsteilnehmer schnell arrangiert und jeder brachte seine ganz individuellen Erfahrungen aus Ausbildung und Einsatz gewinnbringend ein. Generalmajor John S. Kem, der Leiter der Army University und Stellvertretende Kommandeur des Command and General Staff College in Fort Leavenworth, USA, stellte anlässlich seines Besuches heraus, dass die heutigen Einsätze ohne multinationale Kooperation nicht mehr vorstellbar seien. „Lernen Sie die Offiziere anderer Nationen kennen, bilden Sie Netzwerke und lernen Sie voneinander“, lautete sein Auftrag im Rahmen des gemeinsamen Abschlussabends.

Senior Mentor

Als Senior Mentor konnte auch in diesem Jahr wieder der ehemalige Niederländische Generalleutnant Ton van Loon gewonnen werden. Die drei Übungsstäbe profitierten intensiv von dem großen Erfahrungsschatz des ehemaligen Kommandierenden Generals des I. Deutsch-Niederländischen Korps und Kommandeurs des Regionalkommandos Süd in Afghanistan. In seiner Rolle als Kommandeur verdeutlichte er ein ums andere Mal wie wichtig ein ganzheitlicher Ansatz und insbesondere die Tätigkeitsfelder Zivil-Militärische Zusammenarbeit und Operative Kommunikation in den heutigen Konflikten seien. „Konzentrieren Sie sich nicht nur auf das Gewinnen des militärischen Gefechts, sondern insbesondere darauf eine friedliche Lösung zu erreichen“, lautete sein Credo. Auch er hob die Bedeutung von Multilateralismus hervor. „Berücksichtigen Sie die Vorzüge verschiedener Nationen und setzen Sie sie gewinnbringend ein“. Auf diese Weise entfalte ein Bündnis wie die NATO seine wahre Stärke.

Übergang zur operativen und strategischen Ebene

Für die Heeresuniformträger in der anspruchsvollen Generalstabsausbildung endete mit der Stabsübung „Determined Effort“ die Ausbildung auf der höchsten taktischen Ebene. Sie blicken auf eine spannende und fordernde Zeit zurück, in der vor allem die taktische Führung von Landstreitkräften vertieft, bereits aber auch Schnittstellen zur operativen Ebene abgebildet wurden. Diese Ebene wird in der folgenden „Joint-Lehre“ gemeinsam mit den Kameraden von Luftwaffe und Marine im Fokus der Ausbildung stehen.